Innovationsmanagement der Volksbank Raiffeisenbank Dachau

Die Ideen fließen lassen

19.06.2017

Die Volksbank Raiffeisenbank Dachau beschäftigt seit September 2016 eine Innovationsexpertin. Sie hat schon einiges erreicht: Von der Fintech-Kooperation über den Aufbau einer Ideenwerkstatt bis hin zum optimierten Ideenmanagement.


In der Hauptstelle der Volksbank Raiffeisenbank Dachau gibt es ein Foyer, in dem sich viele Wege kreuzen. Es geht von dort zur Schalterhalle, zum Rechnungswesen, in die Marktfolge oder zu den Vorstandsbüros. Im Mai hat das Institut die Weggabelung zu einer „Kommunikationsecke“ mit Tischen, Stühlen und einem Kaffeeautomaten umgebaut. Der Grund: Seit jeher treffen sich dort Mitarbeiter verschiedener Bereiche zum Gespräch. Diesen Dialog will die Bank gezielt fördern. „Das stärkt die ab - teilungsübergreifende Kommunikation, auch die informelle“, sagt Vorstandssprecher Thomas Höbel.

Hinter der Maßnahme steckt ein konkretes Ziel: „Wir wollen innovationsfreudiger werden, um Veränderungen besser aufgreifen oder selbst anstoßen zu können“, sagt Höbel. Deshalb hat die Volksbank Raiffeisenbank Dachau im September 2016 auch die Stabsstelle Innovationsmanagement ins Leben gerufen. Diese hat unter anderem dazu beigetragen, die Kommunikationsecke zu gestalten.

Frühere Mitarbeiterin kommt zurück


Dem oberbayerischen Institut mit einer Bilanzsumme von knapp 1,7 Milliarden Euro geht es gut. In den vergangenen Jahren sei das Geschäft organisch gewachsen, die Menschen in der Region schätzten die Bank als leistungsstark und  modern ein, sagt Höbel. Um diese Position zu sichern, müsse das Institut jedoch auf die Herausforderungen reagieren, die Digitalisierung, Niedrigzinsphase und das sich wandelnde Kundenverhalten mit sich bringen. „Dafür ist jetzt der richtige Zeitpunkt, weil wir in der Lage sind, die entsprechenden Kapazitäten zu schaffen“, sagt Höbel.

Verantwortlich für das Innovationsmanagement ist Eva Marie Meuter. Sie ist im Haus eine alte Bekannte: Nach ihrer Ausbildung bei der Raiffeisenbank Oberschleißheim (heute Münchner Bank) und einem BWL-Studium hatte Meuter von 2009 bis 2015 schon einmal bei der Dachauer Bank im Bereich Organisation/Prozessmanagement gearbeitet. Um ihren Horizont zu erweitern, wechselte Meuter anschließend zur Messe München in die Organisationsentwicklung.Im September 2016 kam sie zurück nach Dachau, um Veränderungen anzustoßen. „Frau Meuter eignet sich für die Stelle, da sie einen Bezug zur Bank hat und einschätzen kann, was machbar ist“, sagt Höbel.

Für eine Innovationsmanagerin gibt es keine Muster-Stellenbeschreibung. Meuter hat sich deshalb zu Beginn ihrer Tätigkeitintensiv mit den Bereichsleitern im Haus ausgetauscht. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Welche Verbesserungsmöglichkeiten haben die einzelnen Abteilungen schon umgesetzt? Welche Ideen gibt es? Wie kann sie bei der Umsetzung helfen?

Kooperation mit Scalable Capital


Zudem hat sich Meuter angeschaut, wie die Mitglieder der genossenschaftlichen FinanzGruppe Innovationen angehen. Dazu hat sie zum Beispiel das easy Credit-Haus in Nürnberg besucht, sich mit den zuständigen Mitarbeitern von DZ Bank, Fiducia & GAD und mit Primärbanken aus ganz Deutschland vernetzt. „Der Austausch im Verbund funktioniert wunderbar“, sagt Eva Marie Meuter.

Nach rund neun Monaten trägt Meuters Einsatz bereits erste Früchte. Seit Mai besteht die Kooperation mit dem Münchner Fintech Scalable Capital. Über die Bank-Webseite können Kunden auf die Dienste des Online-Vermögensverwalters zugreifen und Exchange-traded funds (ETFs) erwerben. Ein Computer- Algorithmus trifft für sie auf Basis ihres persönlichen Risikoprofils automatisch sämtliche Anlageentscheidungen.

