Julia Graven

„Weiter geht's“

21.10.2016

In ihrer umfangreichen, vierteiligen Artikelserie beschäftigt sich die Autorin mit dem Thema Unternehmensnachfolge. Sie hat dabei unter anderem einen Fugen- und Silikonhersteller besucht, eine Firma für Großküchentechnik, eine junge Hausverwalterin sowie einen Münchner Senf-Produzenten. Alle zeigen Wege auf, wie mit einer solchen Umbruchsituation erfolgreich umgegangen werden kann. Für die Beitragsserie erhält Julia Graven den Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis 2016 zum Thema wirtschaftliche Bildung.


Beitrag von Julia Graven zum Thema Unternehmensnachfolge im Magazin Impulse

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Begründung der Jury

„Nur noch in jedem vierten Kleinbetrieb gibt es eine Familiennachfolge. Oft sind gerade diese schwierig, weil sie mit Gefühlen und Konflikten belastet sind. Steht fest, wer die Nachfolge übernimmt, muss zudem exakt steuerlich und finanziell durchgeplant werden. Schenkung oder Kauf der Firma? Wie kann der Wert eines Unternehmens geschätzt werden? Welche Fördermittel können Unternehmensnachfolger anfordern, wenn sie sich für einen Kauf entscheiden? Auch Nachfolgebörsen im Internet vergleicht die Autorin miteinander.

Ihr Fazit: Zwar sei die Übergabe eines Unternehmens ein riskantes Vorhaben, sie könne aber durchaus so gestaltet werden, dass sowohl Senior-Chefs als auch Nachfolger davon profitieren. Oft sei sie sogar eine Chance, ein Unternehmen neu aufzustellen und erfolgreicher zu machen. Die Artikelreihe schließt jedoch ein Porträt über eine Firmenaufgabe ab. Auch die könne manchmal sinnvoll sein.

Die Serie „Weiter geht’s“ ist sehr breit und hintergründig recherchiert, die Autorin leuchtet das Thema Unternehmensnachfolge geradezu aus. Sie versucht dabei, auch neue Blickwinkel einzunehmen, sucht den unerwarteten und immer den aktuellen Dreh: Zum Beispiel, wenn sie der Frage nachgeht, wie sich Frauen als Nachfolgerinnen in Männerdomänen durchsetzen können, obwohl sie auf Widerstände stoßen.

Die sehr persönlich und lebendig erzählten Nachfolgebeispiele ragen heraus – auch mit einer starken Bilderwelt. Besonders beeindruckend ist das Porträt des Senfherstellers „Münchner Kindl“: Hier wird anschaulich, wie die übernehmenden Töchter gerade durch ihre unternehmensfernen Qualifikationen – sei es Erzieherin, sei es Schreinerin – dem Unternehmen guttun, es bereichern und Neues wagen.

Zahlreiche Experten von der Handwerkskammer, Nachfolge-Coachs oder Wissenschaftler werden befragt. Eine Überblickseite informiert anhand von verschiedenen Fallbeispielen über die aktuelle Lage zur geplanten Erbschaftssteuernovelle. Kurze, erklärende Interviews zur Übernahme, Überblickskästen zum Verkauf eines Unternehmens – alles klar strukturiert und kurzweilig zu lesen.

Der Autorin gelingt es, den Leser zu faszinieren, weil sie am Menschen entlang erzählt. Sie erreicht mit ihrer Verständlichkeit der Darstellung ein breites Publikum. Gleichzeitig liefert sie mit ihrer Liebe zum Detailwissen ein ungemein wertvolles Kompendium zum Thema Betriebsübergabe – für alle, die gerade in einer solchen Umbruchsituation stecken. Deshalb ist die Serie ein preiswürdiges Stück Journalismus, das der hohen gesellschaftlichen Relevanz des Themas mehr als gerecht wird.“



Fragen an die Preisträgerin


Julia Graven

Wie sind Sie auf die Idee für Ihren Beitrag gekommen?

Julia Graven: Die Redaktion von Impulse ist mit der Idee einer Serie zum Thema Nachfolge auf mich zugekommen. Gemeinsam haben wir dann überlegt, wo dabei die größten Herausforderungen für kleine und mittlere Unternehmer liegen. Wir haben lange nachgedacht, welche Aspekte es tatsächlich in die Serie schaffen – die Unternehmensnachfolge ist ja ein Thema mit vielen Facetten. Und viele Unternehmer machen sich darüber leider erst Gedanken, wenn sie eigentlich schon längst im verdienten Ruhestand sein sollten. Mir lag das Thema persönlich sehr am Herzen, denn mein Vater hat vor einigen Jahren bei der Planung seiner Unternehmensnachfolge eine ganze Reihe von Fehlern begangen, vor denen ich ihn gerne bewahrt hätte.

Mit welchen Herausforderungen waren Sie bei der Recherche des Themas konfrontiert?


Graven: Wer schon öfter über den deutschen Mittelstand geschrieben hat, weiß: Hier wird gerne geschwiegen. Über sich selbst und die eigene Firma offen zu sprechen, ist vielen kleinen und mittleren Unternehmern unangenehm. Wenn es um Zahlen, Umsatz oder gar Gewinn geht, wird es noch unangenehmer. Umso erfreulicher war es, dass ich doch einige starke Persönlichkeiten gefunden habe, die offen mit mir geredet haben. Sei es, über die Schwierigkeiten, ein existierendes Unternehmen mit all seinen Besonderheiten und meist auch einiger Patina zu übernehmen. Oder über das Ende des eigenen Unternehmerlebens. Denn das Nachfolgethema fordert ja immer auch die Beschäftigung mit der eigenen Endlichkeit. Wirklich schwierig war es, einen Unternehmer zu finden, der über die Schließung seiner Firma berichtet. Wer keinen Nachfolger findet, scheint in Deutschland immer noch den Verliererstempel zu tragen.

Worin liegt Ihr persönlicher Erkenntnisgewinn?

Graven: Ich finde es großartig, Menschen kennenzulernen, die mit Herzblut bei der Sache sind. Die Unternehmer, die ich im Rahmen der Recherche getroffen habe, waren es alle. Egal, ob sie Senf herstellen, Kataloge drucken oder als Hausverwalterin arbeiten. Ein studierter Betriebswirt, der Vaters Fugenfirma übernimmt, verbringt die ersten Monate auf Knien in den Badezimmern fremder Menschen, um die Fugen hinter der Toilette auszubessern. Hört sich nicht nach einem Traumjob an. Doch er weiß jeden Abend, was er tagsüber geschafft und was er für seine Familie verdient hat. Seine Augen leuchten, wenn er von seinen Zukunftsplänen erzählt. Er ist glücklich.