Jana Wolf

Serie „Künstliche Intelligenz und Arbeitswelt 4.0“

05.10.2018

Roboter lenken Autos, intelligente Computer erkennen schwere Krankheiten, Algorithmen helfen bei der Suizidprävention. Das alles ist heute möglich. In der crossmedialen Serie nimmt die junge Autorin Jana Wolf die vielfältigen Anwendungsbereiche von künstlicher Intelligenz unter die Lupe und holt das globale Megathema in die Region.



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Roboter lenken Autos, intelligente Computer erkennen schwere Krankheiten, Algorithmen helfen bei der Suizidprävention. Das alles ist heute möglich. In der crossmedialen Serie „Künstliche Intelligenz und Arbeitswelt 4.0.“ in der Mittelbayerischen Zeitung nimmt die junge Autorin Jana Wolf die vielfältigen Anwendungsbereiche von künstlicher Intelligenz unter die Lupe. Alle Beiträge eint, dass es immer auch um die weitreichende Frage geht, wie künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft verändert. Wolf beschreibt beispielsweise, wie lernfähige Programme die Art und Weise nachahmen können, wie Menschen handeln. Bekannt wurde der Fall der Start-up-Gründerin Eugenia Kuyda, die ihren tödlich verunglückten Freund durch Chatbots und lernfähige, intelligente Programme „wiederbelebte“ und von seiner künstlichen Nachahmung nun im Tonfall verblüffend ähnliche E-Mails und Nachrichten erhält. In einem weiteren Artikel aus der Reihe berichtet Wolf über künstliche Intelligenz, die im Bereich Seelsorge zum Einsatz kommt. Auch gesellschaftlich-ethische Fragen werden aufgeworfen: Gibt es bei Krankheiten ein Recht auf Nicht-Wissen? Und wie hoch ist die Gefahr einer Entsolidarisierung, wenn künftig Krankheiten präzise vorhergesagt werden können?

Wolf ist eine handwerklich gut gemachte, informative Serie zum komplexen Thema „Künstliche Intelligenz“ gelungen. Sie bespielt es von unterschiedlichen Seiten und greift dabei spannende Anwendungsformen auf. Sie holt das globale Thema in die Region: Mehrfach hakt sie beispielsweise bei der Universität Regensburg nach. Ihre Artikel überzeugen dabei durch journalistische Stilsicherheit. Teils gelingen Wolf mitreißende Feature-Einstiege – so beispielsweise in der Reportage über die Spinnenphobiker. Die crossmediale Umsetzung ist mit flächigen Optiken, Online-Bildergalerien, Videos und Info-Boxen für eine Regionalzeitung mustergültig. In seiner Gesamtheit ist die Serie für eine Nachwuchsjournalistin beeindruckend konzipiert. Sie geht nach Meinung der Jury dabei an die Grenzen dessen, was eine regionale Tageszeitung leisten kann: Jana Wolf hat viel Zeit investiert und investieren dürfen. Sie schafft es, den „Megatrend“ künstliche Intelligenz auch Bevölkerungsschichten nahezubringen, die davon möglicherweise noch gar nicht betroffen sind, es aber sein werden. Sie ist damit eine würdige Preisträgerin.

Fragen an die Preisträgerin Jana Wolf

Jana Wolf

Wie sind Sie auf die Idee für ihre Serie gekommen?

Jana Wolf: Das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) tauchte in Redaktionskonferenzen immer wieder auf – in unterschiedlichen Zusammenhängen. Mal ging es um neue Finanz-Apps, von denen die Bankfiliale um die Ecke unter Konkurrenzdruck gesetzt wird. Mal um eine Software zur Diagnose von Krebs, die an der Regensburger FH entwickelt wird. Oder um intelligente Videoüberwachungssysteme, die in der Nähe der Redaktion der Mittelbayerischen Zeitung (MZ) produziert werden. Die Beobachtung, dass KI nicht nur im Silicon Valley, sondern auch in der Region ein heißes Thema ist, gab den Anstoß zur Serie. Gestalt gewonnen hat die Idee dann im Austausch mit meinem MZ-Kollegen Stefan Stark. Wir haben uns gefragt, wie wir all die Anwendungsbereiche von KI unter einen Hut bekommen. Und wie wir komplexe Technologien am besten für unsere Leserschaft aufbereiten. Die Texte sollten in der Region verankert sein und zeigen, welchen Einfluss KI auf die Arbeits- und Lebenswelt hat.

Mit welchen Herausforderungen waren Sie konfrontiert?

Wolf: Diskussionen um neue Technologien sind oft sehr emotional aufgeladen und schlagen schnell in Extreme aus: Die einen sehen in intelligenten Computern die besseren Menschen, die anderen warnen vor Jobkillern oder vor dem Kontrollverlust gegenüber übermächtigen Systemen. Ich fand es herausfordernd, die richtige Balance zu finden: Technische Aspekte genau erklären, technologischen Fortschritt differenziert einordnen und ethische Fragen beleuchten – und dabei keine Schreckensszenarien heraufbeschwören. Dazu brauchte es geeignete Ansprechpartner, die die Technologie seriös beurteilen können und zugleich einen Bezug zur Region haben. Ohne dass sie nur eigene Produkte oder die eigene Forschung bewerben wollen. Eine andere Herausforderung: Ist die Rede von KI, werden oft Begriffe durcheinander geworfen: Robotik, Big Data, Deep Learning oder Algorithmen sind eben nicht das Gleiche. Mein Ziel war es, präzise zu bleiben.

Worin lag ihr Erkenntnisgewinn?

Wolf: Ich habe mich in der Serie auf Bereiche fokussiert, die den Menschen nahe kommen: auf neue Kommunikationsformen zum Beispiel und auf die Frage, ob Chatbots Menschen nachahmen können. Oder auf Therapiemethoden in der Psychologie und auf die Frage, ob KI-Technologien dabei tatsächlich helfen können. Ich wusste etwa bis zu dieser Recherche nicht, dass Spinnenphobien mit Virutal-Reality-Brillen therapiert werden können. Oder dass Facebook-Algorithmen als Warnsystem bei Suizidgefahr eingesetzt werden. Ich habe auch festgestellt, wie viele Mythen um die KI gebildet und welche erstaunlichen Fähigkeiten Maschinen angedichtet werden. Nach dieser Serie bin ich umso mehr davon überzeugt, dass sich nicht alle Veränderungen durch KI über einen Kamm scheren lassen, auch weil am Ende der Mensch die Maschinen programmiert und ihren Handlungsspielraum festlegt. Durch die Recherche habe ich also nicht nur viel über Computer, sondern auch so manches über Menschen gelernt.