Ziel der Fintech-Kooperation ist es, online-affine Kunden für die Anlage in Wertpapiere zu begeistern. „Scalable Capital  ersetzt dabei nicht unsere qualitativ  hochwertige Beratung in der Vermögensverwaltung,  sondern ergänzt unsere  Produktpalette um ein interessantes Angebot“,  sagt Meuter. Daneben spielt eine  Rolle, dass das Fintech mit Sitz in München  auch geografisch gut zur Dachauer Bank passt und die Chemie während der Gespräche gepasst hat. „Natürlich haben  wir die Vor- und Nachteile intensiv abgewogen. Alles in allem sind wir aber sehr stolz, dass es funktioniert hat“, sagt Meuter. Über die in der Bank entwickelte @VR-Lounge können Kunden auf Scalable Capital zugreifen. Das Institut ist offen für weitere Kooperationen mit Fintechs. Aber nicht um jeden Preis: Die Gespräche mit anderen Unternehmen verliefen bisher ohne Ergebnis.

Innovationskultur schaffen


Neben solchen nach außen sichtbaren Ergebnissen will Meuter auch nach innen Wirken und die Kultur der Dachauer Bank schrittweise innovationsfreudiger gestalten. Um das hinzubekommen, setzt die Betriebswirtin zusammen mit dem Vorstandstrio um Thomas Höbel, Karl-Heinz Hempel und Johann Schöpfel sowie den Bereichsleitern an drei Stellen an: Erstens sollen die 328 Angestellten für notwendige Veränderungen gewonnen werden, damit das Institut auch in Zukunft gut aufgestellt ist. Regelmäßig werden die Mitarbeiter über alle Maßnahmen informiert. „Wir wollen nicht abgehoben etwas vorgeben, sondern zusammen die Bank weiterentwickeln“, sagt Höbel. Zweitens soll eine Fehlerkultur geschaffen werden. „Wir müssen, auch als Vorstand, eingestehen können, wenn eine Idee mal nicht funktioniert“, sagt Höbel. Drittens sollen alle Mitarbeiter die Möglichkeit haben, die Entwicklung des Unternehmens voranzutreiben.

Dazu hat die Bank ihr betriebliches Vorschlagswesen überarbeitet. Bisher schickten die Mitarbeiter eine formlose E-Mail an den Leiter Unternehmensservice, in der sie ihre Ideen vorstellten. Von dort aus wurde die Abstimmung mit den Fachbereichen koordiniert. Im Dezember 2016 wurde das alte System abgelöst und im Mai durch eine geschlossene Online-Plattform in agree21 - Communitys ersetzt. Den Ideenmanager können die Mitarbeiter rund um die Uhr und von überall aus nutzen. Haben sie einen Vorschlag, rufen sie die Webseite auf und beantworten Fragen wie: Wen betrifft es? Welchen Effekt soll das haben?

„Auf diese Weise können Ideen zielgerichtet formuliert werden“, sagt Meuter. Die eingereichten Vorschläge können in der Community von allen Mitarbeitern gelesen und kommentiert werden. Die Zahl der Ideen ist spürbar gestiegen: Während es früher durchschnittlich alle drei Monate eine Anregung gab, reichten die Mitarbeiter seit dem Relaunch des Ideenmanagements im Dezember schon über 30 Vorschläge ein.

Um die Ideen in die Tat umzusetzen, hat die Bank im Juni eine Innovationswerkstatt in Dachau eingerichtet. Dazu wurde eine ehemalige Geschäftsstelle umgebaut und mit moderner Technik wie interaktiven Whiteboards ausgestattet. Die Mitarbeiter können dort Workshops oder Hackathons abhalten. „Wir gehen bewusst an einen anderen Ort, weil dort die Ideen besser fließen“, sagt Meuter. Zunächst hält die Bank in der Innovationswerkstatt nur interne Veranstaltungen ab, später sollen sie auch für Kunden geöffnet werden, beispielsweise um neue Produkte auszuprobieren.

Die Verantwortlichen der Volksbank Raiffeisenbank Dachau sehen sich auf dem richtigen Weg, um das Haus innovationsfähiger zu machen. „Wir haben seit dem Start im vergangenen Herbst gemeinsam viele Entwicklungen angestoßen. Jetzt kommt es darauf an, die Grundlagen mit innovativen Ideen zum Leben zu erwecken“, sagt Höbel

Thomas Höbel und Eva Marie Meuter
Vorstandssprecher Thomas Höbel und Eva Marie Leuter, Leiterin der Innovationsstabstelle.


Der Beitrag ist in der Juni-Ausgabe von „Profil – das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.