Interview Stefan Müller

Berufliche Ausbildung stärken

31.07.2014

Der CSU-Politiker Stefan Müller (38) ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Vor seiner Karriere in der Politik war der gelernte Bankkaufmann als Kundenberater bei der Raiffeisenbank Seebachgrund tätig. Mit „Profil“ sprach der Mittelfranke darüber, wie die Bundesregierung die Attraktivität der Ausbildung im Vergleich zum Studium steigern will.


Auszubildende bei der Arbeit: Bildungsstaatssekretär Stefan Müller will die berufliche Bildung in Deutschland stärken.Auszubildende bei der Arbeit: Bildungsstaatssekretär Stefan Müller will die berufliche Bildung in Deutschland stärken.


Profil: Herr Staatssekretär, Sie haben früher als Berater in der Raiffeisenbank Seebachgrund gearbeitet, sich aber letztlich für die Politik entschieden. Dennoch würde uns interessieren, was Sie am meisten an Ihrem damaligen Beruf vermissen?

Stefan Müller: In der Bank, zumal als Berater, ist man extrem nah an den Kunden. Weil es dabei um die Finanzen der Menschen geht, bekommt man viel von ihren Wünschen, Ideen, Plänen, aber auch von ihren Sorgen und Problemen mit. Bei einer Genossenschaftsbank im ländlichen Raum ist diese Nähe sicher noch größer als in anderen Instituten. Diese Unmittelbarkeit im persönlichen Kontakt versuche ich mir zu bewahren, seit ich 2002 erstmals in den Bundestag gewählt wurde. Das ist zugegebenermaßen nicht immer so einfach und deshalb auch der Aspekt, den ich am meisten vermisse.

Profil: Sie haben sich nebenberuflich zum Bankfachwirt weitergebildet. Haben Sie eigentlich jemals bereut, sich für die berufliche Bildung und gegen ein Studium entschieden zu haben?

Müller:
So eindeutig war die Entscheidung gar nicht: Ich hatte damals durchaus die Idee, noch BWL zu studieren. Letztlich war es die anerkannt hohe Qualität der Ausbildung an der Bankakademie, die für mich persönlich den Ausschlag gab, diesen Weg zu gehen. Anspruch und Niveau sind dort – wie übrigens auch an der Akademie bayerischer Genossenschaften – absolut vergleichbar mit einem einschlägigen Hochschulstudium. Dazu kommt der unmittelbare Praxisbezug im Job, den man an einer Hochschule so ja gar nicht bekommen kann. Nein, ich bereue diese Entscheidung in keiner Weise.

Stefan Müller. Foto: Henning SchachtProfil: Wie kann die Attraktivität einer Ausbildung gesteigert werden?

Müller:
Im Vordergrund der Bemühungen des BMBF zur Attraktivitätssteigerung des dualen Systems stehen Maßnahmen zur Qualität der Ausbildung, zur Lösung aktueller Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt und zur Verbesserung des Images von Ausbildungsberufen in bestimmten Branchen. Darüber hinaus können auch Kampagnen wie „Berufliche Bildung praktisch unschlagbar“ von BMBF und Bundeswirtschaftsministerium einen wichtigen Beitrag zur Information über die Chancen und Karrieremöglichkeiten des dualen Systems leisten.

Stefan Müller. Foto: Henning Schacht

Profil: Welche Erwartungen verbinden Sie in diesem Zusammenhang mit der Initiative „Chance Beruf“ und der geplanten „Allianz für Aus- und Weiterbildung“?

Müller: Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs um Nachwuchskräfte und des drohenden Fachkräftemangels setzt das BMBF mit dem Konzept „Chance Beruf“ einen bildungspolitischen Schwerpunkt auf die Modernisierung, Attraktivitätssteigerung, Integrationskraft und Durchlässigkeit und damit letztlich auf die Zukunftssicherung der beruflichen Bildung. Mit dem Konzept wollen wir einen spürbaren Beitrag zur Stärkung der beruflichen Bildung in Deutschland leisten. Dieses Ziel können Bundes- und Landespolitik nicht alleine erreichen, sondern nur im Schulterschluss mit Unternehmen und Sozialpartnern, etwa im Rahmen der laufenden Verhandlungen zur „Allianz für Aus- und Weiterbildung“.

Profil: Was müssen die Betriebe selbst – auch die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken – tun, um die Ausbildung attraktiver zu gestalten?


Müller: Die Attraktivität der Ausbildung hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Das Ansehen des jeweiligen Unternehmens spielt sicher eine wichtige Rolle, wobei das Image unter anderem von der Qualität der erstellten Güter oder Dienstleistungen und deren Wertschätzung innerhalb der Gesellschaft abhängt sowie von Faktoren wie dem Betriebsklima, der Sicherheit der Arbeitsplätze und dem Gehaltsniveau. Daneben können Betriebe ihre Attraktivität durch Angebote wie Teilzeitausbildungen, Auslandspraktika, attraktive Weiterbildungs- und Karriereangebote oder auch duale Studiengänge steigern.



Das gesamte Interview mit Stefan Müller lesen Sie in der August-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt"