Innovationsmanagement der VR-Bank Neu-Ulm

Wie Genossenschaftsbanken Neuerungen vorantreiben

19.09.2017

Die VR-Bank Neu-Ulm will sich von den Wettbewerbern stärker durch kundenfreundliche Alleinstellungsmerkmale abheben. Dazu treiben ein Innovationsmanager und die kürzlich eröffnete „GenoFaktur“ Veränderungen voran.

 

Treiben Innovationen bei der VR-Bank Neu-Ulm voran (von links): Kommunikationsreferent Wolfgang Kaimer, Innovations-Manager Kai Häckel und Vorstand Alois Spiegler.Treiben Innovationen bei der VR-Bank Neu-Ulm voran (v. li.): Kommunikationsreferent Wolfgang Kaimer, Innovations-Manager Kai Häckel und Vorstand Alois Spiegler.


Dass Innovationen nicht über Nacht entstehen, weiß Kai Häckel nur zu gut. Und auch um innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen, braucht es Zeit. Über mehrere Monate entwickelte der 39-Jährige das Konzept für die Innovationswerkstatt der VR-Bank Neu-Ulm. Ziel der Initiative: Den Mitarbeitern des schwäbischen Kreditinstituts eine Möglichkeit bieten, um sich regelmäßig zu treffen, zu vernetzen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. So sollen beispielsweise neue Produkte für Kunden entstehen.

Im Mai 2017 wurde die Werkstatt schließlich unter dem Namen „Geno-Faktur“ ausgerollt. „Es war zwar ein langwieriger Prozess, doch die Mühe hat sich gelohnt. Mittlerweile haben wir einen ansehnlichen Ideenspeicher aufgebaut“, sagt Häckel. Er verantwortet seit Oktober 2016 die Position „Consultant Digital Business und Innovation“, die das Institut eigens geschaffen hat. Vorher war er als Prozessmanager tätig.

Innovationswerkstatt: Bereichsübergreifende Zusammenarbeit


Zur Innovationswerkstatt gehört ein Team aus 15 Angestellten der VR-Bank. Die Mitarbeiter kommen aus verschiedenen Bereichen wie dem Marketing, der Compliance-Abteilung oder der Beratung. Sie alle haben sich freiwillig bereiterklärt, monatlich rund zehn Stunden ihrer Freizeit einzubringen, um an der Zukunftsfähigkeit ihrer Bank zu arbeiten. Alle vier Wochen treffen sie sich, entwickeln Ideen und arbeiten an neuen Geschäftsmodellen. In der Zwischenzeit treiben sie ihre Vorhaben selbst voran.

Manche Ideen, die die Mitarbeiter im Mai 2017 als vage Vorstellungen eingebracht haben, haben sich mittlerweile zu Innovationen mit Potenzial entwickelt. Ein Beispiel dafür ist ein Ansatz für die Start-Up-Förderung. Das Geschäftsgebiet des Instituts liegt in einer Region, in der zahlreiche Unternehmen neu entstehen. „Natürlich gibt es für solche Gründer schon Unterstützungsangebote. Doch wir glauben, dass es Möglichkeiten gibt, sie noch zielgerichteter zu fördern“, sagt Kai Häckel.

Also führten die GenoFaktur-Mitarbeiter mit einigen Jung-Unternehmern Gespräche und loteten aus, wo der Schuh in der Vorgründungsphase gedrückt hat. Daraus entwickeln die Innovatoren nun eine passende Lösung, über die das Team noch nicht zu viel verraten möchte. Die GenoFaktur hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, diese und andere selbst erarbeitete Innovationen noch in diesem Jahr dem Vorstand der Genossenschaft zu präsentieren. Gibt es grünes Licht, könnte die Umsetzung 2018 starten.


Geno-Faktur der VR-Bank Neu-Ulm
Die Geno-Faktur als Innovationswerkstatt: 15 Mitglieder aus verschiedenen Einheiten der VR-Bank Neu-Ulm treffen sich einmal im Monat, um neue Lösungen zu entwickeln.


Innovationsmanagement der VR-Bank Neu-Ulm als Alleinstellungsmerkmal


Zum Vorstandstrio der VR-Bank Neu-Ulm gehört Alois Spiegler. Er betont, dass sich das Institut mit einer Bilanzsumme von 1,6 Milliarden Euro und 350 Mitarbeitern nicht auf den Erfolgen früherer Jahre ausruhen dürfe. „Um weiterhin am Markt erfolgreich zu sein, müssen wir unser Differenzierungspotenzial schärfen“, sagt Spiegler. Die Bank hat festgestellt, dass viele Menschen in ihrem Geschäftsgebiet die Unterschiede zwischen den einzelnen Wettbewerbern nicht benennen können.

