Fußballerin Sara Däbritz

"In der K.-o.-Runde ist alles möglich"

12.06.2014

Fußball-Europameisterin Sara Däbritz ist mit 19 Jahren bereits äußerst erfolgreich: Die langjährige Kundin der Raiffeisenbank Unteres Vilstal war schon bei der U-17-WM und -EM sowie der letztjährigen Frauen-EM in Schweden dabei. Im Interview spricht sie über ihre Einschätzung zu den Chancen der Herren-Nationalmannschaft in Brasilien, die Vorzüge der Außenseiterrolle bei Turnieren und den richtigen Umgang mit Angstgegnern.


Brazuca, der WM-Fußball. Foto: Tim Reckmann/pixelio.deSymbolbild zur WM: Brazuca, der Turnier-Fußball. Foto: Tim Reckmann/pixelio.de



Profil: Die DFB-Frauen-Nationalmannschaft geht fast immer als ein Titelfavorit in ein Turnier. Wie wirkt sich die Favoriten- beziehungsweise Außenseiterrolle auf die Psyche einer Mannschaft aus?

Sara Däbritz: Zunächst – die Zeiten in denen die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft immer sportlich der Favorit war, sind vorbei. Dafür sind die Teams der USA, Frankreichs, Japans und auch von Norwegen mittlerweile zu gut. Aber zurück zur eigentlichen Frage: Auf den Favoriten lastet ein enormer Druck, weiterzukommen. Das ist beim Außenseiter anders – zumindest bis zum Erreichen der K.-o.-Phase. Ab dann ist die psychische Belastung für alle Spieler gleich. Als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft ist man allerdings nie in der Rolle des „Underdogs“ – der Druck durch Fans und Medien ist immer riesig. Von daher macht es für unsere Mannschaft wenig Unterschied, ob sie als Favorit oder Außenseiter nach Brasilien fährt.


Profil: Kann man als Fußballer überhaupt noch Freude am Spiel haben, wenn man einem solchen Druck ausgesetzt ist?

Däbritz: Gewiss doch! Jeder Fußballer sieht die Berufung in die Nationalmannschaft als Höhepunkt seiner Karriere. Stolz und Freude darüber lassen den physischen Leistungsdruck etwas in den Hintergrund treten. In großen Turnieren sein Land vertreten zu dürfen, ist das Schönste und Größte für einen Fußballer!


Sara Däbritz. Foto: Thomas RodenbücherProfil: Insbesondere die klimatischen Verhältnisse in Brasilien werden als problematisch für mitteleuropäische Sportler beschrieben: Aber müssen austrainierte Athleten nicht mit dem  feuchtwarmen Temperaturen fertig werden?

Däbritz: Die deutsche Nationalmannschaft reist – wie auch die anderen Teams – rechtzeitig zur Akklimatisierung in Brasilien an. Die Sportler sollten sich bis zum Beginn der WM an Hitze und Feuchtigkeit gewöhnt haben. Ich glaube daher nicht, dass es einen dauerhaften Vorteil für die südamerikanischen Heimmannschaften aufgrund des Klimas gibt – wenn überhaupt, nur in den ersten Spielen.

Sara Däbritz. Foto: Thomas
Rodenbücher

Profil: Wo sehen Sie die großen Herausforderungen für unsere Mannschaft auf dem Weg zum Titel?

Däbritz: Die entscheidende Phase in einem Turnier ist die Gruppenphase – insbesondere das erste Spiel. Hier ist eine Mannschaft immer noch sehr nervös und manchmal unkonzentriert. Gewinnt man das erste Spiel, kommt Ruhe in das Mannschaftsgefüge. Man hat hierdurch einen klaren Vorteil im Rest der Gruppenphase. Hat die Mannschaft erst einmal die K-.o.-Runden erreicht, ist alles möglich.


Profi: Es sei denn, die Nationalelf stößt auf Spanien oder Italien: Wie stellt ein Trainer sein Team auf solche Angstgegner ein?

Däbritz: Ich kann hier natürlich nur aus meiner Perspektive sprechen. Aber ich glaube, für die meisten Fußballer gibt es so etwas wie Angstgegner nicht. Das ist ein Mythos. Wenn ich die letzten zwei Spiele gegen einen bestimmten Gegner verloren habe, gehe ich nur noch motivierter an die Sache, um zu zeigen: „Dieses Mal verlassen wir das Feld nicht als Verlierer!“


Profil: Wo werden Sie das erste Spiel unserer Mannschaft schauen?

Däbritz: Da ich im Juni im Urlaub bin, schaue ich das Spiel voraussichtlich in einer Strandbar an – in jedem Fall an einem Ort, wo ordentlich Halligalli ist.