Gastbeitrag von Elmar Forster

„Meister Eder“ war einmal

07.02.2017

Dem mittelfränkischen Handwerk geht es ausgezeichnet. Besonders im Bau- und Ausbaugewerbe boomt der Markt. In Finanzierungsfragen hat sich die Partnerschaft mit den Regionalbanken bewährt, wie Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken, in einem Gastbeitrag schreibt.



Eine Handwerkerin zeigt auf den „Alt- und Neubautagen“ der Handswerkskammer für Mittelfranken, wie man einen Lehmverputz korrekt aufträgt.


Im mittelfränkischen Handwerk könnte die Stimmung kaum besser sein. Das zeigt der jüngste Kurzbericht zur wirtschaftlichen Lage des Handwerks in Mittelfranken. Die gewerkübergreifende Zufriedenheit liegt im Schnitt bei über 88 Prozent, im Ausbaugewerbe sogar bei knapp 93 Prozent. Auch die Aussichten sind weiterhin ausgezeichnet. 74 Prozent der Betriebe meldeten eine Auslastung von mehr als 70 Prozent, knapp 40 Prozent konnten im dritten Quartal 2016 sogar eine Auslastung von über 90 Prozent verzeichnen. Mit 8,1 Wochen liegt der durchschnittliche Auftragsbestand erneut deutlich über dem Vorjahreswert (7,7 Wochen).

Besonders im Bau- und Ausbaugewerbe boomt der Markt. Die Auftragsbücher sind randvoll. Bei den Hoch- und Tiefbaubetrieben beträgt die durchschnittliche Kapazitätsauslastung sogar 10,2 Wochen. Verantwortlich für die gute Wirtschaftslage ist vor allem der hohe Bedarf an Wohnungen. Generell profitiert das Bauhandwerk auch von den langanhaltend niedrigen Zinsen. Die Menschen investieren in „Betongold“. Das Geld ist im Umlauf, anstatt auf dem Sparbuch zu liegen.

Einhergehend mit der guten konjunkturellen Lage steigen auch die Beschäftigtenzahlen. Allerdings fällt es schwer, den Bedarf an Fachkräften zu decken. Daher bildet das Handwerk verstärkt aus. Rund 14 Prozent mehr Lehrverträge als im Vorjahr wurden zu Beginn des Ausbildungsjahrs 2016 registriert, trotzdem sind noch Hunderte Ausbildungsstellen in Mittelfranken unbesetzt.

Expertenwissen ist gefragt


Gerade in den Bereichen energetische Sanierung beziehungsweise energieeffizientes Bauen hat das Handwerk die Nase vorn; kompetente Ansprechpartner sind heiß begehrt. Denn bei diesen Themen braucht es Experten, die mit viel Erfahrung und Sorgfalt vorgehen. Förderprogramme gibt es viele, aber die Standards sind nicht immer leicht zu erfüllen. Damit es zum Beispiel mit dem KfW-Zuschuss klappt, ist Qualitätsarbeit gefragt. Längst ist der klassische Handwerker nicht mehr der „Schreinermeister Eder“, sondern ein echter Technikexperte. Gerade im Bereich der Energieeffizienz müssen Handwerker physikalische Gesetze, Normen, KfW­Standards, Materialeigenschaften und nicht zuletzt die Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten der Kunden im Auge behalten.

Stuckateure, Anlagenmechaniker, Elektroniker oder Dachdecker arbeiten im Sanierungsbereich Hand in Hand, um das von der Bundesregierung formulierte Ziel, den Wärmebedarf des Gebäudebestands bis 2020 um 20 Prozent und den Primärenergiebedarf bis 2050 um 80 Prozent zu reduzieren, zu erreichen. Das setzt allerdings voraus, dass die Gebäudesanierungsrate von knapp 1 auf 2 Prozent mehr als verdoppelt wird.

Ansprechpartner Hausbank


Anreize hierfür bieten zahlreiche Fördermittelprogramme, die motivieren sollen, Wohnraum energetisch zu sanieren oder energieeffizient neu zu errichten. Hierzu können Handwerker oft erste Anregungen geben. Gerade bei der Frage nach der Finanzierung finden sowohl sie als auch Endkunden bei ihrer Hausbank einen kompetenten Ansprechpartner. So bietet die KfW­Bank zinsgünstige Darlehen für energieeffiziente Bau­ und Sanierungsmaßnahmen – sowohl für Einzelprojekte als auch für Generalsanierungen. Aber auch das Handwerk greift gerne auf die Dienste der Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie der Sparkassen zurück, wenn es um Fördermittelfragen geht.


Elmar ForsterEin Beispiel ist das KfW-Förderprogramm „Energieeffizient Bauen und Sanieren Nichtwohngebäude“. Dieses umfasst nicht nur ein zinsgünstiges Darlehen, sondern es wird auch je nach Voraussetzung und bis zu einer Obergrenze von 175 Euro pro Quadratmeter ein Tilgungszuschuss bis zu 17,5 Prozent gewährt. Auch die Förderprogramme „Energieeffiziente Produktionsanlagen und Prozesse“ sowie jenes zur Abwärmenutzung der KfW sind über die Hausbank zu beantragen. Seit Mai 2016 gibt es auch ein zinsgünstiges Darlehen mit einem Tilgungszuschuss bis zu 40 Prozent über das KfW-Energieeffizienz-Programm zur Abwärmenutzung.

Elmar Forster

Natürlich gibt es Dutzende weitere Förderprogramme. Diese kleine Auswahl zeigt aber schon anschaulich, wie das Handwerk und die Regionalbanken gerade in diesem Bereich zusammenarbeiten. Wie belastbar diese Beziehung ist, zeigte sich in der Finanzkrise. Regionalbanken und Mittelstand erwiesen sich als Stabilisatoren der Wirtschaft. Sie federten die Folgen der globalen Krise ab, die in anderen Ländern voll durchschlug. Das Vertrauen zwischen Regionalbanken und Handwerk, das durch langjährige regionale Partnerschaften entstanden ist, hat sich hier bewährt und letztendlich voll ausgezahlt.

Der Gastbeitrag in voller Länge ist in der Januar-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.