Gefahr für Mittelstandsfinanzierung

Götzl fordert mehr Sensibilität für deutsche Wirtschaftsstrukturen

05.12.2014

GVB-Präsident Stephan Götzl fordert von Politik und Aufsicht in Europa mehr Rücksichtnahme auf die Besonderheiten der Mittelstandsfinanzierung in Deutschland. Im Interview mit der Bayerischen Staatszeitung warnt er vor negativen Folgen für Unternehmen und Gesamtwirtschaft durch die geplante Bevorzugung des Kapitalmarktes und weiter steigende Eigenkapitalanforderungen.


Stephan Götzl


Der Verbandspräsident kritisiert in dem Gespräch insbesondere die von der Kommission ins Auge gefasste Förderung der Kapitalmarktfinanzierung. "Bei uns funktioniert die Kreditvergabe durch Banken", sagte Götzl. "Warum soll daran gerüttelt werden?" Für Deutschland gäbe es derzeit nicht mal im Ansatz eine Kreditklemme.

Durch die Pläne der Kommission, kapitalmarktbasierte Finanzierungsinstrumente zu fördern, sieht Götzl schwerwiegende Probleme auf den deutschen Mittelstand zukommen: "Es würde teurer und langwieriger für Unternehmen an Fredmkapital zu kommen", sagte er. Dabei verwies der GVB-Präsident unter anderem auf die umfangreichen Prospektpflichten und die hohen Zinsen für Mittelstandsanleihen. Zudem mache die Emission von Anleihen erst ab einem Volumen von 50 Mio. Euro Sinn. Dies ist nach seinen Worten eine Größenordnung, die für die Firmenkunden der bayerischen Volksbanken und Raiffeisen mit einem durchschnittlichen Kreditvolumen von 130.000 Euro, keinen Sinn macht.

Zudem erteilte Götzl den Überlegungen des Baseler Ausschusses, Zinsänderungsrisiken mit mehr Eigenkapital zu hinterlegen, eine Absage. Dadurch würden die zur Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen benötigten Mittel drastisch reduziert.


Ein Teil des Interviews ist auf der Webseite der Bayerischen Staatszeitung nachzulesen.