Genossenschaftliche Dorfläden

Den Supermarkt im Dorf lassen

18.06.2013

In immer mehr Ortschaften verschwinden die Supermärkte: Einkaufen wird dann gerade für ältere Menschen zum Problem. Zwei neu gegründete Dorfladengenossenschaften in Schönberg und Arberg gehen dagegen an und organisieren Nahversorgung in Bürgerhand.

Laut dem Bayerischen Handelsverband haben 12 Prozent der Bayern in ihrer Gemeinde keinen Lebensmittelmarkt mehr. Ein Grund für diese Situation ist der Wegfall von Schlecker-Filialen, die mancherorts auch die Lebensmittelgrundversorgung sicherten. Ähnlich war es im mittelfränkischen Schönberg. Im Frühsommer 2012 schloss nach Schlecker auch der letzte Bäcker in dem Ortsteil der Stadt Lauf an der Pegnitz. Daher hat die Initiative des Dorfvereins, eine genossenschaftliche Nahversorgung zu gründen, immer mehr Anklang gefunden. Im Herbst 2012 war es so weit. Nachdem bereits mehr als 200 Bürger Interesse gezeigt hatten, eröffnete der Dorfladen Schönberg. Sechs Wochen vor der Eröffnung gab es bereits eine Kostprobe. Die Belegschaft hat zu Kirchweih Gebäck verkauft. „Die Bewohner waren gespannt“, so Peter Lang, Vorstand der Ladengenossenschaft und Vorsitzender des Dorfvereins.

Außer Backwaren bieten die Schönberger zum Beispiel frische Fleisch- und Wurstwaren, Obst, Gemüse, Molkereiprodukte, Getränke und Drogerieartikel an. Lang und sein Team legen großen Wert auf Regionalität. „Wir bekommen unseren Spargel von einem Landwirt, der seinen Hof zwei Kilometer entfernt betreibt“, so Lang. Aber auch abgepackte Produkte wie Müsli, Marmeladen und Wein stammen oft aus regionaler Produktion. Das Sortiment umfasst rund 2.000 Artikel – mehr als ein normaler Aldi anbietet – und das auf einer Fläche von nur 150 Quadratmetern. Die Facebook-Seite informiert über Neuigkeiten. Die Schönberger kommen jedoch nicht nur zum Einkaufen. „Der Treffpunktcharakter des Ladens ist ein wichtiger Grund. Die Hälfte der Zeit ratscht man“, sagt Lang. Zum gemütlichen Austausch dient auch die Kaffee-Ecke im Geschäft.

Der Zusammenhalt ist für Lang nicht nur unter den Kunden zu spüren. „Das Netzwerk und die Solidarität, die zwischen verschiedenen Genossenschaften und mit der Baywa und der Raiffeisenbank bestehen, sind ein großes Plus der Rechtsform“, so Lang. „Ein großer Vorteil liegt zudem in der Prüfung, die von außen kommt. Nachdem Aufsichtsrat und Vorstand meistens aus demselben Dorf stammen, ist es gut, wenn ein Außenstehender die Zahlen anschaut.“

Die Vorteile eines Dorfladens in Form einer Genossenschaft haben auch die Bürger von Arberg im Landkreis Ansbach erkannt. Hier wurde der seit 1996 existierende Dorfladen 2012 in eine Genossenschaft umgewandelt. Karl Haßlmeyer, der Vorstandsvorsitzende des Dorfladens Arberg, hatte den Laden in seiner Zeit als erster Bürgermeister von Arberg als Eigenunternehmen gegründet, um eine  Nahversorgung zu garantieren. Später übernahm die Gemeinde das Geschäft.

Als sich 2011 der Laden als nicht mehr rentabel erwies und zum 30. Juni 2012 geschlossen werden sollte, schaltete sich Haßlmeyer erneut ein. Zusammen mit anderen Bürgern war es ihm möglich, ab August 2012 den Laden als Genossenschaft weiterzuführen. „Der entscheidende Grund, sich für die Form der Genossenschaft zu entscheiden, war die Kundenbindung“, so Haßlmeyer. „Durch die hohe Priorität auf der Sicherung des Eigenkapitals gewinnt man mehr Anleger. Je mehr Anleger es gibt, umso mehr potenzielle Kunden habe ich.“ Derzeit sind es 180 Mitglieder.

Auch in Arberg ist das Angebot regional und vielfältig, trotz der kleinen Fläche von 96 Quadratmetern. Die Produkte reichen von Lebensmitteln über Getränke und Tiernahrung bis hin zu Geschenkartikeln. Eier, Kartoffeln, Gemüse, Nudeln und Soßen gibt es aus regionaler Produktion. Offene Wurst- und Fleischwaren können die Arberger bestellen. Darüber hinaus gibt es den Service der Kleiderreinigung und Schuhreparatur sowie eine Poststelle.

Das Motto des Dorfladens: Die Infrastruktur nicht mindern, sondern stärken.
„Wir wollen niemandem aus dem Ort Konkurrenz machen. Wir versuchen immer dann einzuspringen, wenn irgendeine Versorgung ausfällt“, sagt Haßlmeyer. So bietet die Ladengenossenschaft nur sechs Wochen im Jahr Backwaren an. Nämlich dann, wenn der ansässige Bäcker im Urlaub ist.

Die Kunden sind hauptsächlich jüngere Familien, die nur ein Auto haben, und Rentner, die nicht mehr so mobil sind. Für Letztere gibt es auch einen ehrenamtlichen Lieferservice. Für nächstes Jahr plant das Dorfladenteam, einen Bürgerbus zu organisieren. So wäre auch die Grundversorgung für die Bevölkerung in den umliegenden Ortsteilen gesichert.