Günther Beckstein im Interview

"Bürgernah und grundsolide"

28.08.2015

Bayerns früherer Ministerpräsident Günther Beckstein ist Mitglied bei der Raiffeisenbank Hersbruck. Warum er das geworden ist und was ihn mit der Bank verbindet, schildert er im Interview mit "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".

Günther Beckstein bei einem Vortrag bei der Raiffeisenbank HersbruckGünther Beckstein bei einer von der Raiffeisenbank Hersbruck veranstalteten Lesung.



Profil: Herr Beckstein, Sie sind seit Kurzem Mitglied der Raiffeisenbank Hersbruck. Was verbindet Sie mit der Bank?
 
Günther Beckstein: Hersbruck ist meine Geburtsstadt. Dort bin ich Ehrenbürger, worauf ich offen gestanden sehr stolz bin. Und die Raiffeisenbank Hersbruck ist im gesellschaftlichen, kulturellen und geschäftlichen Leben der Stadt fest verankert. So kommt es fast zwangsläufig dazu, dass ich mit den Vorständen und Mitarbeitern der Bank laufend zusammentreffe. Außerdem ist die Raiffeisenbank inzwischen die einzige Bank, die ihren Hauptsitz in Hersbruck hat. Ich bin deswegen gerne Mitglied geworden – aus Lokalpatriotismus und weil die Raiffeisenbank ein bürgernahes, grundsolides Kreditinstitut ist.
 
Profil: Was macht Ihrer Meinung nach den Wert der regionalen Genossenschaftsbanken aus?

Beckstein: Die internationale Finanzwelt hat sich immer mehr von ihrer zentralen Aufgabe, die Wirtschaft mit Dienstleistungen und Krediten zu versorgen, entfernt. Zudem hat dort die Spekulation solche Blüten getrieben, dass die Finanzkrise die Welt nahe an den Abgrund gebracht hat. In so einer Zeit sind die regionalen Genossenschaftsbanken der zuverlässige Partner, der die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft verlässlich erfüllt. Es werden nicht sensationelle Renditen bei der Geldanlage erzielt, dafür wird aber seriös und risikobewusst beraten. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken waren die einzige Gruppe der Finanzbranche in Deutschland, die die Finanzkrise allein aus eigener Kraft durchgestanden hat, weil sie überall nur begrenzte Risiken eingegangen ist. Und die Bank vor Ort kennt unabhängig von abstrakten Kennziffern die Entwicklung des regionalen Markts, sie kann Chancen und Risiken zuverlässig bewerten. Damit sind die regionalen Genossenschaftsbanken einer der ganz wichtigen Faktoren der regionalen Wirtschaft.

Profil: Haben die politischen Akteure in Brüssel und Berlin das denn auch hinreichend im Blick?

Beckstein: Während ich den Eindruck habe, dass in Berlin sowohl im Bundestag als auch in der Bundesregierung und in den Ministerien die Bedeutung der Genossenschaftsbanken durchaus gesehen wird, neigt Brüssel dazu, alle Kreditinstitute über einen Kamm zu scheren. Dadurch werden die bürokratischen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen so hochgeschraubt, dass der Kostendruck durch die Regulierung bei kleinen und mittleren Instituten drastisch – und unnötig (!) – verschärft wird. Ich halte es auch für problematisch, dass die Einlagensicherungssysteme europaweit vereinheitlicht werden sollen. Es ist Aufgabe der Verbände, die Auswirkungen aller Entscheidungen auf die regionalen Banken und die regionale Wirtschaft deutlich zu machen. Ich weiß aus meiner eigenen Regierungszeit, dass damit viel Arbeit für die Handelnden verbunden ist, aber dies ist für sachkundige Entscheidungen notwendig.


Das Interview mit Günther Beckstein ist in der September-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" erschienen.