IW über Unternehmensfinanzierung

Banken spielen die Hauptrolle

09.05.2016

Die EU-Kommission möchte, dass sich Unternehmen stärker über die Kapitalmärkte finanzieren. Doch besonders kleine und mittlere Unternehmen setzen nach wie vor auf den Bankkredit. Warum das so ist, erklärt Daniel Bendel vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW).

Gabelstapler mit Fahrer in einer LagerhalleLagerist bei der Arbeit: Kleine und mittlere Unternehmen nutzen den Kapitalmarkt nur selten, da sie bei Ihrer Hausbank passgenaue Kreditkonditionen bekommen.


Traditionell gilt Deutschland als bankenfinanziert – im Unterschied etwa zu den USA, wo die Kapitalmarktfinanzierung eine große Rolle spielt. So beläuft sich im Euroraum der Anteil der Bankkredite am Fremdkapital der Unternehmen auf durchschnittlich 88,3 Prozent, während in den USA der Anteil der Unternehmensanleihen am Fremdkapital bei 86,4 Prozent liegt. Doch der Druck auf Banken wächst. Vor allem aufgrund der Regulierung, aber auch, weil neue Marktteilnehmer eintreten. Außerdem versucht etwa die EU-Kommission, die Finanzierung über Anleihen über die Kapitalmarktunion zu unterstützen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat sich in einer aktuellen Studie mit der Entwicklung der Unternehmensfinanzierung auseinandergesetzt. Zwei wesentliche Ergebnisse ragen dabei heraus: Erstens konnten die Unternehmen in den vergangenen 15 Jahren ihre Eigenkapitalbasis deutlich verbreitern und zweitens spielen Banken gerade bei langfristigen Finanzierungen immer noch die Hauptrolle.

Hohe Kosten der Kapitalmarktfinanzierung schrecken ab


Im Bereich der Fremdfinanzierung ist zu erkennen, dass die Unternehmensgröße einen entscheidenden Einfluss auf das Finanzierungsverhalten hat. So fragen Unternehmen erst ab einer bestimmten Größe eine Finanzierung am Kapitalmarkt nach. Denn dort werden größere Volumina an Finanzmitteln emittiert, es bestehen höhere Dokumentations- und Prospektpflichten, es fallen höhere Compliance-Kosten an und außerdem ist ein Liquiditätsmanagement aufgrund der hohen emittierten Volumina erforderlich. KMU lassen deshalb eine deutlich höhere Präferenz für Bankkredite erkennen, auch in Kombination mit einer längerfristigen Beziehung zu ihrer Hausbank.

Das zeigt sich in den folgenden Zahlen deutscher Unternehmen: In allen Branchen und in allen Fristigkeiten sind die Anteile der Bankkredite an der Bilanzsumme bei den KMU größer als bei den Großunternehmen. Bei den kurzfristigen Bankkrediten betrug der Anteil an der Bilanzsumme im Jahr 2013 bei den KMU 7,6 Prozent, bei Großunternehmen dagegen 3,3 Prozent. Ähnliches gilt für den Anteil der langfristigen Bankkredite: Bei den KMU lag dieser im Jahr 2013 bei 12,0 Prozent, dagegen bei den Großunternehmen bei 8,4 Prozent.

Langfristfinanzierung mit Kredit über die Banken


Eine untergeordnete Rolle spielt nach wie vor die Anleihenfinanzierung. Der Anteil der kurzfristigen Anleihen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2014 bei nur 0,1 Prozent, der Anteil der langfristigen Anleihen dagegen immer- hin bei 5,1 Prozent im Jahr 2014. Auch diese Zahlen zeigen: Bankkredite spielen als Fremdkapital eine deutlich größere Rolle als Anleihen. Der Anteil der kurzfristigen Kredite lag im Jahr 2014 bei 15,8 Prozent des BIP und der Anteil der langfristigen im selben Jahr bei 31,9 Prozent des BIP.

Wenn die Unternehmen an den Kapitalmarkt gehen, dann vor allem, um Aktien zu emittieren. Deren Anteil am BIP ist sehr hoch, schwankt aber systembedingt deutlich stärker als die Anteile der anderen Finanzierungsformen. Im Jahr 1999 lag der Anteil der börsennotierten Aktien bei 58,6 Prozent des BIP, fiel dann bis zum Jahr 2002 auf 23,8 Prozent. Bis zum Jahr 2007 stieg er wieder auf 47,1 Prozent, fiel aber im Zuge der Finanzkrise auf 27,0 Prozent. Aus diesen Ergebnissen kann abgeleitet werden, dass sowohl Banken als auch der Kapitalmarkt für die deutschen Unternehmen von Relevanz sind, wobei die Banken eine herausragende Rolle in der langfristigen Fremdfinanzierung einnehmen, insbesondere bei KMU.

Passende Kreditkonditionen bei Banken


Die Emission von Anleihen, die mit hohen Fixkosten verbunden ist, stellt für kleinere Unternehmen also kein Substitut für eine Bankenfinanzierung dar, da sie durch langfristige Beziehungen zu ihrer Hausbank eine lange Kredithistorie aufweisen, die es der Hausbank ermöglicht, passende Konditionen zu erstellen. Diese Konditionen können anonyme Finanzinvestoren den kleineren Unternehmen nicht bieten. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Hausbank einen hohen Anreiz hat, sich detailliert mit dem Produkt und dem Geschäftsmodell des Unternehmens auseinanderzusetzen. Bei Kapitalmarktinvestoren ist der Anreiz zum Screening und Monitoring geringer, da sie allein die in den Finanzmarktpreisen enthaltenen Informationen nutzen möchten.

Das IW geht davon aus, dass vor allem im Bereich der langfristigen Fremdkapitalfinanzierung in den nächsten Jahren weitere Veränderungen zu erwarten sind: zum einen, weil über die Kapitalmarktunion der Zugang zum Anleihemarkt erleichtert werden soll, und zum anderen, weil Basel III die langfristige Kreditvergabe der Banken besonders beeinträchtigt. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass die Banken nach wie vor für Deutschland in der Unternehmensfinanzierung eine wichtige Rolle spielen, die durch Kapitalmarktinstrumente allenfalls komplementiert werden.


Der Beitrag von Daniel Bendel vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ist in ungekürzter Form in der Mai-Ausgabe von „Profil -  das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.