Heißer Sommer in Bayern

Hitze macht ländlichen Genossenschaften zu schaffen

25.07.2018

Trockenheit und Wassermangel setzen der Landwirtschaft zu. Das trifft auch viele Genossenschaften im Freistaat. Doch nicht alle haben Grund zum Klagen, wie eine Umfrage des GVB unter Mitgliedsunternehmen zeigt.

Nordbayerns Landwirte rechnen mit teils erheblichen Ernteeinbußen.

Michael Knauer, Geschäftsführer der Raiffeisen-Waren GmbH Obermain Nord, mit Sitz in Burgkunstadt: „Die Landwirte in unserer Region haben schwer mit dem heißen und trockenen Wetter zu kämpfen: Sie haben Ausfälle bis zu 50 Prozent bei Raps, 30 bis 50 Prozent bei der Wintergerste sowie 20 bis 25 Prozent bei Weizen zu verzeichnen. Das sind massive Einschnitte. Da geht es an die Existenz. Zum Großteil sind die Bauern hier Michviehhalter. Und durch die Trockenheit fehlt es schlichtweg an Futter, das dann teuer zugekauft werden muss. Auch für die nächste Kultur sind die Prognosen besorgniserregend: Anfang August wird Raps gesät. Falls es nicht regnet, wächst wieder nicht genügend Futter heran. Der Wetterbericht für die nächsten zwei Wochen verheißt nichts Gutes: Es soll heiß und trocken bleiben. Die meisten Menschen freuen sich über das Badewetter im Moment. Was es allerdings für die Natur und die Landwirtschaft bedeutet, das haben nur die wenigsten im Blick.”


Massive Probleme für Nordbayerns Bauern, gute Aussichten für fränkische Winzer

Andreas Oehm, Vorstandsvorsitzender der Winzergemeinschaft Franken eG, mit Sitz in Kitzingen-Reppendorf: „Das Wetter ist in diesem Jahr sehr tückisch und heterogen. Wir haben keinen typischen Landregen, sondern der Regen hat sich regelrecht örtlich festgebissen: Es gibt Landstriche mit bis zu 120 Liter Niederschlag am Tag, einen Ort weiter blieb es trocken. Junge Weinstöcke mit bis zu 12 Jahren kommen mit der Trockenheit weit weniger gut zurecht, als ältere Anlagen. Die Ausgangsposition für eine gute Lese ist aber gegeben. Dennoch brauchen wir dringend Regen, damit die Pflanzen in Ruhe und freudig Photosynthese betreiben, Mineralstoffe und Zucker bilden können. Ob es einen Spitzenjahrgang geben wird, kann man noch nicht sagen. Wir Winzer reden über den Jahrgang erst, wenn er im Keller ist. Nur so viel: Vergleicht man unsere Arbeit mit einem Marathonlauf haben wir zwei Drittel der Strecke gut gemeistert. In den nächsten vier Wochen wird sich zeigen, ob wir mit einer guten Zeit ins Ziel kommen. Die ersten Reben werden voraussichtlich ab 20. August geerntet.”

Mitte August wird sich zeigen, ob Bayerns Winzer auf eine gute Weinlese 2018 zurückblicken können. Bis dahin gilt: Über den Jahrgang wird erst gesprochen, wenn er im Keller ist. 

Herbert Hubmann, Geschäftsführer Absatz- und Verwertungsgenossenschaft für Obst- und Gartenbauerzeugnisse Igensdorf und Umgebung eG, mit Sitz in Igensdorf: „Über die Ernte können wir uns nicht beklagen. Die Erträge sind ähnlich hoch wie in den Vorjahren, allerdings haben alle Früchte ihre Reife drei Wochen zu früh erreicht. Die Kirschernte ist jetzt schon vorbei, obwohl diese normalerweise erst jetzt ihren Höhepunkt erreicht. Auch bei den Zwetschgen hat sich die Ernte durch das warme Wetter im Kalender nach vorne geschoben. Das ist ein großes Problem, denn die Verbraucher rechnen noch gar nicht mit diesen Produkten. Für die Vermarktung stellt uns das vor große Herausforderungen. Kirschen wandern gewöhnlich im August, Zwetschgen sogar erst Anfang September in den Verkauf.”

