Für Freiberufler und Selbstständige

Die neu gegründete Ammersee Denkerhaus eG bietet ihnen Büroräume zum Arbeiten.

Laut Studien arbeitet in Deutschland jeder Dritte ganz oder teilweise von zu Hause aus. Oft fehlt in den eigenen vier Wänden jedoch die nötige Konzentration oder ein geregelter Arbeitsablauf.

Ein Büro in einer Gewerbeimmobilie kann oder will sich jedoch nicht jeder leisten. Hier kommt die Entwicklung zur Shareconomy ins Spiel – also Teilen statt Haben. Es entstehen immer mehr gemeinschaftlich genutzte Arbeitsräume – neudeutsch „Co-Working Spaces“. Verbreitet ist das Konzept in Großstädten wie Berlin und München. Seit Kurzem gibt es aber auch in Dießen am Ammersee Gemeinschaftsbüros: die Räume der Ammersee Denkerhaus eG. Hans-Peter Sander, ein Mitbegründer der Genossenschaft, hatte in seinem Lokalpolitik-Blog die Idee aufgeworfen, Gemeinschaftsarbeitsplätze in Dießen aufzubauen. Marc Schlüpmann, der jetzige Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, war sofort überzeugt davon. Er gehörte zu den rund 600 Freiberuflern im Ort, die nicht täglich nach München müssen und von zu Hause aus arbeiteten. Der IT-Berater und Anwendungsentwickler war ohnehin auf der Suche nach geregelten Arbeitszeiten und einem kollegialen Umfeld. Oft ist aber auch das Bedürfnis nach einem repräsentativen Büro der Grund dafür, vom Heimarbeitsplatz auf ein Gemeinschaftsbüro umzusteigen: „Wenn der Kunde plötzlich vorschlug, in meinem Büro vorbeizukommen, habe ich bereits Schweißausbrüche bekommen. Das Wohnzimmer ist nicht ideal und eine Gaststätte ist auch nicht immer passend für eine Besprechung“, so Schlüpmann. Bis zur Gründung der Genossenschaft im Februar dieses Jahres haben Schlüpmann und die anderen Interessenten verschiedene Rechtsformen diskutiert. „Die

Genossenschaft hat am besten zu unserem Konzept gepasst. Das Denkerhaus stellt die Büroräume zur Verfügung und fördert damit die aktuell neun Mitglieder und andere Nutzer in ihrer eigentlichen Tätigkeit“, so der Vorstandsvorsitzende. Zur Umsetzung haben Schlüpmann und sein Team zudem Fördermittel aus dem Leader-Programm der EU zur Stärkung des ländlichen Raums beantragt – mit Erfolg. Niedergelassen haben sich die Denker vom Ammersee in der ehemaligen Polizeistation. Im Großraumbüro können acht Personen arbeiten. Absolute Ruhe findet man in einem der vier Einzelbüros. Für Seminare eignet sich der zusätzliche Besprechungsraum, der für zwölf Personen Platz bietet. Mit in der Miete enthalten sind die Nutzung des Internets und des professionellen Drucksystems. Da es sich bekanntlich mit leerem Magen nicht gut arbeiten lässt, kann man sich in der Teeküche jeden Morgen stärken. Den Gewinn aus dem Verkauf des sogenannten „Charityfrühstücks“ spendet das Denkerhaus an den Verein „Zukunft für Kinder der Welt“. Mittlerweile verbringen rund zehn Freiberufler ihren Arbeitstag im Denkerhaus – vom Mediengestalter über den IT-Spezialisten

bis hin zu einem Hersteller von Schuhen für Barfußläufer. Sie teilen nicht nur die Büroräume, sondern auch ihr Wissen – spontan oder in regelmäßigen Veranstaltungen. Diese in Dießen gelebte Wirtschaft des Teilens führte sogar bereits zur Gründung einer gemeinsamen Firma von zwei Nutzern im Bereich Internetmarketing. Entgegen einem chinesischen Sprichwort ist es offensichtlich nicht nur das Glück, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.