Investitionen bayerischer Molkereigenossenschaften

Wenn der Roboter den Käse schmiert

30.05.2017

Die Lage am Milchmarkt bleibt schwierig. Um sich zu behaupten, investieren die genossenschaftlichen Molkereien in Bayern. Sie setzen auf Automatisierung, eine autarke Energieversorgung und besetzen Nischen. Drei Beispiele.

Bergkäselager der Allgäu Milch Käse eG
Das Bergkäselager der Allgäu Milch Käse eG



Allgäu Milch Käse eG: Bergkäselager in Kimratshofen


Die Allgäu Milch Käse eG stand Anfang 2015 vor einem Problem: Die Preise und damit die Margen für gängige Milch- und Käseprodukte wie zum Beispiel Emmentaler erreichten neue Tiefststände. Geschäftsführer Hubert Dennenmoser und dem Vorstand war klar: Die Genossenschaft muss darauf reagieren. „Wir wollten weg von wenigen Standardprodukten hin zu einer Vielfalt an Spezialitäten und Nischenprodukten. Da ist die Wertschöpfung wesentlich höher“, sagt Dennenmoser. Gerade bei Bergkäse steigt die Nachfrage, während es nur wenige deutsche Hersteller gebe.

Die Molkerei-Führung entschied deshalb, für 4 Millionen Euro am Standort Kimratshofen ein 1.200 Quadratmeter großes Bergkäselager zu bauen. Seit vergangenem September läuft der Betrieb, die Produktionskapazität liegt bei 3.500 Tonnen pro Jahr. Mithilfe von Robotern wird der Käse im Lager vollautomatisch geschmiert, gewaschen, getrocknet und abgepackt. Auch der Transport zu den jeweiligen Stationen und die Lagerung erfolgen vollautomatisch: Im ganzen Gebäude sind fahrerlose Gabelstapler unterwegs. „Dadurch arbeiten wir erheblich effizienter, günstiger und hygienischer“, sagt Dennenmoser.

Bergkäse aus Bio- oder Bergbauernmilch wird von den Verbrauchern sehr geschätzt. Das ermöglicht es der Molkerei, höhere Preise zu erzielen. Beim Standardprodukt Emmentaler legen die Verbraucher hingegen weniger Wert auf eine besondere Milchqualität. Die Molkerei setzt aber nicht nur auf Bergkäse: Sie ergänzt ihre Produktpalette mittlerweile laufend um neue Sorten.

Beispielsweise produziert die Allgäu Milch Käse seit Kurzem als einziger Hersteller in Deutschland Raclettekäse – ein Alleinstellungsmerkmal, das sich durch einen höheren Ertrag bezahlt macht. Verkauft wird der Käse ausschließlich im Lebensmitteleinzelhandel, in rechteckig geschnittenen Scheiben und fertig abgepackt. „Damit stehen wir bewusst nicht in Konkurrenz zu den Sennereigenossenschaften in unserem Geschäftsgebiet“, betont Geschäftsführer Dennenmoser.


Energiezentrale der Molkerei Berchtesgadener Land eGEnergiezentrale der Milchwerke Berchtesgadener Land-Chiemgau eG

Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG: Sichere Stromversorgung in Piding


Auch die Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG haben investiert: Seit dem vergangenen Jahr ist am Standort Piding eine Energiezentrale mit einer modernen Gasturbine, einer neuen Dampfkesselanlage sowie einer Wasseraufbereitungsanlage in Betrieb. „Wir bekommen nicht nur günstiger, sondern auch ohne Ausfallrisiko Strom und Wärme“, sagt Geschäftsführer Bernhard Pointner.

