GVB-Verbandstag 2016

Wie Bayerns Genossenschaften die Digitalisierung meistern

14.07.2016

Die Genossenschaften in Bayern bringen alle Voraussetzungen mit, um ihren Platz in der digitalen Gesellschaft zu festigen. Das ist beim diesjährigen GVB-Verbandstag in Unterschleißheim deutlich geworden. Verbandsvorstand Jürgen Gros sagte in seiner Ansprache: „Jede Genossenschaft ist ein Versprechen auf eine bessere Zukunft.“

Jürgen Gros beim Verbandstag 2016 des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB)GVB-Vorstand Jürgen Gros zum Thema Digitalisierung: „Jede Genossenschaft ist ein Versprechen auf eine bessere Zukunft“


Die bayerischen Genossenschaften sind „Teil der digitalen Gesellschaft“. Das machte der GVB-Verbandsratsvorsitzende Wolfgang Altmüller zum Auftakt des Verbandstags in seiner Rede deutlich. „Wir gestalten diesen Wandel aktiv mit“, betonte er vor rund 1.100 Genossenschaftsvertretern sowie Gästen aus Politik und Wirtschaft in Unterschleißheim. Die Stärke der Genossenschaften sei es, die technischen Möglichkeiten mit regionaler Präsenz und menschlicher Nähe zu verbinden.

Ein evolutionärer Prozess, keine Revolution


GVB-Vorstand Jürgen Gros bekräftigte diese Einschätzung. Er erinnerte daran, dass sich Genossenschaften in den vergangenen 160 Jahren ständig weiterentwickelt und neue Geschäftsfelder erschlossen haben. „Oft standen sie an der Spitze der Veränderungen und haben sie mit innovativen Ideen begleitet“, so Gros. Triebfeder sei es dabei stets gewesen, einen Mehrwert für die Mitglieder zu schaffen. Nun sei es Aufgabe der Genossenschaften, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und zum Wohle ihrer Kunden und Mitglieder einzusetzen.

Der GVB-Vorstand hob hervor, dass er Digitalisierung nicht als „Revolution“, sondern als „evolutionären Prozess“ betrachtet. „Die technische Entwicklung ist kein Tsunami. Sie vollzieht sich in kleinen Schritten“, sagte Gros. Dies erfordere gleichwohl eine Kultur, die den Mut belohnt, Neues auszuprobieren und dabei auch offen für Fehler zu sein. Es gebe keinen Grund, den Kopf einzuziehen.

Genossenschaften: Ein Versprechen auf eine bessere Zukunft


„Jede Genossenschaft ist ein Versprechen auf eine bessere Zukunft“, hielt Gros fest. Auf diese Formel lasse sich der Satzungsauftrag aller Genossenschaften zurückführen. Auch im Zeitalter der Digitalisierung gelte dieses Versprechen. Wichtig sei, die Selbstbestimmung der genossenschaftlichen Kunden zu achten und sie „nicht als Datenlieferanten, sondern als Personen mit digitaler Souveränität“ zu behandeln, führte Gros aus. Außerdem verwies er darauf, dass Genossenschaften Unternehmen sind, die sich zu ihrer Heimat bekennen und Gewinne in ihrer Region investieren. Dieser Verantwortung gerecht zu werden, garantiere ebenfalls eine bessere Zukunft.

Videobeitrag zum Verbandstag 2016 des Genossenschaftsverbands Bayern (zum Abspielen bitte auf das Bild klicken).


Der GVB-Verbandstag ist das zentrale alljährliche Treffen der Genossenschaftsorganisation in Bayern. Die diesjährige Veranstaltung stand unter dem Motto „Die digitale Gesellschaft – Strategien, Chancen, Lernfelder“. Dies sei ein sehr interessantes Thema für die Wirtschaft im Freistaat, sagte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner in einer eingeblendeten Videobotschaft. Gerade der Mittelstand spiele eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der digitalen Herausforderungen.

Wissenschaftler: Unternehmen haben anfangs gefremdelt


Wo die Digitalisierung unternehmerisches Handeln verändert, zeigte Professor Dietmar Harhoff vom Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München auf. In seinem Vortrag ging der Wissenschaftler besonders auf die Innovationsaktivtiäten der mittelständischen Wirtschaft ein. Diese seien in der Vergangenheit sehr erfolgreich gewesen. Kritisch merkte er an, dass die Betriebe  in Deutschland anfangs mit der Digitalisierung "gefremdelt" hätten. Mittlerweile seien sie jedoch aufgewacht, so Harhoff.

Wie die Digitalisierung das Geschäftsmodell der Musikindustrie auf den Kopf gestellt hat, erklärte Thomas Stein, Geschäftsführer der clowns & helden GmbH. Er hat jahrzehntelange Erfahrung als Manager in der Musikindustrie und war in Fernseh-Musikshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ zu sehen. Stein ließ Revue passieren wie frühe digitale Plattformen wie Napster das Nachfrageverhalten der Konsumenten veränderten und wie schwer sich die Plattenfirmen damals taten, darauf zu reagieren. Heute erzielt die Musikindustrie noch 68 Prozent der Umsätze mit physischen Tonträgern wie der CD. Allerdings ist der Anteil rückläufig: Neue digitale Angebote wie Streamingdienste wachsen rasant.

Abschließend sprach der stellvertretende Vorsitzender des GVB-Verbandsrats, Rainer Schaidnagel, über den Wert des genossenschaftlichen Systems vor dem Hintergrund des digitalen Wandels und einer sich stetig verändernden Arbeitswelt.


Impressionen vom Verbandstag