Kapitalmarktunion: Die Realwirtschaft braucht starke Banken

30.03.2015

Mitte Februar hat die EU-Kommission ein Grünbuch zur Schaffung einer Europäischen Kapitalmarktunion zur Konsultation gestellt. Einen Schwerpunkt legt Brüssel darin auf eine Verbesserung des Zugangs zu Finanzierungsmitteln für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) durch Kapitalmarktinstrumente. So sollen beispielsweise die Regeln für Wertpapierprospekte vereinfacht, ein Rahmen für hochwertige Verbriefungen geschaffen sowie die Bewertung der Kreditwürdigkeit von KMU für Außenstehende erleichtert werden.

Grundsätzlich ist zu begrüßen, dass sich die EU-Kommission der Mittelstandsfinanzierung zuwendet. Denn kleine und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat der Volkswirtschaft – in Bayern wie in Europa. Marktbasierte Instrumente können die Finanzierungskonzepte mancher KMU ergänzen. Die wichtigste externe Finanzierungsquelle des Mittelstands ist jedoch der Bankkredit. Knapp 300 Milliarden Euro haben Kreditinstitute den mittelständischen Unternehmen hierzulande nach Angaben der Deutschen Bundesbank bereitgestellt.

Die Gründe für die Bedeutung des Bankkredits in der Mittelstandsfinanzierung sind vielfältig. Viele Unternehmer scheuen die mit Kapitalmarktaktivitäten einhergehenden Transparenzpflichten. Der Anleihemarkt ist für mittelständische Betriebe meist keine Alternative, weil Emissionen mit hohen Fixkosten verbunden sind. Am Frankfurter Börsenplatz werden deshalb im Entry Standard Emissionsvolumina von mindestens 50 Millionen Euro empfohlen. Der Finanzierungsbedarf von KMU liegt jedoch weit darunter. Und nicht zuletzt wissen die Firmen zu schätzen, dass die Kreditfinanzierung auf Grundlage gewachsener Beziehungen zur Hausbank auch in Krisenzeiten funktioniert. Vor diesem Hintergrund ist eine planwirtschaftliche Vorgabe aus Brüssel, wie sich das Verhältnis der Kapitalmarkt- zur Bankfinanzierung entwickeln soll, strikt abzulehnen. Vielmehr müssen die europäischen Institutionen dafür Sorge tragen, dass die Kreditvergabekapazität von Regionalbanken nicht durch übermäßige Regulierungsanforderungen beschnitten wird. Der zuständige EU-Kommissar Jonathan Hill hat zugesagt, die bestehenden Finanzmarktregeln dahingehend zu überprüfen, ob sie die Balance zwischen Risikomanagement und Wachstumsförderung halten. Dies ist ein erster Schritt in die richtige Richtung – weitere müssen folgen.