Erschwerte Vermarktung durch vorzeitige Reife


Josef Brandl, Geschäftsführer Raiffeisen-Handels-GmbH im Jura, mit Sitz in Freystadt:
„In unserem Haus hat sich die Ernteerfassung fast halbiert. Stark viehhaltende Betriebe brauchen ihre Ernte selbst. Es fehlt beispielsweise an der Futtergrundlage. Beim Gras fällt ein kompletter Schnitt aus. Das ist ein Rückgang um 25 Prozent.  Auch sonst entsteht heuer kein Erntedruck. Im Lagerhaus kommt dann natürlich weniger an. Vor kurzem habe ich mit einem Landwirt gesprochen, der gerade seinen Roggen gedroschen hatte. Vor zwei Jahren standen auf seinen Feldern nach dem Dreschen 16 Rundballen. Heuer waren es zwei. Aber nicht nur beim Getreide verzeichnen wir Rückgänge. Auch beim Raps entstehen keine Druckpartien. Die Folge sind steigende Preise und Spekulation. Trotzdem dürfen die Landwirte das Verkaufen nicht vergessen. Hohe Preise machen auch andere Erzeuger aufmerksam und wenn wir nicht die Abgeber sind, versorgt sich der Markt letztendlich aus anderen Quellen.

Aktuell fühlt es sich an, als würde sich das Jahr 2003 wiederholen. Damals war die Ernte im Juli eingefahren und der Mais im August schon siliert, was normalerweise erst im Oktober stattfindet. Es ist schon besorgniserregend: Im Frühjahr waren wir aufgrund des Winters rund zwei Wochen hinter der normalen Fruchtentwicklung zurück, jetzt sind wir zwei Wochen früher dran. Die Natur hat also aufgrund der Witterung einen ganzen Monat reingeholt. Das wirkt sich natürlich negativ auf den Ertrag aus.”

Simon Burkhard, Qualitätstrocknung Nordbayern eG, mit Sitz in Gunzenhausen: „Wir können uns nicht beklagen. Aktuell haben wir 86 Prozent der Vorjahresproduktion erreicht. Wir sind also leicht unter dem Durchschnitt, allerdings war 2017 auch ein sehr gutes Jahr für uns. Mittlerweile geht das Arbeitsvolumen zwar zurück, aber unsere Lager werden langsam voll. Da ist eine abnehmende Auslastung normal. Dass wir diese Mengen produzieren können, hat jedoch mehrere Gründe. Zum einen liegt das an unserem großen Einzugsgebiet, über das wir Verluste gut abfedern können. Denn in Summe sanken die Erträge pro Hektar, was auch an der veränderten Witterung liegt. In Röckersbühl verzeichnen wir beispielsweise einen starken Einbruch aufgrund der Trockenheit. Rund um den Brombachsee erschweren wiederum sandige Böden eine ertragreiche Ernte, da Regen zu schnell abfließt. Zum anderen nehmen die regionalen Biogasanlagen keine Ware mehr an, da deren Lager noch voll sind vom letzten Jahr.

Das veränderte Klima führt zunehmend zu regional heterogenen Flächen. In Gunzenhausen und dem fränkischen Seenland etwa entwickelt sich der Mais aktuell ganz gut. Es ist zwar trocken, doch es gibt genügend Regen der zuversichtlich auf eine gute Ernte macht.  Wenn aber bei der aktuellen Trockenheit der Regen ausbleibt oder kurze und starke Regengüsse auf sandige Untergründe treffen, sieht es schon wieder anders aus.”

Gedrückte Stimmung und fehlende Abgabebereitschaft


Josef Auburger, Geschäftsführer Raiffeisen Straubing GmbH, mit Sitz in Kirchroth:
„Der Landwirtschaft macht das warme Wetter in unserer Region definitiv zu schaffen. Im Süden von Straubing haben wir bis jetzt zwar eine normale Ernte. In Landkreis Straubing fällt die Ernte allerdings im Durchschnitt rund dreißig Prozent geringer aus. Auf schlechteren Böden fehlen sogar bis zu fünfzig Prozent. Der Ausblick für den Mais ist ebenso beklagenswert. Wenn die Trockenheit anhält, werden wir hier eventuell noch stärkere Einbußen haben. Dabei würden kurze Gewitter mit einem Niederschlag von 25 Litern pro Quadratmeter vollkommen ausreichen.

