Klinik-Kompetenz-Bayern eG zur Corona-Krise

„Wir stehen Tag und Nacht für die Corona-Patienten bereit“

08.04.2020

Interview mit dem Vorstand der Klinik-Kompetenz-Bayern eG

Alexander Schraml ist Vorstand der Klinik-Kompetenz-Bayern eG (KKB) und Geschäftsführer der Main-Klinik Ochsenfurt. Die 31 Mitgliedsunternehmen der Genossenschaft unterhalten 11.500 Betten – und stehen damit für rund 15 Prozent der Gesamt-Kapazitäten im Freistaat. Im Interview spricht Schraml über die aktuelle Lage der Krankenhäuser und die Vorteile der Genossenschaft.

Herr Prof. Schraml, wie bewerten Sie die aktuelle Lage bei den Kliniken der KKB?

Alexander Schraml: Wir stehen vor einer äußerst ungewöhnlichen Situation. Einerseits betreuen wir viele Patienten, die aufgrund von schweren Corona-Symptomen auf Beatmungsgeräte angewiesen sind. Andererseits dürfen wir keine elektiven Eingriffe mehr vornehmen, also Eingriffe, die nicht akut sind. Das ist angesichts der Situation natürlich sinnvoll, führt aber dazu, dass so manche Klinik halb leer steht. Und dennoch stehen wir selbstverständlich Tag und Nacht bereit, falls wir plötzlich zahlreiche neue Patienten aufnehmen müssen. In den vergangenen Tagen habe ich mich häufig mit den Kollegen ausgetauscht: So eine Lage haben weder sie noch ich bisher erlebt.

Prof. Alexander Schraml

Experten erwarten den Höhepunkt der Corona-Pandemie nach Ostern. Was haben die Mitgliedskliniken der KKB unternommen, um sich auf den Ernstfall vorzubereiten?

Schraml: Wir haben die Anzahl der Beatmungsgeräte – soweit möglich – aufgestockt und die Betten freigeräumt. Zudem schonen wir das Personal, indem die Kolleginnen und Kollegen Überstunden abbauen oder ihren genehmigten Urlaub regulär wahrnehmen. Somit haben wir auch später genügend Ressourcen für eine optimale Versorgung aller Patienten.

Wie stellen Sie sicher, dass sowohl Corona-Patienten als auch Notfallpatienten ohne Viruserkrankung gleichermaßen gut versorgt sind?

Schraml: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Schließlich wird etwa der OP-Saal für alle Patienten benutzt. Aber natürlich gibt es in Kliniken schon außerhalb von Krisenzeiten sehr strenge hygienische Vorschriften, die eine Weiterverbreitung vermeiden. Und wir haben Zusatzmaßnahmen ergriffen: In der Main-Klinik Ochsenfurt ist etwa ein komplettes Stockwerk für Corona-Patienten isoliert.

Eine große Herausforderung für Kliniken ist derzeit, an Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung zu gelangen. Wie gehen Sie dabei vor?

Schraml: In diesem Bereich zeigt sich eine Stärke der KKB. Zusammen mit unserem langjährigen Vertragspartner, einer großen Einkaufsgesellschaft, versuchen wir, möglichst viel Material über unsere bestehenden Lieferanten zu erhalten. Zudem hat jede Klinik ein eigenes Beschaffungswesen. Die entsprechenden Mitarbeiter erhalten täglich unzählige Angebote – wenngleich diese nicht immer bezahlbar oder seriös sind. Dritte und bisher nur bedingt geeignete Option ist die Zuteilung durch den staatlichen Katastrophenschutz.

Welche weiteren Vorteile bringt die Mitgliedschaft in der Genossenschaft für die Kliniken?


Schraml: Vor allem der Wissenstransfer. Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig die Vernetzung unter den Häusern ist. Die Ansprechpartner sind bekannt und wir können unkompliziert bei anderen Kliniken nachfragen, welche Erfahrungen sie mit Corona-Patienten gemacht haben. Auf diese Weise profitieren alle Mitglieder der Genossenschaft.

Was kann die Politik machen, damit sich die Mitgliedskliniken noch besser um Corona-Patienten kümmern können?


Schraml: Das aktuelle Szenario einer weltweiten Ausbreitung eines gefährlichen Virus wurde – sogar in einem viel schlimmeren Ausmaß – bereits durchgespielt. Deshalb sind wir schon verwundert, dass der Katastrophenschutz so dürftig auf die Situation vorbereit ist. Besonders bedenklich ist die schlechte Verfügbarkeit von Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstung. Zudem wünschen wir uns in manchen Fällen ein koordiniertes Vorgehen. Am Wochenende hat die Staatsregierung kurzfristig und überraschend einen Aufnahmestopp für Pflegeheime veranlasst. Nun liegen viele – eigentlich gesunde – Patienten in unseren Kliniken. Wo sollen sie hin? Diese Situation stellt uns, Pflegebedürftige und ihre Familien vor große Probleme.

Herr Prof. Schraml, vielen Dank für das Gespräch!


Mitarbeiter der Main-Klinik Ochsenfurt rufen dazu auf, zuhause zu bleiben und damit die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Foto: Main-Klinik Ochsenfurt