Jahrespressekonferenz 2014

Positives Geschäftsjahr bei Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften

09.04.2014

Die bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften blicken auf ein gutes Geschäftsjahr zurück, wie GVB-Vorstand Alexander Büchel in seiner Rede bei der Vorstellung der Geschäftszahlen betonte. Große Herausforderungen sieht Büchel vor allem in den Bereichen Milch und Energie.

GVB-Vorstand Alexander Büchel bei der Jahrespressekonferenz 2014 der bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften.„Die bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften konnten 2013 ein signifikantes Gewinnwachstum ausweisen“, so GVB-Vorstand Alexander Büchel auf der Jahrespressekonferenz.


Positive Geschäftsentwicklung und hohes Niveau genossenschaftlicher Neugründungen

Die 741 ländlichen, 204 gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften sowie die vier Zentralen und die 69 Kreditgenossenschaften mit Warengeschäft erzielten 2013 ein positives Geschäftsergebnis. So stieg der Gesamtumsatz um 3,9 Prozent auf insgesamt 11,87 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Ausschüttungen beträgt 220 Millionen Euro.

Auf weiter hohem Niveau bewegt sich die Zahl der genossenschaftlichen Neugründungen. Im vergangenen Jahr wurden bayernweit 61 Genossenschaften gegründet. Mit 43 Unternehmen entstand ein Großteil davon im Energiebereich.

 
Überblickskarte: Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Bayern
Überblickskarte: Die bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften 2013.  


Auch mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr zeigen sich die genossenschaftlichen Unternehmen zuversichtlich. Trotzdem stehen die bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften aber auch vor großen Herausforderungen, wie GVB-Vorstand Büchel betonte. Diese machte er vor allem in den Bereichen Milch und Energie aus. 

Herausforderungen für bayerische Milchwirtschaft


Die 165 Milchgenossenschaften erwirtschafteten 2013 einen beachtlichen Gesamtumsatz von 3,34 Milliarden Euro. Dies lässt sich auf einen Rekordwert beim Milchauszahlungspreis zurückführen. Gleichwohl verdeutliche das abgelaufene Geschäftsjahr die zunehmende Abhängigkeit des bayerischen Milchpreises von der internationalen Angebots- und Nachfrageentwicklung, wie Büchel betonte. Deshalb müssten sich die Landwirte auf weiterhin starke Preisschwankungen einstellen.

Eine Herausforderung für die bayerische Milchwirtschaft sieht der GVB-Vorstand zudem im Auslaufen der Milchquote zum 1. April 2015. Da keine Produktionsmengen mehr festgeschrieben werden, sei mit steigenden Anlieferungsmengen zu rechnen. Dadurch werde die Bedeutung des Exports weiter zunehmen. Besonders gefordert seien hierbei aufgrund ihrer Abnahmeverpflichtung die Molkereigenossenschaften.

GVB-Vorstand Alexander Büchel zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung der bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in 2013.


Bestands- und Vertrauensschutz für Energieprojekte


Kritisch beurteilte Büchel den von der Europäischen Kommission vorgelegten Entwurf der EU-Beihilfeleitlinien im Energiebereich. Es dürfe nicht dazu kommen, dass die EU eine eigenständige Energiepolitik betreibe, warnte der GVB-Vorstand: „Das Recht der Mitgliedstaaten, über die Ausgestaltung ihrer nationalen Fördersysteme für erneuerbare Energien zu entscheiden, muss gewahrt bleiben.“

Das gelte insbesondere für den Gesetzesentwurf zur EEG-Novelle. Zwar sei eine marktwirtschaftliche Ausrichtung des EEG und damit eine entsprechende Anpassung der Förderpolitik dringend notwendig, so Büchel. Unerlässlich sei jedoch, dass staatliche Zusagen auch eingehalten werden. Eine nachträgliche Kürzung oder Besteuerung bereits zugesagter Förderungen dürfe es nicht geben.

Der GVB setzt sich deshalb bei den laufenden Verhandlungen zum neuen EEG für einen vollständigen Bestandsschutz sowie einen Vertrauensschutz für bereits genehmigte und in ihrem Planungsstand fortgeschrittene Investitionsprojekte ein.

Keine unnötige Bürokratie für Genossenschaften


Abschließend machte sich Büchel dafür stark, dass Genossenschaften ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmen der regionalen Wirtschaft ohne unnötige Bürokratie nachkommen können.

Er erinnerte in diesem Sinne an die Bestimmungen des Genossenschaftsgesetzes. Danach sind Genossenschaften darauf ausgerichtet, den Erwerb und die Wirtschaft der Mitglieder oder deren kultureller oder sozialer Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern. „Damit ist für mich per se ausgeschlossen, dass eine Genossenschaft in der Verwaltungspraxis als Investmentfonds eingestuft und entsprechend aufsichtsrechtlich behandelt werden kann.“ Denn ein laufender Geschäftsbetrieb zur wirtschaftlichen Förderung der Mitgliederinteressen sei ein grundsätzliches Merkmal genossenschaftlicher Unternehmen. Deswegen sollte eine gesetzliche Vermutung der operativen Tätigkeit von Genossenschaften ohne detaillierte Einzelfallprüfung gelten.




April-Ausgabe von Weitere Informationen zu Genossenschaftsgründern und ihren Motiven finden Sie in der April-Ausgabe von „Profil – das bayerische Genossenschaftsblatt“.