Journalistenpreise 2014

Gewinner in Ingolstadt ausgezeichnet

08.11.2014

Die Gewinnerbeiträge der Journalistenpreise der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken stehen fest: Es sind drei Reportagen der Medienwerkstatt Franken und eine Verbraucher-Titelstrecke aus „Die Zeit“. Der Volontärspreis wurde dieses Jahr nicht vergeben.

Preisträger der Journalistenpreise 2014 der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken
Die Preisträger, Laudatoren und Jurymitglieder bei der Verleihung der Journalistenpreise 2014 der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken.


Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken haben ihre Journalistenpreise für das Jahr 2014 vergeben. Sie gehen an Winfried Schuhmann, Robert H. Schumann, Gerd Vanselow und Günther Wittmann von der Medienwerkstatt Franken sowie an die freie Autorin Susanne Schäfer für einen Beitrag in der „Zeit“. Die Auszeichnungen sind mit insgesamt 20.000 Euro dotiert.

Bei der Preisverleihung in Ingolstadt sagte Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), es seien Preisträger ausgezeichnet worden, die für Qualitätsjournalismus stehen. Ein solcher Journalismus sei preiswürdig, weil er unaufgeregt Aufklärung leistet, hintergründig informiert und Widersprüchliches kompromisslos aufdeckt.

Der Strukturwandel des Nachrichtenjournalismus war das Kernthema der diesjährigen Festrede.  "Wir Journalisten waren lange Zeit Schleusenwärter und Gatekeeper", sagte Martin Bialecki, Leiter des Politikressorts der Nachrichtenagentur dpa. Durch die Digitalisierung, die damit einhergehende Beschleunigung der Informationsübermittlung und das Überangebot von Nachrichten habe sich das geändert. In dieser "Welt des Überflusses" müssten die Journalisten vor allem Orientierung bieten und auf die Güte der Informationen achten.


Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis 2014


Der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis zum Thema wirtschaftliche Bildung mit einem Preisgeld von insgesamt 12.000 Euro ging an mehrere Journalisten der Medienwerkstatt Franken für die drei TV-Reportagen „Pizza International“, „Neue Bauern, altes Dorf“ sowie „Großmarkt der Betriebsamkeit“. Die Beiträge hatte der Regionalsender Franken Fernsehen im Lauf des Jahres 2013 ausgestrahlt.

  • In „Pizza International“ fingen Robert H. Schumann und Günther Wittmann mit der Kamera ein, wie Zuwanderer als Pizzalieferunternehmer in Nürnberg Fuß im Berufsleben fassen.

  • Mit der TV-Reportage „Neue Bauern, altes Dorf“ richteten Gerd Vanselow und Winfried Schuhmann das Kameraauge auf Vorderhaslach auf der Hersbrucker Alb. Das Dorf hat sich dank des Unternehmergeists und der Eigeninitiative der Einwohner neu erfunden.

  • Die TV-Dokumentation „Großmarkt der Betriebsamkeit“ zeigt das geschäftige Treiben auf dem Großmarkt Nürnberg in der Leyher Straße. Einen Tag lang hatten Robert H. Schumann und Günther Wittmann die Menschen begleitet, die dort arbeiten: Sie alle sind Zeugen des Wandels der Zeit.


Laudator Michael Opoczynski, ehemaliger Chefredakteur des ZDF-Wirtschaftsmagazins WISO, lobte die zurückhaltende, handwerklich hervorragend produzierten Reportagen. Die Kamera habe die Protagonisten unaufdringlich bei ihrer täglichen Arbeit begleitet und "überragende" Bilderwelten geschaffen. Opoczynski: "Das ist eine Seltenheit in der kreischenden YouTube-Welt."


Zuwanderer fassen Fuß im Berufsleben, der Nürnberger Großmarkt im Wandel der Zeit und ein Dorf erfindet sich neu: Drei Reportagen.



Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis 2014


Den Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis für Verbraucherschutz mit einem Preisgeld von 8.000 Euro hat Susanne Schäfer gewonnen. Sie erhielt die Auszeichnung für ihre Zeit-Titelstrecke „Alles unverträglich? Millionen Deutsche glauben, Brot, Milch oder Obst machten sie krank“ vom 21. November 2013.

In dem Beitrag beschäftigte sich Schäfer mit der Angst der Menschen vor der Unverträglichkeit von Grundnahrungsmitteln. Sie setzte sich kritisch mit der Frage auseinander, ob diese nur eingebildet oder zum Vorteil der Produzenten sind.

Die Wirtschaftsprofessorin Mirjam Jaquemoth von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hob in ihrer Laudatio die informierende, nicht belehrende Aufbereitung des Textes hervor. Schäfer habe sich nicht auf die Seite der Verbraucher oder Lebensmittelanbieter geschlagen, sondern ausgewogen aufgeklärt - auf Basis "hervorragend" recherchierter Fakten.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Nur eingebildet oder zum Vorteil der Produzenten?



Plädoyer zur Förderung journalistischen Nachwuchses


Den Volontärspreis zum Themenfeld Nachhaltigkeit hat die Jury in diesem Jahr nicht vergeben. Diese Entscheidung hat das Gremium nach Sichtung der Einreichungen für den Nachwuchspreis bewusst getroffen. Keine der eingereichten Arbeiten sei herausragend und damit preiswürdig gewesen. Damit solle auch ein Signal gesetzt werden: Der journalistische Nachwuchs müsse noch mehr gefördert werden.

Die aktuelle Entwicklung in der Journalistenausbildung beschrieb der Leiter der Ausbildungsredaktion des Bayerischen Rundfunks, Clemens Finzer, in seiner Ansprache. Die Berufsaussichten seien angesichts des Strukturwandels der Medien derzeit "alles andere als rosig". Immer häufiger entschieden sich junge Menschen für andere Berufe.  Gesellschaft und Medienunternehmen müssten deshalb weiter in den journalistischen Nachwuchs investieren. Finzer: "Wir brauchen diese Wachrüttler."


Warum überhaupt Journalismus? Zwei Meinungen aus der Praxis.


Impressionen von der Verleihung der Journalistenpreise 2014