Interview mit EU-Abgeordneten Markus Ferber

Einlagensicherung: Vergemeinschaftung bringt keinen Mehrwert

09.10.2018

Der Europaabgeordnete Markus Ferber hält nichts von den Vorschlägen für eine EU-Einlagensicherung (EDIS), wie er im „Profil“-Interview klar macht. Zugleich fordert er einen stärkeren Abbau von Kreditrisiken in einigen Mitgliedsstaaten.

„Von den Vorschlägen für eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherungssysteme halte ich nach wie vor gar nichts“, sagte Ferber im Gespräch mit „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt (Oktober Ausgabe). Erst in der vergangenen Legislaturperiode hätte das EU-Parlament eine Richtlinie verabschiedet, die auf Basis nationaler Systeme in der ganzen EU ein einheitlich hohes Schutzniveau sicherstellt. „Eine Vergemeinschaftung dieser Systeme bringt keinen Mehrwert an Stabilität, schafft aber ein fatales Anreizsystem. Deswegen brauchen wir EDIS nicht“, erklärt der EU-Abgeordnete.


Hohes Niveau an ausfallgefährdeten Krediten weitaus größeres Problem


„Das größte Problem in vielen Mitgliedsstaaten ist nach wie vor das hohe Niveau an ausfallgefährdeten Krediten“, so Ferber. Diese würden wie ein Bremsklotz für die Kreditvergabe und damit für die wirtschaftliche Entwicklung wirken. Ein anderes Problem bestehe darin, dass viele Banken sehr hohe Bestände an Staatsanleihen ihrer Heimatländer in ihren Bilanzen hielten. Diese Bestände, die nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, seien ein Konzentrationsrisiko. Ferber verdeutlicht: „Wenn ein Staat in Zahlungsschwierigkeiten gerät, kann er durch diesen Mechanismus schnell sein Bankensystem mit in den Abgrund reißen.“


Verbraucherschutzvorschriften: Mehr Verwirrung als  tatsächlicher Schutz


Beim Thema finanzieller Verbraucherschutz fordert der EU-Politiker eine kundenfreundlichere Ausgestaltung der Regeln. In den vergangenen Jahren seien eine Reihe von Vorschriften verabschiedet worden, wie zum Beispiel MiFID II, PRIIPS oder IDD. Dabei hätten sich leider „einige Inkonsistenzen eingeschlichen, die zu Dopplungen, Extraarbeit und Verwirrung beim Kunden führen“, stellt Ferber fest. Daher brauche es eine grundsätzliche Überprüfung, wo Ungenauigkeiten abgeschafft werden können. „Oftmals wäre aber auch schon geholfen, wenn die zuständige Aufsichtsbehörde an manchen Stellen einen pragmatischeren Ansatz wählt“, so Ferber.

Das vollständige Interview mit MdEP Markus Ferber in der Oktober-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ lesen.