Jubiläumsverbandstag des Genossenschaftsverbands Bayern

„Ein starker und unverzichtbarer Partner“

12.07.2018

1.200 Gäste haben beim Verbandstag das 125-jährige GVB-Jubiläum gefeiert. Unter ihnen war auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der gratulierte und die Bedeutung von Genossenschaften für den Freistaat hervorhob.


GVB-Präsident Dr. Jürgen Gros überreicht Ministerpräsident Dr. Markus Söder ein historisches Glückwunschtelegramm.

„Genossenschaften spielen eine herausragende Rolle im wirtschaftlichen und sozialen Gefüge“, sagte Söder bei dem Treffen der bayerischen Genossenschaftsorganisation in Unterschleißheim. Und weiter: „Genossenschaften tragen den für Bayern so wichtigen Mittelstand im Herzen und sind fest verankert in der Region. Sie leben die Prinzipien Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung."

Söder hob die besondere Bedeutung der Genossenschaften in den verschiedenen Branchen wie Landwirtschaft und Energie hervor. Zudem betonte er wie wichtig die Volksbanken und Raiffeisenbannken für die Mittelstandsfinanzierung sind. Er plädierte dafür, kleinere Institute vor übermäßigen bürokratischen Vorschriften zu entlasten, um die funktionierende Kreditversorgung zu sichern. Zu den umstrittenen Plänen für eine  EU-Einlagensicherung bekräftigte der Ministerpräsident die Linie der Staatsregierung: „Wir waren dagegen und wir sind dagegen.“


Der Beitrag zeigt eine Zusammenfassung des 119. GVB-Verbandstags in Unterschleißheim.

Den GVB bezeichnete der Ministerpräsident in seiner Festrede als „starken und unverzichtbaren Partner“ für die Menschen und die bayerische Wirtschaft. Und er gratulierte zum Geburtstag: „Herzlichen Glückwunsch zum 125-jährigen Gründungsjubiläum und Danke für das, was Sie jeden Tag, an so vielen Stellen und mit so vielen Menschen tun.“

Gegründet aus Liebe zur bayerischen Heimat


Der Verbandstag stand dieses Jahr im Zeichen der Verbandsgründung im Jahr 1893 in München. Damals hatten „die Liebe zur bayerischen Heimat und die Begeisterung für die Genossenschaftsidee“ den Impuls zur Gründung des Bayerischen Landesverbands gegeben, wie Wolfgang Altmüller, Vorsitzender des Verbandsrats und ehrenamtlicher Verbandspräsident, in seiner Ansprache sagte. Aus dieser Vorläufer-Organisation ging später der GVB hervor.

Ziel der damaligen Initiatoren war ein vom Zentralverband in Neuwied unabhängiger Landesverband, der im Interesse der Ortsgenossenschaften übergeordnete Funktionen übernehmen sollte. „Seine bayerischen Dinge selbst regeln. Das war die Devise der Gründer“, fasste Altmüller zusammen. Der Satzungsauftrag, den sie dem Verband damals mitgaben, ist bis heute nahezu unverändert. Er lautete: Prüfen, Beraten, Bilden und Interessen vertreten.

Altmüller ging auch auf ein weiteres für die Genossenschaftsorganisation wesentliches Jubiläum ein: auf das Raiffeisen-Jahr 2018 und den Genossenschaftspionier Friedrich Wilhelm Raiffeisen. „In diesem Jahr feiern wir seinen 200. Geburtstag, wir geben ihm die Ehre“, so Altmüller. Raiffeisen habe eine starke Idee als Erbe vermacht: „Seine Leitlinie ist der einfache Satz: ‚Wir helfen uns selbst.‘ Diese Aussage prägt seit Generationen jeden Menschen, der sich in Genossenschaften engagiert.“ Raiffeisen sei ein Mann der Praxis gewesen, kein Philosoph, würdigte er den Namensgeber zahlreicher genossenschaftlicher Unternehmen im Freistaat.

GVB-Präsident Gros fordert mehr Wertschätzung für kleine und mittlere Betriebe


Heute sind die 1.260 genossenschaftlichen Unternehmen in Bayern ein unverzichtbarer Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Das machte GVB-Präsident Jürgen Gros deutlich, als er gemeinsam mit Prof. Dr. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, und dem DZ-Bank-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Kirsch an einer Podiumsdiskussion teilnahm. Um weiterhin für Wachstum und Beschäftigung sorgen zu können, müssten mittelständische Betriebe wie Bayerns Genossenschaften jedoch auf stabile und verlässliche Rahmenbedingungen vertrauen können. Gros forderte deshalb insbesondere auf europäischer, aber auch auf nationaler Ebene mehr Wertschätzung für die Belange kleiner und mittlerer Unternehmen.

„In Europa und mitunter in Berlin fehlt oftmals die Bereitschaft, den deutschen Mittelstand zu verstehen. Stattdessen werden Regeln definiert, die den Anforderungen der Firmen nicht gerecht werden“, kritisierte Gros. In Bayern genieße der Mittelstand hingegen zu Recht Verfassungsrang. Der GVB-Präsident verwies dabei auf die in Artikel 153 der bayerischen Verfassung festgeschriebene Förderwürdigkeit des Mittelstands. Er sei schließlich das „zentrale Zahnrad der bayerischen Wirtschaft“. So stellen mittelständische Unternehmen gut drei Viertel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und bilden vier von fünf Azubis aus.

Damit der Mittelstand stark bleibt, sind nach Ansicht von Gros „drei Ks“ erforderlich: „Der Mittelstand braucht Kapital, um den Geschäftsbetrieb zu finanzieren. Er braucht Kollegen – also Fachkräfte – die das Unternehmen am Laufen halten. Und er braucht Kabel, um auch in ländlichen Regionen schnelle Datenverbindungen nutzen zu können.“

Die 125-Jahre-Chronik für alle Gäste


Der Verbandstag des GVB ist ein Netzwerktreffen der mittelständischen bayerischen Wirtschaft und findet jedes Jahr statt. Neben Vertretern der Mitgliedsgenossenschaften nehmen Verbund- und Kooperationspartner, politische Entscheider und Journalisten an dem Austausch teil. Alle Teilnehmer erhielten dieses Jahr die eigens für den Geburtstag aufgelegte Chronik. Das Buch steht in einer elektronischen Variante, aber auch unter www.gv-bayern.de/chronik zur Verfügung. Weitere Hintergrundinformationen zum Verbandsjubiläum finden sich in der aktuellen Ausgabe des GVB-Magazins „Profil“ unter www.profil.bayern.


Impressionen vom GVB-Verbandstag 2018