Klappe Gastronomie eG in Regensburg

Eine Genossenschaft wird Wirt

24.07.2014

Die Klappe Gastronomie eG in Regensburg ist eine der ersten genossenschaftlich geführten Kneipen in Deutschland überhaupt. Die Genossenschaft hat mit ihren elf Jahren ein für Gastroverhältnisse geradezu astronomisches Alter erreicht und dabei mehr als eine Krise überstanden.

Blick in die Blick in die "Klappe" in Regensburg: Eine der ersten genossenschaftlich geführten Kneipen Deutschlands.


2003 schlossen sich neun Regensburger Bürger, eine Clique von Studenten, jungen Berufseinsteigern und Kellnern zusammen. Sie hatten beschlossen, ihre Lieblingsbar, die ehemalige Kinokneipe „Klappe“, vor der Schließung zu bewahren. „Die Klappe war gesund, allerdings wollten die früheren Besitzer neue Wege gehen“, erinnert sich Karl Grabinger, der seit der Gründung der Genossenschaft das Amt des Vorstandsvorsitzenden bekleidet.

Schnell stießen die Regensburger auf die Rechtsform eG. „Sie ist zwar in der Gastronomie selten, bot aber eine Reihe einschlägiger Vorteile“, so der Vorstand. Zunächst die Haftungsbegrenzung, die die Mitglieder im Falle einer Insolvenz vor dem Ruin bewahren sollte. Letztlich sei es aber das Prinzip „ein Mann, eine Stimme“ gewesen, das die Gründer überzeugte: „Wir haben Mitglieder, die nur 250 Euro erübrigen konnten, andere lösten Anteile im Wert von 6.000 Euro. Entscheidungen wollten wir aber gleichberechtigt fällen“, so Grabinger. Dies habe die Nachwuchswirte zudem vor einigen Fehlentscheidungen bewahrt, wie der Wirt freimütig berichtet.

In der bayerischen Genossenschaftsfamilie hatten die Regensburger lange Zeit einen Exotenstatus inne. Bei der Gründung im Jahr 2003 gab es nur ein genossenschaftliches Gasthaus in Bayern. „Der Verband hatte wenig Erfahrung mit Gastronomiegründungen“, sagt Grabinger. Zwischenzeitlich nimmt die Zahl von genossenschaftlichen Wirtshäusern vor allem im ländlichen Raum zu. Denn sogar im schnelllebigen Gaststättengewerbe kann die Genossenschaft mit Werten wie Solidität  und Mitbestimmung punkten.

Die Die "Klappe" von außen: Im Hintergrund ist der Regensburger Dom zu sehen.


Die Rechtsform schien der Klappe eine gewisse Stabilität verliehen zu haben: „Als die Steinerne Brücke wegen Sanierungsarbeiten gesperrt wurde, waren wir in Stadtamhof quasi von der Kundschaft abgeschlossen“, sagt Grabinger. „Um uns herum schlossen die Kneipen, auch für uns wurde es eng.“ Man habe letztlich durchhalten können, weil die Klappe viel von ehrenamtlicher Arbeit profitierte und sie für die Mitglieder eher Hobby statt Haupterwerbsquelle war.

Auch in den Folgejahren gab es Herausforderungen, die die Genossenschaft aber gut meisterte, zum Beispiel das Rauchverbot: „Wir haben leichte Einbrüche beim Getränkeabsatz und gleichzeitig einen Zuwachs bei den Speisen. Für uns entpuppte sich das Rauchverbot als Nullsummenspiel“, so der Vorstand. Gelassen blickt er auf den Mindestlohn, der schon heute landauf landab Gastronomen in Aufruhr versetzt. „Unser Service verdient heute bereits mehr als 8,50 Euro“, so der Vorstand lapidar.

Somit könnte die Zukunft der Klappe als gesichert gelten, gäbe es da nicht das Alter: „Mittlerweile haben wir alle geregelte Berufe und sind auch ein gutes Stück älter geworden. Ewigkeiten können wir das nicht machen“, sagt Grabinger. Und so denken die Mitglieder über eine Öffnung der Genossenschaft für die heutigen Angestellten der Klappe nach. Wer weiß, vielleicht führt dann bald eine zweite Generation von Enthusiasten das genossenschaftliche Kneipenexperiment weiter.



Welche Gastronomien in der Rechtsform eG es in Bayern sonst noch gibt, zeigt der Atlas der genossenschaftlichen Gasthäuser.