Gesundheitsmanagement

Der unterschätzte Erfolgsfaktor

28.04.2014

Beim Gesundheitsmanagement stehen sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter in der Verantwortung. Doch dieses Bewusstsein muss sich noch durchsetzen.

Um die Arbeitskraft der Angestellten zu erhalten, müssen Unternehmen aktives Gesundheitsmanagement betreiben. Foto: PanthermediaUm die Arbeitskraft der Angestellten zu erhalten, müssen Unternehmen aktives Gesundheitsmanagement betreiben. Foto: Panthermedia


Der Schutz der Gesundheit am Arbeitsplatz steht in der modernen Arbeitswelt vor neuen Herausforderungen. Damit wächst die Verantwortung von Unternehmen für ihre Mitarbeiter. Das betonte auch Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller anlässlich des Welttags für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz: "Gesundheitsschutz schließt jetzt auch Themen wie 'Psychische Belastungen am Arbeitsplatz', 'Alters- und Alternsgerechte Arbeitsgestaltung' und 'Work-Life-Balance' ein", so die Ministerin.

Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass „Gesundheit“ für eine Volkswirtschaft der neue Erfolgsfaktor des 21. Jahrhunderts werden wird. Sie führen für ihre Prognose den demografischen Wandel ins Feld. Vor allem in den westlichen Industrienationen altert die Bevölkerung rasant. Der Faktor Gesundheit unterscheidet dann erfolgreiche von erfolglosen Volkswirtschaften.

Doch die Realität sieht bisweilen noch ganz anders aus: Laut dem finnischen Gesundheitsökonomen Juhani Ilmarinen kosten allein die Krankenstandskosten Unternehmen im Schnitt 3.500 Euro pro Jahr und  Mitarbeiter. Diese Zahlen bestätigt eine Studie der Strategieberatung Booz & Company. Sie geht  sogar von Krankheitskosten von 3.600 Euro pro Jahr und Mitarbeiter aus. Der daraus resultierende Schaden für die deutsche Volkswirtschaft beträgt jährlich rund 130 Milliarden Euro.

Gesundheitsmanagement ganz einfach: Mitarbeiter krank sein lassen


Das Prekäre: Die Kosten durch Fehltage belaufen sich eigentlich nur auf 1.200 Euro pro Angestellten. Durch so genannten „Präsentismus“, das Erscheinen am Arbeitsplatz trotz Krankheit, entstehen dagegen Kosten von 2.400 Euro. Grund sind verminderte Arbeitsqualität, Ansteckung von Kollegen, erhöhte Unfallgefahr sowie Folgeerkrankungen durch Verschleppung. Um diese Kosten zu senken, braucht es kein Gesundheitsmanagement, sondern nur klare Anweisungen durch die Vorgesetzten.

Hier hinkt es aber bei vielen Unternehmen noch. Das Bewusstsein dafür, dass gesunde Belegschaften nicht nur ein Imagegewinn sind, sondern ein strategischer Wettbewerbsfaktor, wächst hierzulande nur langsam. Laut einer SDK-Studie haben 62 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland bisher noch kein betriebliches Gesundheitsmanagement installiert. Dass sich die zugegebenermaßen nicht unerheblichen Kosten eines solchen Programms innerhalb weniger Jahre rentieren können, hat sich offenbar in vielen Chefetagen und Personalabteilungen noch nicht rumgesprochen.



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