GVB-Pressegespräch zu Halbjahreszahlen und Regulatorik

Volksbanken und Raiffeisenbanken wachsen mit Bayerns Mittelstand

31.08.2017

München, 31. August 2017 – Getragen von der guten Konjunkturlage im Freistaat fragen mittelständische Unternehmen verstärkt Kredite bei den bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken nach. „Insbesondere Firmenkunden nehmen derzeit mehr Darlehen auf und legen ihre Investitionszurückhaltung ab“, stellte Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), bei einem Pressegespräch in München fest.

Hohe Zuwachsraten im Baugewerbe und Dienstleistungssektor


In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres stieg der gesamte Kreditbestand bei den GVB-Mitgliedsinstituten um 2,7 Prozent (2,4 Mrd. Euro) und erreichte mit 93,6 Mrd. Euro einen neuen Höchstwert. Als Treiber erwies sich das Firmenkundensegment, das um 3,8 Prozent (1,6 Mrd. Euro) auf 44,8 Mrd. Euro zulegte. Die größten Zuwächse verzeichneten die Banken bei Unternehmen aus dem Baugewerbe, dem Dienstleistungssektor und dem verarbeitenden Gewerbe. Im Privatkundengeschäft steigerten die Institute das Kreditvolumen um 1,6 Prozent (0,7 Mrd. Euro) auf 45,8 Mrd. Euro. Die Wachstumsdynamik ließ in diesem Segment gegenüber dem Vorjahreszeitraum (+2,0 Prozent) allerdings etwas nach. „Es gibt Anzeichen für eine leichte Abschwächung der Immobiliennachfrage von Privatkunden“, sagte Gros und verwies auf den deutlichen Rückgang von Baugenehmigungen in Deutschland im ersten Halbjahr.

Das Einlagengeschäft stabilisierte sich in der ersten Jahreshälfte auf hohem Niveau. So beliefen sich die Kundengelder zum 30. Juni auf 119,6 Mrd. Euro. Im Firmenkundensegment gingen die Einlagen um 2,7 Prozent (0,8 Mrd. Euro) auf 29,0 Mrd. Euro zurück. Privatkunden hingegen vertrauten den Volksbanken und Raiffeisenbanken im Freistaat zusätzliche Mittel in Höhe von 0,8 Mrd. Euro (1,0 Prozent) an. Der Bestand erhöhte sich hier auf 81,0 Mrd. Euro. Erfahrungsgemäß verzeichnen die Kreditgenossenschaften in der zweiten Jahreshälfte ein stärkeres Einlagengeschäft, sodass für das Gesamtjahr ein Einlagenzuwachs im Firmenkunden- und Privatkundensegment wahrscheinlich ist.

Robustes Geschäftsmodell ermöglicht weitere Stärkung des Eigenkapitals


Die Ertragslage der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken ist weiterhin durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geprägt. „Deutschland bleibt im Zinstief gefangen“, bekräftigte Gros seine Lagebeschreibung aus der Bilanzpressekonferenz im März. Für das gesamte Jahr zeichne sich ein rückläufiges Zinsergebnis ab, das vom Wachstum im Kundengeschäft, vom zunehmenden Provisionsergebnis und den rückläufigen Personalkosten nicht voll kompensiert werde. „Gleichwohl wirtschaften die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Freistaat nach wie vor rentabel genug, um auch dieses Jahr ihr Eigenkapital deutlich zu stärken und in ihre Zukunftsfähigkeit investieren zu können. Das kundennahe Geschäftsmodell ist robust und trägt auch unter schwierigen Rahmenbedingungen“, hob Gros hervor.

Vormachtstellung der EZB kritisch hinterfragen


Mit Blick auf das regulatorische Umfeld warnte der GVB-Präsident vor einer Zentralisierung der EU-Bankenaufsicht durch die EZB. Während eine einheitliche Kontrolle von international tätigen Großbanken sinnvoll sei, müsse dem Gestaltungsdrang des europäischen Bankenaufsehers bei der Überwachung kleinerer Institute Grenzen gesetzt werden. Die zunehmende Einflussnahme etwa im Meldewesen führe zu Strukturen, die kaum zwischen den Geschäftsmodellen der Banken differenziere. „Regionalbanken werden unverhältnismäßig belastet. Das begünstigt ein uniformes System aus Großbanken, das krisenanfälliger ist und die Finanzstabilität gefährdet“, sagte Gros. Die politischen Entscheidungsträger müssten die Vormachtstellung der EZB daher bei der 2018 anstehenden Überprüfung der EU-Bankenaufsicht hinterfragen.

Von der künftigen Bundesregierung erwarten Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken Standhaftigkeit in der Debatte über eine zentrale EU-Einlagensicherung. Berlin dürfe seine ablehnende Haltung gegenüber den Plänen für eine Zwangsvergemeinschaftung auch nach der Bundestagswahl nicht aufgeben – nicht zuletzt deshalb, weil nach wie vor hohe Bestände an faulen Krediten in südeuropäischen Banken vorhanden sind. Der GVB spricht sich daher für den Erhalt des bewährten Sparerschutzes in Deutschland aus.