Dass die Stimmung in der Landwirtschaft aktuell schlecht ist, versteht sich von selbst und wirkt sich auch auf die Abgabebereitschaft aus. Da keine Übermengen produziert werden, halten viele ihre Getreideernte in den Silos zurück und spekulieren in einer solchen Lage auf steigende Preise.”

Das milde Frühjahr fordert in der Hallertau seinen Tribut: Geringe Erträge bei frühen, durchschnittliche Entwicklung bei den späten Hopfensorten.

Dr. Erich Lehmair, Vorstand der Hopfenverwertungsgenossenschaft eG, mit Sitz in Wolnzach: „In der Hallertau ist die Aussicht auf das diesjährige Ernteergebnis zwiegespalten. Die Erträge der frühen Sorten werden deutlich geringer ausfallen. Durch das milde Frühjahr hat sich der Hopfen zu schnell entwickelt. In Folge dessen blüht der Hopfen zu früh, was in einer schlechteren Ernte mündet. Die späten Sorten entwickeln sich dagegen durchschnittlich gut. Das frühsommerliche Klima hat deren Entwicklung nicht so stark vorangetrieben.
Die Auswirkungen auf die Einholung sind ebenso spürbar. Die frühen Sorten werden heuer schon Mitte August geerntet. Manche Sorten sind damit fast drei Wochen zu früh dran. Die Ernte der späten Hopfensorten wird wie üblich im September stattfinden. Wassermangel ist bei uns bislang kein Thema und an den Pflanzen sind zum aktuellen Stand keine Trockenschäden zu sehen. Sollte die Hitze allerdings länger anhalten, könnte es auch diese Ernte noch beeinträchtigen. Das würde den Ertrag nochmals schmälern.“

Kai Fuchs, stellvertretender Geschäftsführer Gartenbauzentrale Main-Donau eG, mit Sitz in Gundelfingen an der Donau: „An allen Ecken und Enden fehlt Wasser. Verluste und Einbußen sind damit vorprogrammiert. Jungpflanzen verbrennen oder das angepflanzte Gemüse geht erst gar nicht auf. Ganz deutlich zeigt sich das dieses Jahr am Blumenkohl und an den Karotten. Der Verbraucher bekommt das natürlich nicht mit und wundert sich am Ende, warum die Preise steigen oder im schlimmsten Fall gar keine Ware im Verkauf landet. Das Wetter macht den Gärtnern aber nicht erst heuer zu schaffen. Seit drei Jahren sind wir hier im Landkreis Kitzingen statistisch die trockenste und wärmste Region Deutschlands. Und wenn dann doch einmal ein starker Regenguss fällt, sickert das Wasser schnell durch die Sandböden hier in der Region. Daher kommt man auch mit künstlicher Bewässerung schnell an seine Grenzen. Im Moment kann man noch keine Prognosen abgeben, wie die Ernte ausfallen wird. Das entscheidet sich erst in den nächsten Wochen. Wir hoffen auf schlechteres Wetter für eine bessere Ernte.”

Überproportionale Erträge bei Gras, Luzernen und Mais im Allgäu


Matthias Vögele, Geschäftsführer der Trocknungsgenossenschaft Lamerdingen eG, mit Sitz in Lamerdingen:
„Den Landwirten in unserem Einzugsgebiet, das sich vom Ostallgäu bis ins westliche Oberbayern erstreckt, macht das Wetter schon zu schaffen – aber im positiven Sinne: Wir haben Futter ohne Ende! Das Wetter war konstant gut: Es hat mindestens einmal die Woche geregnet, ansonsten war es sonnig und warm. Deshalb können wir uns über eine bombastisch gute Ernte freuen. Überproportionale Erträge gab es sowohl beim Gras als auch bei Luzernen. Und auch der Mais steht im Moment gut da. Vorausgesetzt das Wetter spielt in den nächsten fünf Wochen bis zur Maisernte auch weiterhin gut mit, erwarten wir ebenfalls überdurchschnittliche Erträge.”