Journalistenpreis

Preisverleihung 2013

16.11.2013


Auf einer Festveranstaltung in Ingolstadt wurden die drei Gewinner geehrt. Jürgen Gros, Pressesprecher des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), würdigte die herausragenden Siegerarbeiten: „Es ist ein sehr bedeutsames Qualitätsmerkmal, nicht möglichst schnell zu sein, sondern vielmehr sorgfältig hinter die Kulissen zu schauen.“ Nur einem solchen Journalismus könne es gelingen, mit dem Leser einen veränderten Blick auf Dinge zu entwickeln.

Verleihung der Journalistenpreise 2013 der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken

Von links: Laudator Marcel Huber, Bayerischer Minister für Umwelt und Verbraucherschutz, Preisträger Stefan Schmid, Laudator Dietmar Gaiser, Fernsehjournalist und Moderator, die Preisträger Hannes Vollmuth und Peter Wagner sowie Laudatorin Birgit Hollerbach vom Wirtschaftsphilologenverband Bayern



Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis

Den Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis erhielt Peter Wagner für seine Arbeit „Entscheidung in Sicht“, die im jetzt-Magazin/Schule & Job der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Mit seinem Porträt über die 400 Jahre alte Töpferei Klampfleuthner auf Frauenchiemsee greift Wagner die Problematik der Unternehmensnachfolge und des drohenden Sterbens von Traditionshandwerk im Freistaat auf.

Seine Laudatorin Birgit Hollerbach, Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftsphilologenverbands Bayern e.V. sagte: "Die Reportage findet im Spannungsfeld von 400 Jahren Tradition auf der einen Seite und den Ambitionen und dem Fernweh der Töchter auf der anderen statt. Als Lehrerin konnte ich sie hervorragend im Unterricht verwenden. Denn sie beleuchtete sowohl den betriebswirtschaftlichen Aspekt als auch das Thema Berufswahl und wurde damit zur Grundlage angeregter Diskussionen bei meinen Schülern."


Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis

Mit dem Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis haben die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken Stefan Schmid ausgezeichnet. In seinem Hörfunk-Betrag „Genuss-Scheine wörtlich genommen: Wenn Anleger ihre Rendite in Naturalien bekommen“, Bayern 2, Notizbuch, nähert er sich der Naturaldividende. Über den Trüffelzins einer fränkischen Confiserie von ihrem „Trüffelzins“ schwärmen oder einen Biolandwirt , der seinen Hühnerstall über die Ausgabe von Genuss-Scheinen an Privatleute finanzierte. Gleichzeitig legt er kritisch offen, dass für den Verbraucher bei dieser Form der Geldanlage gegebenenfalls auch ein Komplettverlust entstehen kann.

Der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Marcel Huber, gratulierte dem Preisträger zu seiner spannenden Radio-Reportage über Genuss-Scheine. Sie gebe den Verbrauchern für diese seltene Geldanlage hilfreiche Ratschläge. Er sagte: „Wir wollen gut informierte Verbraucher als Vertragspartner auf Augenhöhe. Ein wichtiges Instrument dazu sind wissenschaftlich fundierte und objektive Informationen für die Verbraucher. An diesem Punkt trifft Verbraucherschutz auf Qualitätsjournalismus. Die Medien sind wichtige Sprachrohre für die Verbraucher. Denn erst Information und Aufklärung ermöglichen eine bewusste und freie Entscheidung des Verbrauchers.“  


Volontärspreis

Den Volontärspreis erhielt der junge Autor Hannes Vollmuth. Er porträtierte in der taz-Wochenendbeilage sonntaz Jenifer Gabel. Seit mehreren Jahren demonstriert die Aktivistin jeden Montag in der Würzburger Innenstadt unter anderem für eine nachhaltige Politik und Lebensweise. Mit großer Präzision beschreibt er ihre vordergründig beliebig wechselnden politischen Forderungen und wie sich die Sinnhaftigkeit des Protests auch verlieren kann.

In seiner Laudatio würdigte Dietmar Gaiser, der bekannte ehemalige „Jetzt-Red-I“-Moderator und langjährige Dozent an der Akademie der bayerischen Presse, den aktuellen Journalistenschüler Hannes Vollmuth: „Von jungen Journalisten wird heute so viel mehr verlangt als noch in meiner Generation. Ich bin stolz, den Preis heute an meinen Kollegen Hannes Vollmuth überreichen zu können. Sein Beitrag nimmt sich Zeit, um eine junge Frau zu zeigen, die sensibel und stark, realistisch und idealistisch zugleich ist. Er hat so einen vergnüglichen, aber auch zum Nachdenken anregenden Artikel geschaffen und dabei nur beobachtet, nicht bewertet.“


Drei Preisträger – drei herausragende Beispiele für Qualitätsjournalismus: Dessen besondere Bedeutung im digitalen Medienzeitalter brachte Jörg Quoos, der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Focus“, auf den Punkt: "Die Frage ist, wie schaffen wir journalistische Qualität und wie definieren wir sie? Für mich ist Qualitätsjournalismus Verlässlichkeit, Verständlichkeit, Gefühl für Verantwortung, tiefschürfendes Erklären, Mut, Haltung, aber auch Geld. Denn wenn man für Qualitätsmedien nicht mehr bereit ist, Geld zu zahlen, gibt es bald keine Qualitätsmedien mehr. Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken haben mit ihren Journalistenpreisen ihre Wertschätzung für guten Journalismus bewiesen; gedankt wurde es ihnen mit hervorragenden Beiträgen."



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