Historie der Bankenaufsicht

18.03.2015

Die Regulierung des Finanzwesens hat eine lange Geschichte. Schon in der Antike und im Mittelalter waren die Vorschriften streng und teils mit drakonischen Strafen verbunden, wie ein Beitrag aus "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" zeigt.


Ein frühes Beispiel ist die Bank des Callistus in Rom. Im Namen seines Herrn Carpophorus eröffnete der christliche Sklave Callistus eine Bank, deren Kunden hauptsächlich seine Glau­bensbrüder und Witwen waren. Als 185 nach Christus eine Finanz­krise ausbrach, konnte er nicht alle Einlagen zurückzahlen. Callistus wurde für bankrott erklärt, ausgepeitscht und zur Zwangsarbeit in den sardischen Mi­nen verurteilt. Als Banker gescheitert, machte Callistus stattdessen in der Kir­che Karriere und wurde im Jahr 217 zum siebzehnten Papst gewählt.

Bankenaufsicht im Mittelalter

Mit dem Zerfall des Römischen Reichs kam auch das Bankwesen für die nächsten knapp 800 Jahre zum Erliegen und wurde erst im Spätmittelalter wie­derentdeckt. Damit einher gingen erneut Regulierungsversuche, teilweise mit mo­derneren Ansätzen. So zielte ein Gesetz der Ständeversammlung von Katalonien aus dem Jahr 1301 auf das, was man heute als Eigenkapitalquote bezeichnen würde. Es schrieb vor, dass Bankiers, die innerhalb der Städte Barcelona und Le­rida aktiv sind, eine Sicherheit von 1.000 Silberstücken zu hinterlegen haben. Nur wer diese Sicherheit geleistet hatte, durfte als sichtbares Zeichen eine Tisch­decke über seinen Bankschalter ausbrei­ten.

Trotz aller Neuerungen blieb die Ban­kenaufsicht rabiat. Pleiten waren Verbre­chen. Bankiers hafteten weiterhin mit ih­rem gesamten Besitz oder sogar mehr. Die bereits erwähnte Ständeversamm­lung von Katalonien verfügte 1300, dass ein zahlungsunfähiger Banker solange von Wasser und Brot leben musste, bis er alle Einlagen zurückgezahlt hatte. 1321 wurde das Gesetz dahingehend ver­schärft, dass ihm nur mehr ein Jahr für die Rückzahlung blieb. Danach drohte ihm die Enthauptung. In mindestens ei­nem Fall ist der Vollzug des Gesetzes be­legt: 1360 wurde ein Pleitier namens Francesch Castello vor seiner Bank öf­fentlich geköpft.

Vollends ad absurdum geführt wurde die Bankenaufsicht durch das Verhal­ten einiger Landesherrn – allen voran Karl V. Um seine notorisch klamme Kriegskasse zu füllen, schreckte der Kai­ser des Heiligen Römischen Reiches nicht davor zurück, gegen fundamentale Rechtsprinzipien zu verstoßen. Er ließ 1545 die Tresore der Bankiers von Sevilla plündern und raubte so seinen Untertanen ihre Einlagen. Um 1600 war das Bank- ­und Regulierungssystem des Mittelalters am Ende. In einem letzten Schritt wurden private Einlagenbanken in den Niederlanden und Venedig ge­setzlich verboten. Folgen sollte eine Blütezeit der Staatsbanken.



Der gesamte Beitrag zur Regulierung des Finanzwesens in Antike und Mittelalter ist in der März-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" erschienen.