Georg Schlagbauer im Interview

"Hausbanken des Handwerks"

15.01.2015

Georg Schlagbauer ist Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern und Präsident des Bayerischen Handwerkstags. Im Interview mit "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" spricht er über die aktuelle Finanzierungssituation der bayerischen Handwerksbetriebe.


Georg Schlagbauer. Foto: Handwerkskammer für München und Oberbayern


Profil: Wie bewerten Sie die momentane Finanzierungssituation der bayerischen Handwerksbetriebe?


Georg Schlagbauer: Die momentane Finanzierungssituation kann im Allgemeinen als gut bewertet werden, was auch auf die gegenwärtig höhere Rentabilität und die Verbesserung der Eigenkapitalquoten unserer Betriebe zurückzuführen sein dürfte. Von diesem positiven Trend profitieren laut einer aktuellen Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) jedoch deutlich weniger die kleinen und die jungen Unternehmen: 28 Prozent der Betriebe mit Jahresumsätzen von bis zu 1 Million Euro sowie 24 Prozent der Betriebe in einer sechsjährigen Anlaufphase beklagen einen erschwerten Kreditzugang. Diese Betriebe können den erhöhten Anforderungen an betriebswirtschaftliche Planungs-­ und Dokumentationserfordernisse nicht in der Weise entsprechen, wie größere, kaufmännisch besser organisierte Betriebe.

Profil: Welche Auswirkungen könnte Basel III auf den Zugang zu Unternehmenskrediten haben – insbesondere wenn 2016 tatsächlich der KMU-­Korrekturfaktor abgeschafft werden sollte?

Schlagbauer: Der Wegfall des KMU-­Korrekturfaktors würde nach meiner Einschätzung unweigerlich zu einer Verknappung des Kreditangebots für unsere Betriebe führen. In der Folge würden sich die Kreditkonditionen verteuern. Ein Teil der Betriebe wäre von der Kreditvergabe möglicherweise ganz ausgeschlossen. Somit würde das Handwerk in seiner Investitionsfähigkeit eingeschränkt werden. Ich kann Ihnen aber versichern, dass sich der Bayerische Handwerkstag (BHT) entschieden gegen alle Überlegungen zur Abschaffung oder Reduzierung dieses Korrekturfaktors stellen wird, zumal wir uns bereits im Vorfeld der Umsetzung von Basel III massiv für die Einführung dieses Faktors eingesetzt hatten.

Profil: Sind alternative Finanzierungsinstrumente ein geeignetes Mittel für Handwerksbetriebe, um den erschwerten Zugang zum Hausbankkredit auszugleichen, wie es Pläne der EU­Kommission vorsehen?

Schlagbauer: Alternative Finanzierungsinstrumente können die klassische kreditbasierte Unternehmensfinanzierung im Handwerk ergänzen, aber nicht ersetzen. Daher ist die Aufrechterhaltung einer kostengünstigen und zuverlässigen Kreditversorgung durch die Hausbanken des Handwerks, insbesondere die Genossenschaftsbanken, unabdingbar.


Das vollständige Interview mit Georg Schlagbauer lesen Sie in der Januar-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".