Kiessortieranlage der Raiffeisenbank Hengersberg-Schöllnach

Ein ganzer Haufen Schotter

28.11.2016

Die Raiffeisenbank Hengersberg-Schöllnach hat für 1 Million Euro eine neue Kiessortieranlage angeschafft. Die Bank investiert damit in die Zukunft eines besonderen Geschäftsbereichs.


Bei der Inbetriebnahme der neuen Kiessortieranlage am Standort Winzer.



Aus der Ferne wirkt das Ungetüm wie ein träge in der Landschaft liegender Krake. Nähert man sich, kommt Leben in das Metallkonstrukt. Große Siebe rütteln und mehrere Förderbänder rattern. Dazu speien dutzende kleine Düsen fauchend Wasser auf den Kies und hüllen ihre Umgebung in feinen Nebel. Steinchen klackern, Motoren brummen, gelegentlich dröhnt ein Radlader vorbei. Willkommen im Kieswerk Winzer im Landkreis Deggendorf.

Aufgeben oder investieren?


Das Sagen hat hier die Raiffeisenbank Hengersberg-­Schöllnach. „Wir sind in Deutschland vermutlich die einzige Bank, die eine Kiesgrube betreibt“, sagt der Vorstandsvorsitzende Karl Santner schmunzelnd. Das für ein Kreditinstitut ungewöhnliche Geschäft ist historisch bedingt: In der Nachkriegszeit wurde die Bank durch einen Noterwerb Eigentümer einer nicht ganz ausgebeuteten Kiesgrube. Den Betrieb weiterzuführen war die wirtschaftlich sinnvollste Option. Dabei blieb es. 35 der insgesamt 140 Mitarbeiter der Bank sind im Kiesgeschäft tätig. Jährlich verkaufen sie rund 150.000 Tonnen Sand und Kies und machen damit keinen schlechten Profit.

Der Betrieb stand vor einiger Zeit jedoch auf der Kippe. Nach dem Jahrhunderthochwasser 2013, das weite Teile der Region verwüstete, wurde beschlossen, größere Deiche anzulegen. Die alte Kiessortieranlage lag jedoch im künftigen Überschwemmungsgebiet außerhalb der neuen Schutzwälle. Regelmäßige Hochwasserschäden wären unausweichlich gewesen. „Wir standen vor der Wahl: Aufgeben oder investieren“, sagt Santner. Allein um die Arbeitsplätze zu erhalten, hat sich die Bank mit einer Bilanzsumme von 295 Millionen Euro für das Investieren entschieden. Zusammen mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt begab sie sich auf Standortsuche und wurde nahe dem Dorf Winzer fündig.

Seit April dröhnt dort nun der 120 Meter lange und etwa 17 Meter hohe Koloss. Der neue Standort ist aufgrund seiner Lage direkt neben der Staatsstraße günstig gelegen. Das nächste Wohngebiet ist weit entfernt, das aktuelle Kiesabbaugebiet der Bank umso näher. „Durch die Nähe zur Sortieranlage sparen wir uns im Vergleich zum alten Standort jährlich rund 200.000 Kilometer an Transportwegen“, sagt Peter Schreiner, der für das Geschäftsfeld zuständig ist. Rund zehn Jahre reichen die Gebiete, die sich die Genossenschaftsbank für den Abbau gesichert hat. Dieser Zeitraum machte den Neubau der Anlage für rund 1 Million Euro rentabel.

150 Tonnen Rohkies verarbeitet die Maschine nun pro Stunde. Schwere Lkw kippen dazu das Rohmaterial zunächst in einen großen Trichter. Dann geht es vollautomatisch weiter: Über Förderbänder gelangt der Rohstoff zu verschiedenen, zum Teil mit Wasserdüsen ausgestatteten Rüttelsieben, in denen der Sand ausgewaschen und der Kies nach Größe sortiert wird. Der im Wasser gelöste Sand wird ebenfalls gesammelt, nachdem er in einer eigenen Maschine vom Wasser abgeschieden wurde.

Hochwertige Baustoffe Kies und Sand


Im Gegensatz zum in die Jahre gekommenen Vorgänger entfernt die neue Anlage in einem weiteren Arbeitsschritt kleinste Holzstückchen und Pflanzenfasern aus dem Sand. „Das steigert die Qualität enorm“, erläutert Schreiner. Zusätzlich ist die neue Sortieranlage in der Lage, aus dem Abwasser Sandpartikel mit einer Größe von 0,1 Millimeter herauszufiltern.

Früher lagerten sich diese Partikel in den Reinigungsbecken für das Abwasser ab und mussten alle zwei Monate ausgebaggert werden. Jetzt kann die Bank den feinen Sand, der beim Verlegen von Erdkabeln zum Einsatz kommt, verkaufen. „Wir haben aus einem Abfallprodukt einen hochwertigen Baustoff gemacht“, freut sich Schreiner. Hauptabnehmer von Kies und Sand sind zwei Betonwerke aus der Region sowie zahlreiche kleinere Bauunternehmen. Auf Privatkunden entfallen nur rund 2 Prozent des Umsatzes.

Strenge Umweltauflagen


Damit die Bank den Sand und Kies abbauen darf, muss sie zahlreiche Vorschriften zum Umweltschutz einhalten. Das Wasser, mit dem der Kies gewaschen wird, stammt daher aus einem Abbauweiher in der Nähe. Dorthin gelangen die Abwässer nach der Reinigung in Absetzbecken auch wieder zurück. „In die Teiche kommt nichts hinein, was vorher nicht drin war“, erläutert Santner. Auch für die Gruben, aus denen Bagger den Rohkies entnehmen, muss die Bank strenge Auflagen beachten: So müssen diese mit natürlichem Erdreich, beispielsweise aus Baugruben, wieder aufgefüllt und das Areal in Wiesenbiotope umgewandelt werden. Sie dienen dann als Lebensraum für seltene Tierarten. „In gewisser Weise verdienen wir Geld damit, Ackerflächen in Biotope zu verwandeln“, sagt Santner.


Der Artikel ist in der November-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.


Bilder von der Kiessortieranlage der Raiffeisenbank Hengersberg-Schöllnach