Herausforderungen für den Raiffeisen-Warenhandel

"Mittlerfunktion zwischen Landwirtschaft und Industrie verteidigen"

11.02.2015

Alexander Büchel, Vorstand des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) spricht im Interview über die aktuellen Herausforderungen im ländlichen Warenhandel und wie die Raiffeisen-Warenunternehmen darauf reagieren können.

Alexander Büchel
Alexander Büchel
, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB).



Herr Büchel, der ländliche Warenhandel ist eine der wichtigsten Säulen der bayerischen Genossenschaftsorganisation. Außenstehenden ist manchmal nicht klar, warum. Können Sie die Bedeutung des Geschäftes einmal darstellen?


Alexander Büchel: Die 99 bayerischen Raiffeisen-Warenbetriebe sind ein wesentlicher Bestandteil der ländlichen Nahversorgung und der Versorgung des ländlichen Raums. In jedem bayerischen Landkreis befinden sich durchschnittlich fünf Standorte. Das ergibt ein Netz aus rund 340 Standorten im Freistaat. Zu den Raiffeisen-Warengenossenschaften gehören 67 Kreditgenossenschaften mit Warenhandel und 32 Raiffeisen-Handelsbetriebe. Der Umsatz dieser Unternehmen liegt bei rund 1,4 Milliarden Euro. Das ist eine beachtliche Größenordnung.


Seit Jahren findet in der Landwirtschaft ein Strukturwandel statt, hin zu weniger und immer größeren Betrieben. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für den Warenhandel?


Büchel: Viele größere landwirtschaftliche Betriebe bauen ihre eigenen Getreidelagerkapazitäten aus. Sie sind weniger auf die Lager- und Vermarktungsfunktionen des Agrarhandels angewiesen. Der genossenschaftliche Agrarhandel steht entsprechend vor der Herausforderung, die Mittlerfunktion zwischen Landwirtschaft und Industrie zu verteidigen. Denn bedingt durch neue Informationstechnologien sinken Informations- und Transaktionskosten und eine größere Markttransparenz vereinfacht es den Erzeugern, selbst als Anbieter auf dem Markt aufzutreten. Anbieter landwirtschaftlicher Vorleistungen versuchen zudem die landwirtschaftlichen Kunden stärker zu binden – zum Beispiel durch Bonusprogramme, einen speziell ausgerichteten Außendienst oder auch durch Smart-Farming-Anwendungen. Auch hieraus kann eine Umgehung des Agrarhandels folgen.


Wie kann der Raiffeisen-Warenhandel diesen Herausforderungen begegnen?

Büchel: Der Agrarhandel muss die Digitalisierung im Hinblick auf seine Vertriebs-, Informations- und Servicefunktion vorantreiben. Der Einstieg in den E-Commerce kann eine mögliche Antwort auf die zunehmenden Anforderungen der Landwirtschaft sein. Hierzu muss der Agrarhandel sein Profil als umfassender Dienstleister der Landwirtschaft konsequent schärfen. Dazu gehört auch, das Service- und Infrastrukturangebot von der Erzeugung bis zur Vermarktung aus einer Hand zu optimieren. Außerdem kann eine stärkere Kooperation des genossenschaftlichen Warenhandels, zum Beispiel im Einkauf von Futtermitteln oder beim Pflanzenschutz, die Wettbewerbsposition zusätzlich stärken.


Wie unterstützt die Genossenschaftsorganisation den Raiffeisen-Warenhandel dabei?

Büchel: Wir wollen die Marke „Raiffeisen“ durch einen einheitlicheren Markenauftritt weiter schärfen. Denn das ermöglicht eine stärkere Präsenz beim Kunden und damit eine bessere Marktbearbeitung. In Bayern wurde im Jahr 2013 mit der Raiffeisen Bayern Marketing eG dazu eine wichtige Grundlage für neue Marketingmaßnahmen gelegt. Diese organisatorische Neuerung hilft uns, die gemeinschaftlichen Marketingmaßnahmen zu forcieren und zu festigen.


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