GVB-Verbandstag 2015

Bayerische Genossenschaften stehen zu ihrer Verantwortung

09.07.2015

Deutschland muss dringend mehr investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das hat der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, auf dem GVB-Verbandstag 2015 deutlich gemacht. Bayerns Genossenschaften leisten schon heute ihren Beitrag – nicht zuletzt indem sie Investitionen der öffentlichen Hand durch beträchtliche Steuerzahlungen ermöglichen.

Marcel Fratzscher beim Verbandstag 2015 des Genossenschaftsverbands BayernMarcel Fratzscher beim Verbandstag des Genossenschaftsverbands Bayern: "Investitionen von heute sind der Wohlstand von morgen"


„Im Augenblick läuft es für unser Land gut, aber wir dürfen uns jetzt nicht zurücklehnen“, sagte DIW-Präsident Fratzscher bei seinem Gastvortrag beim 116. Verbandstag der bayerischen Genossenschaften in Unterschleißheim. Mit Blick auf den nach seiner Einschätzung eklatanten Mangel an privaten und öffentlichen Investitionen sieht er die Wachstumspotenziale der deutschen Volkswirtschaft in Gefahr. „Die Investitionen von heute sind der Wohlstand von morgen“, sagte der renommierte Ökonom.

DIW sieht Investitionslücke von 100 Milliarden Euro


Das DIW hat berechnet, dass sich die Investitionslücke der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft in Deutschland auf bis zu 100 Milliarden Euro pro Jahr beläuft. Da deutlich zu wenig ausgegeben wird, um beispielsweise die Verkehrsinfrastruktur zu erhalten, verschlechtere sich deren Zustand kontinuierlich. „Deutschland lebt von seiner Substanz“, lautet das Urteil von Fratzscher.

Um das zu ändern, hat eine Expertenkommission unter dem Vorsitz des Wirtschaftswissenschaftlers mehrere Empfehlungen ausgearbeitet. Im Kern sollen öffentliche Investitionen ausgeweitet und die Rahmenbedingungen für private Investitionen verbessert werden, wie er in seinem Gastvortrag erklärte. Auch der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) hatte sich wiederholt für ein besseres Investitionsklima stark gemacht.

Videobeitrag zum Verbandstag 2015 des Genossenschaftsverbands Bayern (zum Abspielen bitte auf das Bild klicken).


Genossenschaften zahlen 465 Millionen Euro Ertragsteuern


Die 1.300 bayerischen Genossenschaften tragen schon heute im erheblichen Umfang dazu bei, private und öffentliche Investitionen im Freistaat zu verwirklichen. So sind Volksbanken und Raiffeisenbanken mit einem Marktanteil von 20 Prozent einer der bevorzugten Finanzierungspartner des bayerischen Mittestands und ermöglichen damit beispielsweise die Anschaffung neuer Maschinen oder die energieeffiziente Sanierung von Betriebsgebäuden.

Darüber hinaus führten alle Genossenschaften gemeinsam allein für das Jahr 2014 Ertragsteuern in Höhe von 465 Millionen Euro ab. Damit schaffen sie Spielraum für öffentliche Ausgaben. „Die Genossenschaften in Bayern weichen der Besteuerung nicht aus, sondern stellen sich ihrer Verantwortung“, betonte der GVB-Verbandsratsvorsitzende Konrad Irtel in seiner Ansprache vor 1.100 Vertretern von Mitgliedsunternehmen sowie Gästen aus Politik und Wirtschaft.

Transformation mit Tradition


Vor dem Hintergrund des Verbandstagmottos „Genossenschaften in Bayern – erfolgreich gestern, heute und morgen“ hob Irtel zudem die Vorteile des genossenschaftlichen Netzwerks hervor: „Eine Grundvoraussetzung für unseren Erfolg ist, dass die Kooperation der Genossenschaften untereinander gut funktioniert“, sagte er. Viele Genossenschaften seien zwar relativ klein, jedoch nicht allein.  „Im Genossenschaftsverband Bayern aber sind wir viele und damit groß“, so Irtel.

Konrad Irtel beim Verbandstag 2015 des Genossenschaftsverbands BayernKonrad Irtel während seiner Rede beim Verbandstag 2015.


Neben der dezentralen Struktur der Genossenschaftsorganisation betonte er zudem das gelebte Demokratie-Prinzip als einen wesentlichen Erfolgsfaktor der Genossenschaftsidee. „Aus meiner Sicht ist unsere Stärke, dass wir über 160 Jahre Strukturen etabliert haben, die Bewährtes bewahren, aber dennoch Neues integrieren können“, sagte Irtel. Diese Fähigkeit zur „Transformation mit Tradition“ beruhe ganz wesentlich auf dem Demokratieprinzip „ein Mitglied, eine Stimme“.

Der jährliche Verbandstag ist die zentrale Mitgliederveranstaltung des Genossenschaftsverbands Bayern. Sie bietet den bayerischen Genossenschaften ein Forum zur Artikulation ihrer Interessen und zum Austausch untereinander, mit Verbundpartnern, Wirtschaft oder Politik.

Genossenschaften in Bayern - erfolgreich gestern, heute und morgen: Genossenschaftsgeschichte im Freistaat in einem Kurzfilm (zum Abspielen bitte auf das Bild klicken). 

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Impressionen vom Verbandstag