Götzl: Erhalt des Mittelstands muss oberstes Gebot der Wirtschaftspolitik sein

17.10.2013

Wirtschaftstag: Hörluchs Gehörschutzsysteme ist „Mittelstandsbetrieb des Jahres“




Erlangen, 17. Oktober 2013 – Ein starker Mittelstand bedeutet eine leistungsfähige bayerische Wirtschaft. Das verdeutlichte Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), auf dem Wirtschaftstag der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken vor rund 1.000 Vertretern mittelständischer Unternehmen.

Um die Bedeutung von kleinen und mittleren Betrieben zu unterstreichen, zeichnen die bayerischen Kreditgenossenschaften traditionell auf der Veranstaltung „Bayerns Mittelstandsbetrieb des Jahres“ aus. Der mit 20.000 Euro dotierte Innovationspreis geht dieses Jahr an die Hörluchs Gehörschutzsysteme GmbH & Co. KG aus Hersbruck.

Das Unternehmen stellt maßangefertigten Gehörschutz für Industriehandwerker, Musiker, Sportschützen, Schwimmer und Motorradfahrer her. Götzl würdigte die Leistungen des mittelfränkischen Betriebs: „Der Preisträger zeigt eindrucksvoll, wie Mittelständler durch herausragende Innovationen eine führende Marktstellung einnehmen können.“ Hörluchs veranschauliche beispielhaft den weltweit anerkannten Erfolg des „German Mittelstands“.

Hörluchs ist Teil einer großen Gemeinschaft: Denn über 99 Prozent der Unternehmen in Deutschland, insgesamt 3,6 Millionen Betriebe, sind Mittelständler. Sie stehen für über die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik. Ihren Erfolg machte der GVB-Präsident an fünf Qualitätsmerkmalen fest: Neben einer langfristigen Geschäftsausrichtung, einer steten Personalpolitik und der Nähe zum Kunden sind es die hohe Innovations- und Anpassungsfähigkeit sowie die soliden Finanzierungsstrukturen, die kleine und mittlere Betriebe auszeichnen.

Mit Blick auf diese Erfolgsfaktoren appellierte Götzl an die politischen Entscheidungsträger: „Der Erhalt mittelständischer Strukturen muss oberstes Gebot der Wirtschaftspolitik in unserem Land sein.“ Zentrales Ziel der genossenschaftlichen Interessenvertretung sei es daher, die Grundlagen der Finanzversorgung für kleine und mittlere Betriebe zu sichern. Dazu sei es wichtig, eine übermäßige regulatorische Eigenkapitalunterlegung von Mittelstandskrediten zu vermeiden und die langfristige Kreditfinanzierung zu erhalten. Gerade letztere sei für die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen zentraler Bestandteil einer dauerhaft ausgerichteten Geschäftspolitik, so Götzl.

Klare Worte fand er deshalb für das Vorhaben der EU-Kommission, alternative Finanzierungsformen, etwa Kapitalmarktanleihen, einseitig zu privilegieren: „Das halten wir schlichtweg für falsch.“ Kapitalmarktfinanzierung sei aufwendig und mit hohen Kosten verbunden, wie für die Erstellung eines Ratings, die Notierung an der Börse oder die PR-Arbeit, um Investoren zu gewinnen. Zudem komme sie erst ab einem Kreditvolumen in zweistelliger Millionenhöhe infrage.

Kritisch äußerte sich der Präsident der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken auch zu den aktuellen EU-Plänen, die die Abwicklung maroder Kreditinstitute im Rahmen einer Europäischen Bankenunion zum Ziel haben. Diese sehen vor, Mittel aus den nationalen Rettungsfonds in europäische Sicherungstöpfe zu überführen. „Eine Haftungsgemeinschaft der Banken in Europa durch eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung und Zentralisierung von Bankenabwicklungsfonds darf es nicht geben.“

Denn damit würden Gelder, die heute dem Schutz von Kunden deutscher Kreditgenossenschaften dienen, zweckentfremdet. Dies ginge zulasten von Regionalbanken und Mittelständlern. Götzl: „Wir fordern deshalb das Haftungsprinzip, also die Einheit von Haftung und Verantwortung für wirtschaftliches Handeln, auch in Europa ein.“ Nur so könnten die Grundlagen für eine verlässliche Finanzversorgung für kleine und mittlere Betriebe und damit der Erfolg eines wettbewerbsfähigen und hochspezialisierten Mittelstands gesichert werden.