Klinik-Kompetenz-Bayern eG

Wie Krankenhäuser vom Netzwerkgedanken profitieren können

20.06.2016

Das Krankenhaus-Netzwerk der Klinik-Kompetenz-Bayern eG wächst und wächst. Die Mitglieder überzeugen nicht nur die Preisvorteile beim Einkauf. Sie profitieren auch von Wissenstransfer und Qualitätsmanagement.

Klinik-Kompetenz-Bayern
Die Vorstände der Klinik-Kompetenz-Bayern eG (von links): Alexander Schraml, Manfred Wendl und Jürgen Winter.


Es ist kein Geheimnis: Vielen Krankenhäusern im Freistaat geht es nicht gut. Laut der Bayerischen Krankenhausgesellschaft wiesen in den vergangenen Jahren rund die Hälfte der Kliniken rote Zahlen aus. Hauptursache: Die wachsende Zahl an vollstationär zu behandelnden Patienten erhöht die Kosten, während der Umsatz nicht im selben Maß steigt. Kein Wunder also, dass die Häuser neue Wege suchen, um aus der Misere zu kommen. Eine Lösung: der Zusammenschluss in der Klinik-Kompetenz-Bayern eG (KKB). Die Mitglieder der 2011 gegründeten Genossenschaft nutzen unter anderem Synergieeffekte beim Einkauf, in der Personalentwicklung, beim Controlling und in der Öffentlichkeitsarbeit.

Das Netzwerk funktioniert – und es wächst. Heute gehören 30 Träger mit 62 Kliniken zur KKB. Sie unterhalten mit 11.000 Betten rund 15 Prozent der bayerischen Krankenhauskapazitäten und erwirtschaften einen Jahresumsatz von circa 1,8 Milliarden Euro. Bei der  Gründung waren es noch zehn Träger mit 25 Kliniken gewesen. Mittlerweile ist die KKB in allen sieben bayerischen Regierungsbezirken vertreten. Aber wie hat die Integration der neuen Mitglieder funktioniert? Und wie schafft es die KKB, alle Interessen zu bündeln und einen Mehrwert zu bieten?

Einer, der die Antworten kennt, ist Jürgen Winter. Der Vorstand des mittelfränkischen Klinikums Altmühlfranken in Gunzenhausen ist seit Anbeginn Mitglied im Vorstand der KKB. In den vergangenen Jahren hat er die Entwicklung der Genossenschaft maßgeblich mitgestaltet.

Kontaktaufnahme und Integration


Nach fünf Jahren Tätigkeit zieht Winter ein positives Zwischenfazit: „Unsere Erwartungen wurden übertroffen.“ Dass die Idee einer Verbundlösung für Kliniken im kommunalen Bereich auf derart großen Zuspruch stoßen würde, hat ihn selber überrascht. Dabei sind es nicht nur die Preisvorteile beim gemeinsamen Einkauf, die sich für die Mitglieder lohnen. Ebenfalls wichtig sind der stetige Austausch und die Entwicklung gemeinsamer Programme, unter anderem bei der Fortbildung oder Verwaltung.

Ein Beispiel: Zusammen mit der Hochschule Ansbach hat die KKB ein Zertifizierungsprogramm für die Führungskräfteentwicklung aufgestellt. Mittlerweile haben 15 Teilnehmer den ersten Lehrgang erfolgreich abgeschlossen. „Die einzelnen Häuser profitieren sehr stark von unserem Netzwerkgedanken“, sagt Winter.

Unterschiedliche Interessen

Der Vorstand ist gefordert, die teilweise unterschiedlichen Interessen kleiner und großer Kliniken unter einen Hut zu bringen. Das klappt bisher gut: „Es gab noch kein Thema, bei dem wir grundsätzlich unterschiedlicher Auffassung waren“, so Winter. Als Vertreter eines mittelgroßen Hauses sieht er sich jedoch in der Pflicht, Entwicklungen anzustoßen, die zunächst nur größere Kliniken leisten können, derzeit beispielsweise beim Labormanagement. „Davon profitieren schließlich alle“, so der Vorstand. Auch der Interessensausgleich funktioniert sehr gut. Winter: „Insbesondere bei krankenhauspolitischen Themen ziehen wir an einem Strang.“

Über Arbeitsschwerpunkte und die strategische Ausrichtung der Genossenschaft entscheiden mehrere Projektgruppen. Ein Vorzeigeprojekt aus diesem Bereich ist die Initiative „Offensive Qualität“. Ziel ist es, den Begriff der Qualität systematisch für die Mitgliedskliniken zu besetzen. Die „Offensive Qualität“ ist eines von zwei Projekten, die Winter für besonders wichtig hält. Während die Initiative eher nach außen wirkt, soll das zweite Thema, das Wissensmanagement, vor allem intern Nutzen stiften. Dabei soll wiederum der Vernetzungsgedanke im Vordergrund stehen.

Zunächst erarbeitet die Genossenschaft, wie sie das Fachwissen des Einzelnen am besten für alle Mitglieder zur Verfügung stellt. „Die Informationen sollen in unserem Netzwerk besser verteilt werden, und die Mitglieder sollen sich eingeladen fühlen, sich einzubringen“, so Winter. Doch das ist nur der erste Schritt: Das Know-how soll danach nicht nur einseitig geteilt werden. „Wir wollen nicht wenige, die Input liefern, und viele, die die Inhalte abgreifen“, erklärt der Vorstand.

Er legt Wert darauf, dass Fachkräfte, die andere an ihrem Wissen teilhaben lassen, einen Gegenwert dafür erhalten. Die Einbindung der Mitglieder durch das Wissensmanagement ist für Winter der Kern der Genossenschaft. „Ich bin immer wieder von den motivierten Experten in den einzelnen Häusern angetan, mit denen man sich austauschen kann“, sagt er. Dadurch sei der Wissensschatz, auf den jede einzelne Klinik zurückgreifen kann, deutlich gestiegen.

Mittlerweile finde man in der KKB fast immer jemanden, der für ein Problem eine Lösung hat, so Winter. Und das hilft am Ende allen Kliniken dabei, eine gute Patientenversorgung zu gewährleisten – und gleichzeitig schwarze Zahlen zu schreiben.


Der vollständige Artikel ist in der Juni-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.