Günther Oettinger zur Energiewende

„Tempo rausnehmen und Reihenfolge ändern“

06.05.2014

EU-Energiekommissar Günther Oettinger fordert ein Umdenken bei der Energiewende. Bevor neue Anlagen für erneuerbare Energien gefördert werden, brauche es zuerst einmal die nötige Infrastruktur.

EU-Energiekommissar Günther OettingerEU-Energiekommissar Günther Oettinger


Seit dreieinhalb Jahren bekleidet Günther Oettinger das Amt als EU-Energiekommissar. Im Interview mit „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ spricht der Politiker über die Erfolge und Perspektiven der europäischen Energie- und Klimapolitik. Darüber hinaus erläutert der CDU-Politiker, warum die aktuelle Reform des EEG aus Kommissionsperspektive nicht weit genug geht.


Profil: Herr Oettinger, was ist aus Brüssels Sicht das Problem der deutschen Energiewende und insbesondere des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)?

Günther Oettinger: Eine negative Begleiterscheinung der deutschen Energiewende sind Probleme im europäischen Netzverbund. Zum Beispiel fließt Strom aus Windkraft, der in Norddeutschland erzeugt wird, ungewollt über Polen und die Tschechische Republik nach Süddeutschland. Diese sogenannten Ringflüsse gefährden den sicheren Betrieb der Übertragungsnetze und behindern die Stromflüsse in den Nachbarländern. Das Problem ist, dass es in Deutschland derzeit keine ausreichenden Leitungen vom Norden in den Süden gibt.

Prinzipiell war das EEG am Anfang sehr hilfreich. Doch nun, wo die Erneuerbaren eine gewisse Marktreife erlangt haben, führt es zu Fehlanreizen. Es ist wichtig, nicht nur Tempo rauszunehmen, sondern auch die Reihenfolge zu ändern: Erst müssen die Stromnetze ausgebaut und parallel dazu neue Speicherkapazitäten entwickelt werden – dann erst hat es Sinn, neue Solar- und Windanlagen zu fördern. Diese sollten dann an Orten gebaut werden, wo das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen stimmt, also wo die Sonne auch zur Genüge scheint beziehungsweise der Wind auch ausreichend weht. Das war in der Vergangenheit nicht immer so.

Die intensive Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland und die damit verbundenen Kosten spiegeln sich in den Energiepreisen wider. In Deutschland stiegen die Strompreise für Industrie- und Haushaltskunden von 2008 bis 2012 um mehr als 20 Prozent. Dieser Zuwachs, der vor allem auf die EEG-Umlage und die höhere Mehrwertsteuer zurückzuführen ist, hat die Stromkosten für viele Haushalte zu einer „zweiten Miete“ werden lassen – und sie stellen zunehmend eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Unternehmen dar. Generell bin ich der Meinung, dass die nun von der Regierung beschlossene Reform des EEG ein richtiger Schritt ist, aber sie ist noch nicht ausreichend.



Das gesamte Interview mit Günther Oettinger lesen Sie in der Mai-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt"