Ilse Aigner über Elementarschadenversicherung

Schutz für Bayerns Häuser

09.11.2016

Durch den Klimawandel häufen sich extreme Wetterphänomene wie Starkregen, Hochwasser und Stürme. Diese können alle Hauseigentümer treffen. Eine umfassende Absicherung durch eine Elementarschadenversicherung ist daher enorm wichtig. Ein Gastbeitrag von Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.

Ilse Aigner. Foto: Bayerisches Wirtschaftsministerium

Extreme und folgenreiche Wetter­ereignisse nehmen zu. In Bayern etwa haben die Starkregenereignisse im Sommer dieses Jahres sieben Menschenleben gefordert und enorme Sachschäden verursacht. Die Bilder aus Simbach, Triftern, Tann und anderen Orten dokumentieren das Ausmaß der Zerstörung. Die Bayerische Staatsregierung hat in dieser dramatischen Situation umfangreiche finanzielle Hilfen beschlossen. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels werden sich jedoch extreme Wetterphänomene wie Starkregen, Hochwasser und Stürme zukünftig noch häufen. Auch Häuser werden von diesen Ereignissen betroffen sein. Für das wertvollste Vermögen der Menschen, die eigenen vier Wände, muss daher der optimale Schutz gefunden werden.

Ilse Aigner

Nachbesserungsbedarf prüfen


Im Bewusstsein der Bürger muss zuallererst mit einigen verbreiteten Irrtümern aufgeräumt werden. Diese lauten: „Ich wohne nicht in der Nähe von Bächen oder Flüssen. Mir kann nichts passieren“. Oder: „Ich habe eine Wohngebäudeversicherung. Mein Haus ist optimal versichert“. Und: „Wenn etwas passiert, hilft der Staat“. Extreme Wetterereignisse können, wie dieses Jahr gezeigt hat, alle Hauseigentümer jederzeit treffen. Notwendig ist eine Vollkaskoversicherung, das heißt Wohngebäude-­, Hausrat- ­und Elementarschadenversicherung. Es liegt im Interesse der Eigentümer, keine Schutzlücken offenzulassen.

Deswegen sollten alle Hauseigentümer dringend überprüfen, inwieweit bei ihrer Wohngebäudeversicherung Nachbesserungsbedarf besteht. Gerade Altverträge umfassen meist keine vollständige Absicherung gegen Naturereignisse. Diese Verantwortung kann einem Immobilieneigentümer nicht staatlicherseits abgenommen werden. Denn der Einführung einer Pflichtversicherung stehen nicht nur kaum überwindbare rechtliche Hürden entgegen, eine solche Versicherung ist auch unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten fragwürdig. Eine Elementarschadenversicherung wird heute nahezu für alle Wohngebäude – auch in hochwassergefährdeten Gebieten – angeboten.

Die Prämien sind im Vergleich zu einer Kfz-Vollkaskoversicherung meist geringer. Mittels Selbstbehalten und individuellen Präventionsmaßnahmen an Häusern können die Prämien zudem häufig deutlich gesenkt werden. Der Versicherungsschutz umfasst eine Wiederherstellung beschädigter Gebäude zum Neuwert und übertrifft damit bei Weitem etwaige staatliche Hilfszahlungen, auf die kein individueller Anspruch besteht.

Die Versicherungswirtschaft kann in den allermeisten Fällen einen guten Versicherungsschutz zu tragbaren Konditionen anbieten. Es muss jetzt in erster Linie darum gehen, die Wohnungseigentümer verstärkt zu sensibilisieren. Bayern hat bereits im Jahr 2009 als erstes Bundesland eine Elementarschadenkampagne initiiert und bietet umfassende Hinweise rund um dieses Thema unter anderem auf einer Informationswebseite an. Dank der von der bayerischen Wirtschaft und dem Bayerischen Wirtschaftsministerium getragenen Kampagne hat sich die Versicherungsquote seit 2009 nahezu verdoppelt.

Steigerung der Versicherungsquote


Trotzdem besteht noch Nachholbedarf: Mein Ziel ist es, dass Banken, Versicherungen und Politik in Bayern weiterhin intensiv zusammenwirken. Der Kreditwirtschaft mit ihren verschiedenen Informationswegen und ihrer Präsenz durch ihr verzweigtes Filialnetz kommt hierbei zusammen mit den Versicherungsunternehmen eine Schlüsselfunktion zu. Gerade bei Neukreditvergaben können die Banken ihre Kunden über die Vorteile einer Elementarschadenversicherung aufklären. Ebenso besteht für die Banken ein hohes Interesse, dass die Immobiliensicherheiten in ihrer Substanz geschützt werden.

An die Versicherungswirtschaft richte ich den Appell, einfache und klar verständliche Tarife flächendeckend anzubieten. Die primäre Aufgabe des Staats liegt in einem effektiven Hochwasserschutz und einer angepassten Bauleitplanung. Eine deutliche Erhöhung der Versicherungsquote ist der einzige Weg, um existenziellen Notlagen infolge von Naturkatastrophen wirksam zu begegnen.


Der Beitrag ist in der November-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.