Getreideerfassungsanlage der Raiffeisenbank Parsberg-Velburg

Mit Gerste, Raps und Co. für die Zukunft aufstellen

10.08.2016

Die Raiffeisenbank Parsberg-Velburg hat 5 Millionen Euro in eine neue Getreideerfassungsanlage investiert. Das verbessert nicht nur die Qualität von Raps, Weizen und Co. Es bringt auch enorme wirtschaftliche Vorteile, wie ein Besuch vor Ort zeigt.

Getreideerfassungsanlage Raiffeisenbank Parsberg-Velburg
20 Meter hoch: Die Getreideerfassungsanlage der Raiffeisenbank Parsberg-Velburg


Die oberpfälzische Gemeinde Seubersdorf hat neben zahlreichen Windrädern eine neue, futuristisch anmutende Landmarke in ihrer Nachbarschaft: die Getreideerfassungsanlage der Raiffeisenbank Parsberg­Velburg. Vier 20 Meter hohe, silbern schimmernde Silotürme thronen auf einer Anhöhe in der hügeligen Juralandschaft. Nach mehr als einem Jahr Bauzeit wurde die Anlage pünktlich zur Erntezeit im Juni fertiggestellt und in Betrieb genommen. Die Landwirte, in der Regel Mitglieder der Genossenschaft, können dort bis zu 150 Tonnen Getreide pro Stunde an die Raiffeisen­Waren­GmbH liefern, einer Tochter der Raiffeisenbank Parsberg-­Velburg.

Die Anlieferung erfolgt in mehreren Schritten. Am Anfang steht neben dem Wiegen des Fuhrwerks samt Ladung die Qualitätskontrolle in einem Labor vor Ort. Nach der Menge ist die Qualität der wichtigste Faktor für den Preis, den der Landwirt später erhält. Im Labor wird die Ware auf Schädlingsbefall, Schadstoffbelastung und Inhaltsstoffe, – etwa den Proteingehalt – überprüft. Nur wenn der Befund innerhalb der Richtlinien ist, geben die Silomeister ihr Okay und das Getreide wird angenommen.

Hohe Ansprüche an Qualität des Getreides


„Stimmt die Qualität nicht, können wir das Getreide nicht mehr an unsere Abnehmer verkaufen“, erklärt August Lobinger, einer der beiden Geschäftsführer der Raiffeisen-­Waren­-GmbH. Vor allem die Mälzereien in der Region hätten hohe Ansprüche. Sie sind neben Mühlen die Hauptabnehmer, da die Region ein wichtiges Anbaugebiet für Braugerste ist.

Ist die Qualität in Ordnung, darf der Bauer seine Ware in einen Schacht kippen, von dem aus das Getreide zur Reinigungsanlage in den Keller gelangt. Dort werden beispielsweise Unkraut und Strohreste aussortiert. Auch ein Magnet kommt zum Einsatz. Er entfernt Schrauben, Ketten und bisweilen sogar Hämmer, die den Bauern mitunter abhandenkommen. Im Anschluss wird das Getreide bei Bedarf getrocknet. Erst dann gelangen Gerste, Mais, Raps und Co. über ein verzweigtes Rohrsystem in die Silos.

Die Verarbeitung und moderne Lagerung verbessern Lobinger zufolge die Qualität. Im Silo sei die verderbliche Ware besser vor Feuchtigkeit, Schimmel und Schädlingen geschützt. Das sei ein Wettbewerbsvorteil und erlaube einen Verkauf über dem Weltmarktpreis, sagt Bank­-Vorstandssprecher Dieter Betz. Beide rechnen daher mit einer guten Auslastung der Anlage. Insgesamt fasst sie 5.700 Tonnen. Allein in die vier großen Silotürme passen 4.000 Tonnen Getreide. Daneben gibt es noch einige kleinere Silos für Getreidesorten, die seltener angeliefert werden.


Getreideerfassungsanlage Raiba Parsberg Velburg Vorstände Geschäftsführer
Vor Ort bei der Getreideerfassungsanlage (v. li.): Vorstandssprecher Dieter Betz, die Geschäftsführer der Raiffeisen-Waren-GmbH, Markus Ott und August Lobinger, sowie die Vorstände Roland Pirzer und Martin Reindl.


Die Kapazität kann laut Dieter Betz später bei Bedarf ohne Weiteres verdoppelt werden. Die entsprechenden Baugenehmigungen lägen bereits vor. Damit hat sich die Bank weiteren Wachstumsspielraum gesichert. Dabei war trotz hoher Auslastung bis vor einigen Jahren nicht sicher, ob die Kreditgenossenschaft ihr Warengeschäft überhaupt weiterbetreiben würde.

Hintergrund war vor allem der Zustand der bisherigen Standorte. Der Standort Fürstenweg ist zwar auf dem aktuellen Stand der Technik, aber aufgrund angrenzender Wohngebiete nicht erweiterbar. Der Standort Wolfganger Straße dagegen hat zwar eine hohe Lagerkapazität, ist aber technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand. „Wir mussten uns entscheiden: Entweder wir lagern das Warengeschäft mit einer großen Investition an einen anderen Standort aus, oder wir lassen den Betrieb langsam auslaufen“, sagt Betz.

Marktumfeld bestimmte neuen Standort der Getreideerfassungsanlage


Den Ausschlag für die Investition gab schließlich das Marktumfeld: Über die Jahre hatten sich alle Wettbewerber aus der Region zurückgezogen. Die ansässigen Bauern signalisierten der Bank daher Interesse an einer neuen Lagerstätte, von der aus das Getreide in guter Qualität weiterverkauft werden kann. Eine vom GVB überprüfte Studie bestätigte die Marktlücke. Nach dreijähriger Planungsphase begann schließlich 2015 der Bau. Ursprünglich vorgesehen war eine Investitionssumme von 4,2 Millionen Euro. Aufgrund der unvorhergesehen schwierigen Bodenbeschaffenheit des 20.000 Quadratmeter großen Grundstücks wurden es schließlich 5 Millionen Euro, die die Kreditgenossenschaft aus Eigenmitteln investierte.

Mit Fertigstellung der Anlage ist der Modernisierungsprozess des Warengeschäfts aber noch nicht zu Ende: Mittelfristig schließt die Genossenschaft den Standort Wolfganger Straße und senkt damit die Betriebskosten. Arbeitsplätze sollen aber nicht verloren gehen. Im Gegenteil: Der Bau der Anlage sichere Arbeitsplätze, die sonst gefährdet gewesen wären, sagt Betz.

Mengensteigerungen gleichen Preisrückgänge aus


Die neue Anlage bietet neben niedrigeren Betriebskosten noch einen weiteren Vorteil, der für einen wirtschaftlichen Betrieb des Warengeschäfts wichtig ist: Es können wesentlich höhere Mengen umgesetzt werden. Damit kann die Genossenschaft das schwierige Marktumfeld mit den bereits seit längerer Zeit sinkenden Getreidepreisen durch Mengensteigerungen abfedern. Allein für 2016 erwartet Betz einen Preisrückgang von rund 10 Prozent.

„Unser Ziel ist es, diesen Preisrückgang durch höhere Mengen zumindest auszugleichen“, sagt Betz. Dazu muss jedoch das Wetter mitspielen. Sowohl Lobinger als auch Betz gehen angesichts aktueller Prognosen aber von einer guten Erntemenge in der Region aus. Deshalb sei auch 2016 ein positives Jahresergebnis zu erwarten. Diese Erwartung gelte auch langfristig. Betz: „Wir wollen unsere Kapazitäten definitiv weiter ausbauen.“


Der Artikel ist in der August-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.