Kapitalmarktunion

Funktionierende Bankfinanzierung nicht gefährden

18.12.2014

Die EU-Kommission arbeitet an einem Konzept zur Schaffung einer europäischen Kapitalmarktunion. Darunter wird ein integrierter europäischer Kapitalmarkt verstanden, in dem finanzielle Mittel ungehindert über nationalstaatliche Grenzen hinweg fließen können. Das Ziel ist es, das Finanzsystem durch eine größere Vielfalt robuster zu machen und die Unternehmensfinanzierung zu verbessern. Auch sollen sich kleine und mittlere Unternehmen vermehrt über die Ausgabe von Aktien und Anleihen am Kapitalmarkt finanzieren.

Die Rahmenbedingungen für eine risikoarme und stabile Finanzierung mittelständischer Unternehmen zu stärken, ist wirtschaftspolitisch sinnvoll. Denn damit werden Wachstum, Stabilität und Beschäftigung in Europa unterstützt. Das Ziel kann aber nur gemeinsam mit den Banken und Unternehmen erreicht werden. Insbesondere das deutsche Drei-Säulen-Modell, in dem Regionalbanken bei der Finanzierung des Mittelstands große Bedeutung zukommt, ermöglicht mittelständischen Unternehmen eine stabile und attraktive Finanzierung. Dieses Modell hat sich wegen seiner Diversität als sehr robust erwiesen. So war auch dank den Sparkassen und Genossenschaftsbanken von einer Kreditklemme in Deutschland trotz Finanzkrise nichts zu spüren. Es verwundert deshalb nicht, dass zwei Drittel des fremdfinanzierten Investitionsvolumens in Deutschland aus Bankkrediten stammen.

Der Zugang zum Bankkredit muss auch in einer europäischen Kapitalmarktunion uneingeschränkt erhalten bleiben. Für viele Mittelständler kommt eine Kapitalmarktfinanzierung aus Kostengründen nämlich gar nicht infrage. So beläuft sich ein Mittelstandskredit bei den bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken durchschnittlich auf rund 130.000 Euro. Eine Unternehmensanleihe am Kapitalmarkt zu platzieren, ist dagegen meist erst ab einem Volumen von 50 Millionen Euro wirtschaftlich sinnvoll. Kreditinstitute werden folglich aufgrund ihrer Kundennähe, Markterfahrung und Risikomanagementkompetenz auch in einer europäischen Kapitalmarktunion als Vermittler zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern gebraucht.

Diese Rolle muss die EU-Kommission bei der Konzeption der Kapitalmarktunion berücksichtigen. Insbesondere muss sichergestellt werden, dass Regionalbanken bei der Vergabe von Mittelstandskrediten nicht benachteiligt werden. Die europäische Kapitalmarktunion darf die Bankfinanzierung des Mittelstands in Deutschland nicht gefährden.