Johann Pichlmaier im Interview

HVG meldet überdurchschnittliche Hopfenernte

29.09.2016

Nach dem Krisenjahr 2015 fällt die Hopfenernte heuer sehr reichlich aus. Das freut Johann Pichlmaier, Vorstandsvorsitzender der Hopfenverwertungsgenossenschaft HVG aus Wolnzach. Ein Interview.


Johann Pichlmaier, Vorstandsvorsitzender der Hopfenverwertungsgenossenschaft HVG, zeigte sich im Interview zufrieden über die diesjährige Hopfenernte. 


Herr Pichlmaier, wie fällt die diesjährige Hopfenernte in der Hallertau aus?


Johann Pichlmaier: Bei nahezu allen Sorten zeichnen sich üerdurchschnittliche Erträge ab. Im Vergleich zum desaströsen Vorjahr werden wir rund 50 Prozent mehr ernten, im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr dürfte das Plus bei gut 10 Prozent liegen. Auch die in den Pflanzen enthaltenen und für das Bierbrauen so wichtigen Aromastoffe sind nach den bisherigen Analysen sehr zufriedenstellend.

Wird die Ernte 2016 den Bedarf der Brauereien decken können?

Pichlmaier: Die schlechte Hopfenernte im Jahr 2015 hat die Lagerbestände der Brauereien erheblich sinken lassen. Bei einzelnen Sorten sind die Vorräte nahezu vollständig aufgebraucht. Die für 2016 erwarteten Hopfenmengen werden aber ausreichen, um bei allen Sorten den Bedarf der Brauwirtschaft für das kommende Braujahr decken zu können.

Welche Preise erzielen die Landwirte derzeit für ihren Hopfen?


Pichlmaier: Die Ernte 2016 dürfte zu rund 85 Prozent über Vorkontrakte bereits verkauft sein, zu besseren Preisen als im Vorjahr. Wegen der knapperen Lagerbestände bei den Brauereien zeichnen sich zusätzlich auch für die auf dem freien Markt verkauften Mengen sehr ordentliche Preise ab. Das ist bei einer großen Ernte eher die Ausnahme und damit erfreulich für die Betriebe. Unsere Hopfenbauern können in wirtschaftlicher Hinsicht zufrieden sein. Noch erfreulicher fällt aber der Blick in die Zukunft aus. Die Hopfenpflanzer konnten in den vergangenen Wochen und Monaten Vorkontrakte mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren auf einem Preisniveau von 6 bis 7 Euro pro Kilogramm Hopfen abschließen, bei einzelnen Sorten sogar noch etwas höher. Damit kommt der Hopfenbauer auf einen Nettoerlös von rund 13.000 bis 16.000 Euro pro Hektar Anbaufläche. Das ist deutlich mehr, als in den vergangenen Jahren bezahlt wurde.

Welche Herausforderungen waren 2016 beim Hopfenanbau zu meistern?

Pichlmaier: Die feuchte Witterung, insbesondere im Juli, hat den Befall mit Pilzkrankheiten sehr stark begünstigt. Insofern war die Kontrolle des „Echten“ und „Falschen Mehltaus“ für unsere Betriebe durchaus eine Herausforderung. Besonders auffallend war in diesem Jahr aber auch das vermehrte Auftreten der Welkekrankheit, bei der sich die Blätter der Rebe gelb verfärben und abfallen. Im schlimmsten Fall kann die Ernte zu 100 Prozent ausfallen. Für diese Krankheit gibt es keine direkte Bekämpfungsmöglichkeit. Hier werden wir in der Zukunft ein verstärktes Augenmerk auf die Resistenzzüchtung legen müssen.

Wie hat sich der Hopfenexport in diesem Jahr entwickelt?

Pichlmaier: Da gibt es erfreuliche und weniger erfreuliche Entwicklungen. Etwas rückläufig ist derzeit der Export nach China. Die dortige Brauwirtschaft hat mit deutlich sinkenden Ausstoßmengen zu kämpfen. In der Folge braucht sie nicht mehr so viel Hopfen. Dennoch  sind wir langfristig optimistisch, weil die chinesische Hopfenproduktion eher an Boden verliert und die US-Pflanzer aktuell wenig Interesse an diesem Markt haben. Auf allen anderen Exportmärkten haben wir beim klassischen Bitterhopfen hinzugewonnen. Positiv entwickelt sich der Export von Aromahopfen in die USA für die dortigen Craft-Brauer. Diese
Szene ist für uns besonders interessant, weil nach den USA nun auch in vielen anderen Ländern der Konsum von aromastarken, hopfigen Bieren zunimmt.

Auch wenn die Jubiläumsfeiern zu 500 Jahre Reinheitsgebot schon wieder einige Monate her sind: Ist das Reinheitsgebot auch im Jahr 2016 noch unentbehrlich?

Pichlmaier: Zumindest gibt es keinen Grund, es aufzugeben. Der Biertrinker verbindet auch nach 500 Jahren damit eine besondere Qualität und eine klare Definition der Zutaten. Entgegen der oft geäußerten Meinung schränkt es auch nicht die Geschmacksvielfalt ein. Besonders mit der inzwischen riesigen Auswahl an Hopfensorten hat der Brauer in Verbindung mit den anderen Rohstoffen und einer Vielzahl an  Brauverfahren enorme Möglichkeiten, im Rahmen des Reinheitsgebots einzigartige und charaktervolle Biere herzustellen.


Das Interview ist in der Oktober-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" erschienen.