Genossenschaften in Brasilien

Die eG unter dem Zuckerhut

12.06.2014

Während der WM in Brasilien sind Fernsehen, Zeitungen und Internet voll von Sambatänzerinnen, Copacabana und natürlich Fußbällen. Nicht bei den Klischees auftauchen dürften die Genossenschaften. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle in der Wirtschaft des Landes.

Die Bucht von Rio de Janeiro mit einem seiner Wahrzeichen, dem Zuckerhut. Foto: Panthermedia/jamesharrisonDie Bucht von Rio de Janeiro mit einem seiner Wahrzeichen, dem Zuckerhut. Foto: Panthermedia/jamesharrison


Im größten Land Südamerikas gehören über 6.600 Genossenschaften dem Dachverband Organização das Cooperativas Brasileiras (OCB) an. Zusammen haben sie mehr als 11 Millionen Mitglieder. Und die Genossenschaften sind ein wichtiger Arbeitgeber: Rund 320.000 Menschen sind bei einer Kooperative beschäftigt. Insgesamt wird geschätzt, dass ungefähr 33 Millionen Brasilianer direkt oder indirekt in den Genossenschaftssektor eingebunden sind.

Brasilianische Genossenschaften gibt es in 13 Wirtschaftszweigen. Betrachtet man jeweils die Anzahl der Genossenschaften, teilen sich Landwirtschaft, Transportwesen und Kreditwirtschaft die ersten Plätze.

Anzahl der Genossenschaften in Brasilien nach Branchen. Quelle: OCB
Anzahl der Genossenschaften in Brasilien nach Branchen. Quelle: OCB


Anders sieht die Situation bei der Anzahl der Mitglieder aus. Hier sind die Kreditgenossenschaften die mit Abstand größte Gruppe, gefolgt von Konsum- und Landwirtschaftsgenossenschaften.


Die Anzahl der Genossenschaftsmitglieder in Brasilien nach Branchen. Quelle: OCB
Die Anzahl der Genossenschaftsmitglieder in Brasilien nach Branchen. Quelle: OCB



Dass die Landwirtschaft eine der stärksten Branchen im brasilianischen Genossenschaftssektor ist, zeigt sich auch an den Marktanteilen. So verantworten Kooperativen zum Beispiel 74 Prozent der nationalen Weizenproduktion, bei Soja sind 57 Prozent.

Genossenschaften spielen also eine durchaus bedeutende Rolle in der Wirtschaft Brasiliens. Um die Unternehmensform dort weiter zu fördern, unterstützt der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) die Entwicklung genossenschaftlicher Strukturen vor Ort. Das zeigt das Beispiel einer Kreditgenossenschaft in Senhor de Bonfim, einer entlegenen Kleinstadt im Bundesstaat Bahia.