Stromausfälle sind eine Herausforderung für Molkereien: Die Anlagen schalten dann sofort auf Störbetrieb um. Das Problem: Nach Beseitigung der Störung müssen die Maschinen und Leitungen geleert und aus Hygienegründen mehrere Stunden lang sterilisiert werden, bevor die Produktion wieder anlaufen kann. Das kam in der Vergangenheit immer wieder vor und kostete die Genossenschaft bei jedem Stillstand rund 30.000 Euro. In sieben Jahren soll sich die Investition amortisieren. Pointner: „Das schlägt sich dann in einem höheren Milchgeld für unsere Mitglieder nieder.“

Den Milchpreis hat die Genossenschaft auch mit ihrer im April eröffneten „Markenwelt“ im Blick. Sie richtet sich an die Einkäufer des Lebensmitteleinzelhandels. In mehreren Räumen, darunter auch ein Kino, vermittelt die Molkerei, wie die besondere Qualität ihrer Produkte und damit der höhere Preis zustande kommen. „Wir wollen auf emotionale Weise zeigen, was uns einzigartig macht und welche Vorteile wir den Händlern dadurch im Wettbewerb mit den Discountern bieten können“, sagt Pointner.

Insgesamt hat die Genossenschaft 2016 mehr als 15 Millionen Euro in ihren Betrieb investiert. Dabei bleibt es aber nicht: Im Rahmen eines Investitionsplans soll bis 2022 jedes Jahr ein Großprojekt abgeschlossen werden. Dafür nimmt die Genossenschaft insgesamt einen dreistelligen Millionenbetrag in die Hand. 2017 ist noch eine neue Abtankhalle geplant, um die Logistik der Milchanlieferung zu optimieren. „Nur mit solchen Investitionen bleiben wir am Puls der Zeit“, ist Pointner überzeugt.


Bayerische Milchindustrie eG, Produkte der Marke FrankenlandProdukte der Marke „Frankenland“ der Bayerischen Milchindustrie eG


Bayerische Milchindustrie eG (BMI): Neue Produktionslinie in Würzburg


Das sieht die Bayerische Milchindustrie eG (BMI) ähnlich. Aus wirtschaftlichen Gründen verlegt sie bis Mitte 2018 ihren Standort in Obermaßfeld nach Würzburg. Dafür werden die dortigen Anlagen überholt und um neue Maschinen, wie zum Beispiel Abfüller, ergänzt. Damit können auch in Würzburg künftig Milch, Joghurt und Co. in Mehrweggläsern abgefüllt werden. Hinzu kommen Maschinen, um das Leergut zu verwalten und für die Produktion vorzubereiten.

„Wir integrieren die neue Produktionslinie vollständig in das bestehende Werk und lasten es dadurch besser aus. Das senkt die Stückkosten“, erklärt Vorstandssprecher Peter Hartmann. Darauf muss die Genossenschaft achten, wenn sie einerseits den Landwirten ein möglichst hohes Milchgeld zahlen und andererseits für zukünftige Investitionen wirtschaftlich solide aufgestellt bleiben will. Das akzeptieren auch die Mitarbeiter in Obermaßfeld: Sie tragen die Entscheidung mit und können an anderen Standorten Stellen antreten.

Mit der Verlagerung hat die BMI aber nicht nur die Kostenseite im Blick. „Die Nachfrage nach Produkten in Mehrweggläsern steigt durch den Trend zu mehr Nachhaltigkeit gerade massiv an“, sagt Hartmann. Dem steht jedoch nur ein geringes Angebot gegenüber, weil sich in den vergangenen Jahren viele Molkereien aus diesem Bereich zurückgezogen haben. Dank der neuen Produktionslinie in Würzburg kann die Genossenschaft nun unter ihren Regionalmarken „Frankenland“ und „Thüringer Land“ auf die steigende Nachfrage reagieren und die Produktion hochfahren.

Die Weichen für diese Entscheidung wurden bereits 2013 gestellt. Damals beschloss die BMI, sich in allen Sparten konsequent auf Nischen wie etwa Bioprodukte, Regionalmarken oder  Molkenpulverderivate zu spezialisieren, weil das höhere Erträge generiert. Diese Strategie hat sich bewährt: „Heute erzielen wir mit unseren Produkten deutlich höhere Erlöse“, sagt Hartmann.


Der Artikel ist in der Juni-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.