Interview mit Bankexperte Thomas Meuche

„Weg vom Produkt, hin zum Prozess“

02.02.2016

Er kennt das Firmenkundengeschäft aus Theorie und Praxis: Thomas Meuche ist Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule Hof und Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank-Raiffeisenbank Bayreuth. Im Interview spricht er über die Chancen der bayerischen Kreditgenossenschaften im Firmenkundengeschäft.

Thomas MeucheThomas Meuche


Profil: Herr Professor Meuche, welche Bedeutung hat das Firmenkundengeschäft für die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken?


Thomas Meuche: Wenn man sich die Zusammensetzung der Ergebnisse ansieht, so stammt bei den meisten Banken  der Großteil aus dem Firmenkundengeschäft. Es stellt also die wesentliche Basis des gesamten Geschäfts dar.

Profil: Welche Stärken können die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken im Firmenkundengeschäft ausspielen?

Meuche: Die Kreditgenossenschaften genießen hohes Vertrauen, eine hohe Konstanz in der Betreuung und sind deshalb auch nah am Kunden. Man darf sich darauf aber nicht ausruhen. Die Firmenkunden werden nicht zuletzt wegen des selbst erlebten zunehmenden Preisdrucks preissensibler. Zudem nimmt allgemein die Bindung ab – auch zur Hausbank – und die jüngere Generation wird auch zunehmend affiner für die Abwicklung des Bankgeschäfts über das Internet. Wenn hier nicht ansprechende Angebote vorliegen, dann das durchaus ein Wechselgrund sein.

Profil: Wo gibt es noch Potenziale für die Volksbanken und Raiffeisenbanken?

Meuche: Die Komplexität wächst ganz allgemein, das gilt auch für die Firmenkunden. Ihnen bei der optimalen Gestaltung ihrer finanzwirtschaftlichen Prozesse zu helfen und damit die Komplexität zu reduzieren ist sicherlich eine Chance. Dafür bedarf es aber einer Veränderung im Denken, weg vom Produkt hin zum Prozess des Kunden. Zudem bedarf es immer mehr der Einbindung von Spezialisten.

Profil: Welche Anforderungen müssen Firmenkundenbetreuer erfüllen, um für die künftigen Herausforderungen im Firmenkundengeschäft gerüstet zu sein?

Meuche: Die Firmenkundenbetreuer müssen sich viel intensiver als in der Vergangenheit mit den Geschäftsmodellen ihrer Kunden, Trends und deren Auswirkungen beschäftigen. Die Digitalisierung wird in den kommenden Jahren zu einer teilweise radikalen Veränderung von Geschäftsmodellen beitragen. Über diese Veränderungen und deren finanzwirtschaftliche Auswirkungen müssen Firmenkundenberater künftig mit ihren Kunden qualifiziert reden können. Erstens ist dies erforderlich, um die darin vorhandenen Risiken frühzeitig zu erkennen, und zweitens, um die richtigen Ansatzpunkte für eine gezielte Beratung identifizieren zu können. Dafür bedarf es eines umfassenden betriebswirtschaftlichen Verständnisses, das weit über das finanzwirtschaftliche Wissen hinausgeht.

Profil: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Professor Meuche!

Das vollständige Interview ist in der Februar-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.