Genossenschaften und Kartoffeln

Chips aus der "Kartoffelpfalz"

16.07.2014

Sie liefern den Grundstoff für gemütliche Fernsehabende: Drei Oberpfälzer Genossenschaften versorgen einen namhaften Chipshersteller mit den gelben Knollen.

Ein Waldauer Landwirt beim Kartoffelpflanzen.
Ein Waldauer Landwirt beim Kartoffelpflanzen.


Lady Clair ist eine Diva – trotz ihres Aussehens. Die rundovale Niederländerin mit gelb-fleischigen Teint ist keine Schönheit und noch dazu krankheitsanfällig. Ihre Qualitäten liegen wie so oft im Inneren: Sie ist vorwiegend festkochend-mehligkochend, enthält wenig Stärke und karamellisiert daher nicht. Lady Clair ist eine Kartoffelsorte. Nein, sie ist sogar die momentan beste Kartoffelsorte für die Chipsproduktion. Sie bleibt weiß, wenn sie in siedend heißes Fett fällt – wo andere Sorten braun werden.

Das zeigt bereits: Kartoffeln sind eine Wissenschaft für sich. Wenn das jemand versteht, dann ist das die Lorenz Bahlsen Snack-World. Das Unternehmen aus Neu-Isenburg produziert zum Beispiel Crunchips, Chipsletten, ErdnußLocken oder NicNac’s. Den wichtigsten Rohstoff für ihre Chips holt sich die Firma in der „Kartoffelpfalz“, wie die Oberpfalz im Fachjargon genannt wird.

Genossenschaftliche Chipskartoffeln aus der Region

In Neunburg vorm Wald unterhält die Lorenz Bahlsen Snack-World daher ein Werk: Die Transportwege sind kurz, wenn die Erdäpfel direkt vor dem Fabriktor wachsen. Sie stammen hauptsächlich von drei Genossenschaften in der Region, der Qualitätskartoffel Waldau eG, der Anbaugenossenschaft für Qualitätskartoffel Floß und Umgebung sowie der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln Eslarn/Opf. eG.

Jede davon unterhält Außenlager, in denen die Kartoffelbauern ihre Knollen lagern bis sie zu Crunchips weiterverarbeitet werden. Vor mehr als 40 Jahren sind das Großunternehmen beziehungsweise eine seiner Vorläuferfirmen und die genossenschaftlich organisierten Landwirte eine Partnerschaft eingegangen, die sich bis heute für beide Seiten auszahlt.

So hat die Qualitätskartoffel Waldau eG letztes Jahr rund 675.000 Euro investiert, um die Qualität ihrer Erdäpfel zu verbessern und die Produktionsmenge zu steigern. Die Genossenschaft selbst baute eine neue Annahmestation. Die angelieferten Kartoffeln werden dort sortiert und in Kisten gefüllt. Früher mussten die Landwirte das auf dem Feld selbst erledigen – was wegen der fehlenden Arbeitskräfte und hoher Qualitätsstandards zuletzt immer schwieriger wurde.

Genossenschaftliche Aufgaben in der Kartoffelkette

Genau wie die beiden anderen eGs hat die Anbaugenossenschaft für Qualitätskartoffeln Floß und Umgebung feste Abnahmeverträge geschlossen, die den Landwirten feste Preise garantieren. Nach der Anlieferung müssen sich die Anbauer selbst um nichts mehr kümmern: Die Genossenschaft lagert die Kartoffeln ein und sorgt dafür, dass sie haltbar bleiben, bis sie im Neunburger Bahlsen Werk gebraucht werden. Den Abtransport organisiert ebenfalls die Genossenschaft: Ihn übernimmt ein Transportunternehmen aus der Region, dass sich auf Kartoffeln spezialisiert hat – und zu dessen Kunden auch die Schwestergenossenschaften aus Waldau und Eslarn gehören.


Kartoffelernte bei der Anbaugenossenschaft für Qualitätskartoffel Floß und Umgebung.Kartoffelernte bei der Anbaugenossenschaft für Qualitätskartoffel Floß und Umgebung.


Die Kartoffelkette beginnt im Herbst, wenn Lady Clair und ihre Schwestern geerntet werden. Danach werden sie eingelagert und müssen frisch bleiben – bis in den Juni des Folgejahres. Deswegen hat die Floßer Genossenschaft ein Hightech-Kühllager mit 4.000 Tonnen Lagerkapazität gebaut. Insgesamt kann das Unternehmen 7.000 Tonnen lagern und investiert laufend, um seine Kapazitäten zu erweitern oder zu modernisieren.

Investitionen in High-Tech-Kühlhäuser

Die Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln Eslarn/Opf. eG unterhält insgesamt vier Lager, zwei für lose Kartoffeln, eines für Kartoffelkisten und ein Kühllager. Genau wie in Floß ist man darauf besonders stolz: „Damit die Kartoffeln lange frisch bleiben, kühlen wir auf konstant 8 Grad“, so der Vorstandsvorsitzende Johann Hanauer. Dies sei vor allem im Frühjahr besonders wichtig. In dem 2002 errichteten Kühlhaus können insgesamt 2.500 Tonnen Kartoffeln gelagert werden – der Bau war eine Investition in der Größenordnung von einer halben Million Euro. „Damals war unser Kühllager das modernste in der ganzen Oberpfalz“, so Hanauer.

Die Erzeugergemeinschaft aus Eslarn wurde 1969 gegründet. „Ein aus Neunburg stammender Kaplan stellte damals den Kontakt zur Firma Flessner her, die später von Bahlsen erworben wurde“, erzählt der Vorstandsvorsitzende. Deswegen essen auch alle befragten Landwirte gerne Kartoffelchips – zumindest sporadisch und natürlich von der richtigen Marke, wie einer der Vorstände lächelnd bemerkt. Wer Crunchips kaufe, unterstütze dadurch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Oberpfälzer Kartoffelbauern und ihre drei Genossenschaften, fügt er werbewirksam hinzu.


Die ganze Geschichte der drei Genossenschaften aus der "Kartoffelpfalz" lesen Sie in der Juli-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".


Bildergalerie: Der Weg vom Feld zur Chipsfabrik