Journalistenpreise 2017

Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken prämieren hochwertigen Journalismus

13.10.2017

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern haben zum sechsten Mal ihre Journalistenpreise vergeben. Die Gewinnerbeiträge drehen sich darum, wie Ostbayern die Digitalisierung bewältigt, wie Facebook sein Netzwerk von problematischen Inhalten säubert und warum das IT-Paradies Silicon Valley auch Schattenseiten hat.

Video-Einspieler zur Verleihung der Journalistenpreise 2017



Die Journalistenpreise der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken werden bereits seit 2012 vergeben. Sie gingen in diesem Jahr an Jessica Seidel, Valerie Tielich und Simon Kunert für eine Artikelserie in „Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung“. Hannes Grassegger und Till Krause erhielten eine Auszeichnung für einen Beitrag im „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Moritz Aisslinger wurde für eine Reportage in „Die Zeit“ prämiert. Die drei Preise sind mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. Eine Jury hatte die Gewinner aus fast 70 Bewerbungen ausgewählt.

GVB-Präsident würdigt Gewinner der Journalistenpreise 2017


Der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), Jürgen Gros, ging in seiner Eröffnungsrede vor rund 120 Gästen im Literaturhaus München auf die Leistungen der Preisträger ein und hob den Stellenwert von hochwertigem Journalismus hervor. Es brauche Berichterstatter, „die auf der Suche nach Themen hartnäckig und unermüdlich ihren Spürnasen folgen. Die sich nicht abwimmeln lassen und immer wieder nachfragen“, sagte der GVB-Präsident. Die klassischen Qualitätsmedien erhielten zunehmend Konkurrenz durch soziale Netzwerke - es müsse daher auch darüber gesprochen werden, wie Unternehmen diese Form von Journalismus unterstützen können. Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken wollten mit ihren Journalistenpreisen einen Beitrag dazu leisten, so Gros.

Eine stärkere Förderung des journalistischen Nachwuchses durch die Wirtschaft forderte Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalistenschule. Sie rief in ihrer Festrede dazu auf, sich hier angesichts von „Filterblasen und Fake News“ stärker zu engagieren. „Für die Zukunft der demokratischen Gesellschaft ist es überlebenskritisch, dass die Journalisten von morgen bessere und fähigere Journalisten sind als die von heute“, sagte Löwisch. Es brauche Journalisten, "die sich nicht ins Bockshorn jagen lassen von Quoten und Klickzahlen, von simplen Parolen und komplexen Algorithmen, und auch nicht von Hasskommentaren", so die Leiterin der Journalistenschule.

Video-Einspieler zur Festrede von Henriette Löwisch



Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis


Seidel, Tielich und Kunert erhielten den Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis (Preisgeld: 8.000 Euro) zum Thema wirtschaftliche Bildung für ihre siebenteilige Artikelserie „Ostbayern 4.0“ im „Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung“. Darin untersuchen sie, wie die Digitalisierung die Arbeitswelten kleiner und mittlerer Unternehmen aus dem Landkreis Straubing-Bogen verändert. Die Jury überzeugte die „breit angelegte und für eine Regionalzeitung aufwendige Recherche“, auf der die Serie basiert. Die Laudatio hielt Gregor Peter Schmitz, Leiter des Hauptstadtbüros der Wirtschaftswoche und künftiger Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen.

Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis


Der Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis (Preisgeld: 8.000 Euro) für Verbraucherschutz ging an Grassegger und Krause. Sie erhielten die Auszeichnung für die Reportage „Im Netz des Bösen“, erschienen im „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Mit investigativer Recherche deckten sie auf, unter welchen Bedingungen Mitarbeiter eines Dienstleisters im Auftrag von Facebook verstörende Inhalte wie Gewaltvideos und Hasskommentare auf der Social-Media-Plattform sichten und löschen. „Der Text hat die Tragweite des Themas früh erkannt und wirkt bis heute nach“, urteilte die Jury. Der Leiter des Instituts für Verbraucherjournalismus, Christoph Fasel, übergab den Preis an die Gewinner.

Förderpreis für junge Journalisten


Aisslinger nahm den Förderpreis für junge Journalisten (Preisgeld: 4.000 Euro) zum Themenfeld Digitalisierung entgegen. Er erhielt die Auszeichnung für die Sozial-Reportage „Die armen Kinder vom Silicon Valley“, erschienen in „Die Zeit“. Er beschreibt darin eindringlich die Schattenseiten des Silicon Valley. Im vordergründig strahlenden und reichen „Zukunftslabor“ der Welt gebe es eine erschütternde neue Armut. Die Jury urteilt, die bedrückende Reportage entlasse den Leser mit der Erkenntnis, „dass die IT-Riesen im Valley ihrer sozialen Verantwortung nur bedingt gerecht werden und ihre Spendenbereitschaft vielmehr einem Schweigegeld für ein nicht zu duldendes Versagen entspreche“. Gerald Schneider, Ressortleiter Politik/Wirtschaft bei der Mediengruppe „Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung“, hielt die Laudatio für den Nachwuchsjournalisten.

Preisträger und Laudatoren der Journalistenpreise 2017 der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken
Bei der Preisverleihung (von links): Christoph Fasel, Till Krause, Hannes Grassegger, Moritz Aisslinger, Gerald Schneider, Gregor Peter Schmitz, Jessica Seidel, Simon Kunert, Valerie Tielich, die Jurymitglieder Stefan Stahl von der Augsburger Allgemeinen Zeitung und Hannes Lehner vom Straubinger Tagblatt, Jürgen Gros und die Jurymitglieder Daniela Wiegmann von der dpa, Astrid Freyeisen vom Bayerischen Fernsehen, Wolfgang Sabisch von afk M94.5 Aus- und Fortbildungsradio München und Markus Hack von den Nürnberger Nachrichten.



Impressionen von der Verleihung der Journalistenpreise 2017