GVB-Verbandstag 2017

Bayerns Genossenschaften bekennen sich zu Europa

13.07.2017

Bayerns Genossenschaften stehen zu Europa. Das hat Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) beim 118. GVB-Verbandstag in Unterschleißheim deutlich gemacht. Er forderte mehr Transparenz, Pragmatismus und Verhältnismäßigkeit in der europäischen Politik. Als Gastredner traten Manfred Weber, der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) sowie der Philosoph Richard David Precht auf.

Verbandstag 2017 des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB)
GVB-Präsident Jürgen Gros bei seiner Rede auf dem Verbandstag in Unterschleißheim.



Genossenschaften nehmen Herausforderungen an, lösen sie pragmatisch und bleiben deswegen erfolgreich. Das war eine der Botschaften, mit denen Wolfgang Altmüller, Vorsitzender des Verbandsrats und ehrenamtlicher Verbandspräsident des GVB, den Verbandstag eröffnete. Jammern und Klagen gehöre nicht zur Grundhaltung der bayerischen Genossenschaften, sagte Altmüller vor den rund 1.300 Besuchern in Unterschleißheim. Das wurde auch bei den folgenden Vorträgen zum Verbandstagsthema „Europa“ deutlich.

Europa bedeutet wirtschaftliche Stabilität, aber auch Überregulierung und Bürokratie


GVB-Präsident Jürgen Gros ging in seiner Ansprache auf die Bedeutung des europäischen Staatenbunds für die bayerischen Genossenschaften ein. Europa biete Stabilität und habe für die Wirtschaft förderliche Rahmenbedingungen wie den gemeinsamen Binnenmarkt hervorgebracht. Davon profitierten auch die 1.278 Genossenschaften im Freistaat, denen so zum Beispiel der Zugang zu Kunden in anderen Ländern erleichtert werde.

Der GVB-Verbandstag 2017 in der Videozusammenfassung.


„Europa ist für uns wichtig“, hob der GVB-Präsident hervor. Er übte jedoch auch deutliche Kritik an der europäischen Politik: „Für viele Unternehmen bedeutet Europa Überregulierung und Bürokratie“. Sie erlebten die EU „als etwas, das sie Geld kostet. Als etwas, das Abläufe erschwert - nicht erleichtert.“ Dies sei besonders stark in genossenschaftlichen Schlüsselbranchen wie der Landwirtschaft, dem Handwerk, der Energiewirtschaft oder dem regionalen Bankwesen zu spüren.

Mehr Pragmatismus, Verhältnismäßigkeit und Transparenz in Europa


Gros sprach sich für mehr Verhältnismäßigkeit in Europa aus. Insbesondere bei der Bankenregulierung, die regionale Institute wie die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken noch immer so behandelt wie international tätige Großbanken, sei eine Differenzierung nach Größe und Risikoprofil dringend erforderlich.

Zudem forderte der GVB-Präsident mehr Transparenz: „Die Menschen wollen verstehen, was die EU und ihre Institutionen machen.“ Dies setze voraus, dass verständlich mit Bürgern und Unternehmen kommuniziert werde. Außerdem dürften wichtige politische Entscheidungen nicht weiterhin von Behörden wie der EU-Finanzaufsicht getroffen werden. Gros: „Die Gesetzgebung muss wieder ausschließlich bei den Gesetzgebern liegen.“

Als Gastredner traten beim GVB-Verbandstag Manfred Weber, Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, BDI-Präsident Dieter Kempf und der Philosoph Richard David Precht auf. „Die Genossenschaftsidee ist brillant. Sie steht für Bayern“, sagte Weber. Er warb dafür, gemeinsam die Defizite in Europa konstruktiv anzugehen und zu beheben. Kempf appellierte unter anderem an die nationale Politik, Vorgaben aus der EU nicht grundlos zu verschärfen. Zudem warb er für eine verhältnismäßigere Bankenregulierung, die die Finanzierung der Realwirtschaft nicht beeinträchtigt.


Impressionen vom GVB-Verbandstag 2017