Interview mit Ulrich Binnebößel vom HDE

Was dem Einzelhandel bei paydirekt wichtig ist

14.10.2015

Ulrich Binnebößel vom Handelsverband HDE spricht im Interview über die Vorteile von paydirekt und erklärt, welche Anforderungen der Einzelhandel an Online­-Bezahlverfahren stellt.


Kartenzahlung im EinzelhandelKartenzahlung im Einzelhandel: Neben etablierten Bezahlverfahren sieht Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) ausreichend Platz für ein weiteres Zahlungssystem wie paydirekt.


Herr Binnebößel, wie steht der deutsche Einzelhandel zu paydirekt?

Ulrich Binnebößel:
Der Markt für Zahlungsverfahren im Internet ist vielfältig. Jedoch zeigt sich, dass im E-­Commerce je nach Marktabgrenzung die Bezahlarten Rechnung, Lastschrift, PayPal und Kreditkarte dominieren. Daher ist sicher noch ausreichend Platz für ein weiteres Verfahren, wenn es für viele Kunden anwendbar ist und akzeptiert wird. Dem Einzelhandel ist jede Art von Wettbewerb im Bereich der Bezahlsysteme willkommen. paydirekt hat sicherlich eine Chance verdient, wenn die Bedingungen stimmen. Neben dem Preis ist hier von besonderer Bedeutung, dass sich das Verfahren als Zahlungsmittel der gesamten deutschen Kreditwirtschaft etabliert. Sprich: die Anbieter müssen geschlossen hinter dem Verfahren stehen und dies überzeugend nach außen bringen.

Profil: Welche Vorteile bietet dem Handel ein zusätzliches Online­-Bezahlsystem auf dem Markt?

Ulrich BinnebößelBinnebößel: Ein neues Online­-Bezahlsystem ist umso wirkungsvoller, je stärker die potenzielle Marktbedeutung ist. Um gegen die führenden Verfahren anzutreten, muss eine konsequente Bewerbung bei einer möglichst großen Kundengruppe stattfinden. Mit den online­ geführten Girokonten hat hier die deutsche Kreditwirtschaft ein großes Potenzial. Dazu ist aus Handelssicht sicher auch die Entgeltpolitik entscheidend. Neben diesen wettbewerblichen Aspekten kommt es jedoch darauf an, dass dem Kunden ein Mehrwert geboten wird. Hier muss ein Newcomer die Kunden überzeugen, von ihren gewohnten Zahlungsmitteln zu wechseln. Die Kür wäre dann, noch zusätzliche Zielgruppen zu gewinnen, die bislang nicht online bezahlt haben.

Ulrich Binnebößel

Profil: Auf welche Aspekte legt der deutsche Einzelhandel bei Bezahlvorgängen im Internet besonderen Wert?

Binnebößel: Alle Zahlverfahren müssen für den Kunden sicher sein. Es darf nicht passieren, dass die Kunden wegen krimineller Übergriffe finanzielle Verluste hinnehmen müssen. Für diese Sicherheit ist der Betreiber des Systems verantwortlich. Aus Handelssicht ist zudem die Datenhoheit eine unabdingbare Grundanforderung. Abverkaufs­ und Transaktionsdaten müssen stets in der Hoheit des Händlers bleiben. Es wäre ein K.­-o.­-Kriterium, wenn hier ein Systembetreiber ungefiltert Daten an Wettbewerber weitergibt oder auch nur in aggregierten Zuständen veröffentlicht. Der Zahlungsanbieter darf Daten nur für den Zweck der Bezahlung erheben und gerade so lange speichern, wie es erforderlich ist, um die Abwicklung zu ermöglichen. Datensparsamkeit, Datensicherheit und Datenhoheit sind wesentliche Kriterien für den Handel.

Wie kann die deutsche Kreditwirtschaft es schaffen, paydirekt nachhaltig als Online-Bezahlverfahren zu etablieren?

Binnebößel:
Sie sollte in vollem Umfang mit allen Instituten hinter dem Verfahren stehen, Mehrwerte für Kunden und Akzeptanten generieren, den kanalübergreifenden Gedanken etablieren und nicht zuletzt preislich attraktive Angebote darstellen. Und schließlich sollte ein intensiver Austausch mit der Akzeptanzseite – also dem Handel – das Verständnis fördern und die Weiterentwicklung an kommende Herausforderungen sichern.


Das vollständige Interview ist in der Oktober-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.