Um sich abzuheben, versucht sich das Institut Alleinstellungsmerkmale zu erarbeiten. Dazu gehört der Service, das Marketing- oder eben das Innovations-Management. Deshalb hat Vertriebsvorstand Spiegler im vergangenen Jahr die Stelle von Häckel geschaffen. „Er ist ein Freigeist, der die Themen fachlich durchdringt und den Willen gezeigt hat, etwas zu bewegen“, sagt Alois Spiegler. Von der Idee einer Innovationswerkstatt musste der Vorstand nicht lange überzeugt werden: „Wir haben viele kreative und engagierte Kolleginnen und Kollegen. Ihnen geben wir die Chance, abseits des Arbeitsalltags Ideen auszuprobieren, die auch mal scheitern dürfen.“

Angesiedelt ist die Stelle im Stabsbereich Marketing und Kommunikation. Die dortigen Mitarbeiter, vor allem Kommunikationsreferent Wolfgang Kaimer, arbeiten eng mit Häckel zusammen. Fragt man den geistigen Vater der Geno-Faktur, wie ein typischer Arbeitstag aussieht, muss er nicht lange überlegen. „Abwechslungsreich“, sagt er und lacht.

Netzwerk aus internen und externen Kontakten fürs Innovationsmanagement


Kai Häckel sieht es als eine seiner Hauptaufgaben an, sich innerhalb der Bank zu vernetzen. Warum sich das lohnt, lässt sich am Beispiel der sozialen Finanz-App „BAY Lendstar“ erklären, mit der Freunde sich via Smartphone verabreden und untereinander Geld überweisen können. Seit März 2017 kooperiert das Kreditinstitut mit dem dahinterstehenden Fintech. Die Bank hat sich das Ziel gesetzt, die Lösung in ihrem Marktgebiet bekannt zu machen. Ganz nebenbei lernt sie, wie ihre Kunden und auch das Kollegium solche neuen Lösungen annehmen und was optimiert werden kann.

„BAY Lendstar“ ist nur ein Beispiel: „Als zukunftsorientiertes Unternehmen bieten wir heute schon klasse Lösungen an, wie die VR-Banking-App oder unser Crowdfunding-Portal. Wir stellen aber auch fest, dass diese Angebote noch nicht hinreichend bekannt sind oder auch Vorbehalte gegen die Nutzung bestehen. Hier komme ich ins Spiel. Ich suche gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen nach Wegen, wie wir die PS dieser digitalen Problemlöser auf die Straße bekommen“, sagt Häckel.

Neben dem internen Netzwerk baut der Innovationsmanager auch externe Kontakte auf. Regelmäßig tauscht er sich mit anderen Mitarbeitern der genossenschaftlichen FinanzGruppe aus. Dazu dienen Veranstaltungen wie das Geno-BarCamp oder der GVB-Erfahrungsaustausch Digitalisierung. Darüber hinaus versucht die GenoFaktur, mit regionalen Akteuren in Kontakt zu treten.

Beispielsweise hat die VR-Bank Neu- Ulm zusammen mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Neu-Ulm ein Konzept für eine Jugendmarkt-App entwickelt. Die Idee: Unternehmen können dort für junge Menschen, die bei der VR-Bank Neu-Ulm ein Konto besitzen, Rabatte anbieten. „Die Kooperation war sehr interessant. Aktuell sammeln wir Anregungen, wie wir das Konzept mit Leben füllen können“, sagt Häckel.

Innovationsmanagement als Investition in die Zukunft


Lohnend sind auch die Gespräche mit Fintechs: Neben der Kooperation mit „BAY Lendstar“ war die VR-Bank Neu-Ulm Pilotbank beim Konto-Wechsel-Service mit dem Fintech fino. Mittlerweile wird dieser Dienst von der VRNetworld angeboten. Durch solche Projekte kann das Kreditinstitut seine Vorstellungen in die Entwicklung neuer Angebote einbringen.

Vorstand Alois Spiegler ist gespannt, welche Ergebnisse die GenoFaktur liefern wird. Die Themen gehen den Mitarbeitern jedenfalls nicht aus: Jüngst wurde das Thema interne Kommunikation aufgegriffen. Ein Ziel ist es, die Masse an internen E-Mails zu reduzieren. Eine mögliche Lösung ist eine für alle zugängliche digitale Plattform. In der GenoFaktur werden dafür nun Lösungen diskutiert.

Die Vorschläge des Innovationsmanagements stehen regelmäßig auf dem Prüfstand. Häckel tauscht sich mit dem Vorstand darüber aus, wie die neuen Angebote bei den Kunden und intern ankommen. „Natürlich funktioniert nicht alles sofort. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich die Investitionen in diese Stelle und in die Innovationen langfristig lohnen werden“, sagt Spiegler.


Der Artikel ist in der September-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.