Hans-Peter Rauch von der HWK Schwaben

„Kredit ist eines der wichtigsten Finanzinstrumente“

04.02.2016

Für das schwäbische Handwerk läuft es rund, die Auftragsbücher sind voll. Dennoch mahnt Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben: Die Politik dürfe die Betriebe nicht mit unnötiger Bürokratie belasten und so unternehmerische Impulse lähmen. Das Verhältnis zu den regionalen Kreditinstituten ist jedoch ungebrochen gut.

Hans-Peter Rauch
Der Präsident der Handwerkskammer für Schwaben, Hans-Peter Rauch. Foto: HWK Schwaben


Profil: Herr Rauch, wie ist es um das schwäbische Handwerk bestellt?


Hans-Peter Rauch: Sehr gut. Die breite Mehrheit der Betriebe ist positiv gestimmt. 90 Prozent der befragten Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. 20 Prozent der Firmen berichten über Umsatzsteigerungen, die Reichweite der Aufträge liegt bei 6,7 Wochen. Die knapp 140.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den schwäbischen Handwerksbetrieben stellen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen Tag für Tag ihre enorme Leistungskraft unter Beweis. So sind die 29.000 Handwerksunternehmen ein unverzichtbarer Stützpfeiler im Wirtschaftsgefüge unserer Region.

Profil: Was erwarten Sie von der Politik?

Rauch:
Es ist fraglos die Aufgabe der politisch Verantwortlichen in unserem Land, für die Wirtschaft und das Handwerk passende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich unsere Betriebe passgenau auf neue Märkte und neue Technologien einstellen können.

Profil: Wie sehen Sie dabei konkret die Politik in der Pflicht?

Rauch: Gerade die mittleren und kleinen Unternehmen müssen vordringlich stark gemacht werden, denn hier werden Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen und die wichtigen volkswirtschaftlichen Effekte erzielt. Es darf aber nicht sein, dass unsere Unternehmen mit Verordnungen, Bürokratismus oder durch Gesetze derart belastet werden, dass das Tagesgeschäft darunter leidet und unternehmerische Kraft und Impulse hintan gestellt werden müssen. Hier fordere ich ein unbedingtes Augenmaß bei politischen Entscheidungen, die auch die Praxis und den Alltag in den Betrieben berücksichtigen.

Profil: Wer auf dem Markt erfolgreich sein will, braucht auch die passende Finanzierung. Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund das Verhältnis des Handwerks zu den Regionalbanken?

Rauch:
Das Verhältnis des schwäbischen Handwerks zu den Regionalbanken ist in den allermeisten Fällen ungebrochen gut. Wir finden hier über Jahrzehnte gereifte und vor allem zuverlässige Strukturen, welche die Finanzierung von unseren Investitionen sichern. Ich wünsche mir, dass sich diese Banken auf diese enorme Stärke besinnen und wie bisher den engen Kontakt auf lokaler und regionaler Ebene weiter pflegen.

Profil: Die EU-Kommission will für kleine und mittlere Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt verbessern und so Wachstum und Beschäftigung schaffen. Wäre die Kapitalmarktfinanzierung für das schwäbische Handwerk eine Option?

Rauch: Durch die Kapitalmarktunion soll unter anderem durch eine Diversifizierung von Finanzierungsquellen insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen der Zugang zu Kapital erleichtert werden und so die Bankenfinanzierung durch hochentwickelte Kapitalmärkte ergänzt werden. Aus meiner Sicht ist dies in genau dieser Form möglich: als Ergänzung im Spezialfall. Die breite Finanzierung durch zum Beispiel verbriefte Instrumente sehe ich momentan nicht.

Profil: Wie wichtig ist der Bankkredit für die Finanzierung des Handwerks?

Rauch: Neben der Innenfinanzierung ist der Bankenkredit mit weitem Abstand das wichtigste  Finanzinstrument im Handwerk.

Profil: Neue Pläne aus Brüssel und Basel sehen unter anderem vor, die Risikomaße bei der Kreditvergabe zu überarbeiten. Unter anderem sollen geringe Umsätze bei Unternehmen pauschal mit einem höheren Ausfallrisiko gleichgesetzt werden. Halten Sie diesen Ansatz für gerechtfertigt?

Rauch: Nein, natürlich nicht. Wir plädieren für die Gleichberechtigung von KMU in jedem Sinn und somit  auch bei der Finanzierung. Dies hat auch zur Folge, dass wir eine Diskriminierung aufgrund geringerer Größenklassen ablehnen. Zumal aus meiner Sicht nicht immer ein kausaler Zusammenhang zwischen Umsatzgröße und Ausfallwahrscheinlichkeit besteht.

Profil: Herr Rauch, herzlichen Dank für das Interview!


Das vollständige Interview ist in der Februar-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.