Genossenschaftsgründer

Was Menschen zur Rechtsform eG bewegt

01.04.2014

Der anhaltende Trend zur Genossenschaftsgründung zeigt das Interesse an der Unternehmensform. Doch was bewegt Menschen, die sich zusammenschließen, um gemeinsam zu erreichen, was der Einzelne nicht schaffen kann? Eine Spurensuche.

Genossenschaftsgründer aus Bayern: Genossenschaftsgründer aus Bayern: "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" widmet ihnen in der April-Ausgabe ein ganzes Heft.


Jürgen Winter, Vorstand der Klinik-Kompetenz-Bayern (KKB)


Gemeinsam mit gleichgesinnten Klinikchefs gründete Jürgen Winter 2011 die Klinik-Kompetenz-Bayern (KKB). Der Genossenschaft gehörten zunächst 24 vorwiegend kommunale Krankenhäuser an. Ihr Ziel ist es, die Mitglieder für den wachsenden Wettbewerb fit zu machen, durch gemeinsamen Einkauf Kosten zu sparen und – das betont der Vorstand – voneinander zu lernen. „Durch die Rechtsform können die Kliniken ihre Schlagkraft stärken und gleichzeitig ihre Unabhängigkeit bewahren“, erklärt Winter. Zudem spreche die Haftungsbegrenzung für die Unternehmensform.

Auch drei Jahre nach der Gründung ist Winter immer noch mit Begeisterung dabei. „Ich genieße den Austausch mit Gleichgesinnten, den mir meine Arbeit als Genossenschaftsvorstand ermöglicht“, so der Klinikmanager.

Alois Reule, Vorstand der Nahwärme Gnotzheim eG


2013 entschlossen sich die Bürger in Gnotzheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zur Gründung einer Nahwärmegenossenschaft. „Die Rechtsform drängte sich förmlich auf“, sagt Reule. Der leichte Ein- und Austritt, die Insolvenzsicherheit und Haftungsbeschränkung sowie der große Gestaltungsraum bei der Satzung überzeugten die 30 Mitglieder. „Und der
Förderauftrag: Eine Genossenschaft kümmert sich nur um ihr Geschäftsfeld und sonst nichts“, erklärt der Vorstand.

Rechts: Jürgen Winter von der Klinik-Kompetenz-Bayern bei der Jahrespressekonferenz 2011 der bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Rechts: Bauarbeiten für das Gnotzheimer Nahwärmenetz.Rechts: Jürgen Winter von der Klinik-Kompetenz-Bayern bei der Jahrespressekonferenz 2011 der bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Rechts: Bauarbeiten für das Gnotzheimer Nahwärmenetz.


Harald Winkler, zweiter Vorsitzenden der Bioenergiedorf Wettringen eG


2011 gründeten zwei Dutzend Familien aus der Gemeinde Wettringen in Unterfranken die Genossenschaft, die ökologisch erzeugten Strom ins Netz und Wärme an die Haushalte liefert. Die Möglichkeit, eine eG zu gründen, erleichterte die Überzeugungsarbeit, berichtet Winkler. Sie sei eine demokratische Rechtsform, die große Haftungsvorteile biete. Auch das Prinzip der Rückvergütung sei für die Entscheidung zur Gründung wichtig gewesen. Letztlich sprach zudem der einfache Ein- und Austritt von Mitgliedern für die Genossenschaft.

Johann Sperl, Vorstandsvorsitzender der Senioren-Wohnen eG


Die Senioren-Wohnen eG betreibt eine Wohngemeinschaft in Neukirchen b.Hl.Blut, in der zwölf Senioren eigenverantwortlich leben und die nötigen Pflegedienstleistungen erhalten. Als sich die Genossenschaft vor drei Jahren gründete, war die Wahl der Unternehmensform von sachlichen Argumenten geprägt. Sie sei eine demokratische und transparente Unternehmensform, die ihren Mitgliedern durch die gesetzliche Prüfung ein hohes Maß an Sicherheit biete, sagt Johann Sperl.

Sein Fazit nach drei Jahren im Vorstand erstaunt daher nicht: „Wir sind stolz darauf, dass wir unsere Genossenschaft haben – und wir werden auch noch lange Freude an ihr haben.“ Der Antrieb, der zur Gründung geführt hat, sei nach wie vor sehr stark präsent, so der Vorstandsvorsitzende.

Roman Becker, Vorstand der Solunity eG


Die Genossenschaft Solunity eG aus dem oberbayerischen Türkenfeld ist ein Zusammenschluss von kleineren Firmen, Selbstständigen und Freiberuflern. Die IT-Experten betreuen andere Unternehmen bei Projekten mit dem Programm SAP. Für die eG habe man sich entschieden, weil sie eine sehr solide Unternehmensform mit einem unkomplizierten Gründungsprozess sei, sagt Vorstand Roman Becker.

„Die Genossenschaft ist eine eigenständige juristische Person, deren im Vergleich zur GmbH flexible Verbindung zu den Mitgliedern Ein- und Austritte sehr leicht handhabbar macht – das war uns wichtig“, erläutert er. „Wir würden die Solunity definitiv wieder als Genossenschaft gründen, weil es sich dabei um eine wunderbare Unternehmensform handelt, die sich bewährt hat.“



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