Kontaktlos bezahlen mit der Girocard

Wenn ein Piepton das Kleingeld ersetzt

10.05.2017

Die Münchner Bank erprobt zusammen mit einer Bäckerei das kontaktlose Bezahlen mit der Girocard. Jörg Mutschall ist Zahlungsverkehrsexperte der Bank und erklärt, welche Vorteile das für Unternehmen bringt.

Bäckerei Ziegler, Kontaktloses Bezahlen mit Girocard
Bild links: Josef (li.) und Martin Ziegler haben in den Filialen ihrer Münchner Bäckerei zusammen mit der Münchner Bank kontaktloses Bezahlen eingeführt. Bild rechts: Mit der Girocard werden Kleinstbeträge bis 25 Euro innerhalb von Sekunden beglichen. Foto (re.): BVR/Torsten Silz



Manchmal entdeckt man neue Technologien, die das Leben einfacher machen, ganz nebenbei – etwa in der Barer Straße in München neben warmen Semmeln und Brezen. Dort können Kunden in einer Filiale der Bäckerei Ziegler seit Februar Kleinstbeträge bis 25 Euro innerhalb von einer Sekunde begleichen. Dazu halten sie lediglich ihre Girocard an ein Terminal. Einen Piepton später ist die Zahlung abgeschlossen – vorausgesetzt, die Karte ist mit der neuen Kontaktlos-Funktion ausgestattet.

Möglich ist der Service der Bäckerei dank eines Pilotprojekts der Münchner Bank. Diese hatte sich bei CardProcess, dem Betreiber der Bezahlterminals in der genossenschaftlichen FinanzGruppe, dafür eingesetzt, das neue Verfahren zusätzlich zur Pilotregion Kassel vorab auch in München testen zu können. Jörg Mutschall, Leiter Zahlungsverkehr und Electronic Banking in der Münchner Bank, steht dem Beratergremium „Kompetenzkreis CardProcess“ des genossenschaftlichen Verbundpartners vor. „Dort habe ich gesehen, wie ausgereift die Technik ist“, sagt er.

Schneller bezahlen, mehr Hygiene, weniger Bargeldlogistik


Nachdem die Münchner Bank für die Abwicklung kontaktloser Bezahlvorgänge freigeschaltet war, ging Mutschall mit seiner Idee auf die Bäckerei Ziegler zu. „Uns verbindet eine langjährige Geschäftsbeziehung und ein  Vertrauensverhältnis“, begründet er seine Wahl. Bei den Geschäftsführern, Josef und Martin Ziegler, stieß der Vertriebsexperte sofort auf Interesse. „Die kontaktlose Girocard beschleunigt für unsere Kunden nicht nur die Zahlung, sondern macht sie auch hygienischer, weil Verkäufer nicht mehr so viel mit Bargeld hantieren müssen“, erklärt Josef Ziegler. Das sei im Lebensmittelhandel ein enormer Vorteil.

Das neue Verfahren bietet zudem die Möglichkeit, die kostspielige Bargeldlogistik zu verringern: Bezahlen viele Kunden kontaktlos, müssen Unternehmen weniger Wechselgeld vorhalten. Nach Geschäftsschluss muss zudem weniger Geld gezählt und eigens zur Bank gebracht werden, wo es erst am nächsten Tag auf dem Konto verbucht wird. Das entlastet den Betriebsablauf. „Weniger Bargeld in den Kassen und Boten, die kaum Geld zur Bank bringen, bedeuten auch weniger Überfallrisiko“, sagt Mutschall. Das senke nicht zuletzt die Versicherungsprämien.

Firmenkunden erkundigen sich über kontaktloses Bezahlen


Diese Vorzüge haben sich bei den Unternehmen im Geschäftsgebiet herumgesprochen: „Wir bekommen laufend Anrufe von Geschäftsführern, die fordern: Was der Ziegler hat, das will ich auch“, sagt Mutschall. Ein Kollege etwa sei eine Woche lang nur in Bäckereien unterwegs gewesen. Bei weiteren Firmenkunden der Bank, darunter eine große Therme im Münchner Raum, stehe die Einführung kontaktloser Zahlungen unmittelbar bevor, verrät der Vertriebsexperte. Auch die Kunden der Bäckerei nehmen das neue Angebot gut auf. „Das Interesse an Kartenzahlungen hat spürbar zugenommen“, berichtet Josef Ziegler.

Das bestätigt auch die Münchner Bank. „Die Kunden fragen die neue kontaktlose Girocard in unseren Geschäftsstellen seit dem Start des Pilotprojekts aktiv nach“, sagt Mutschall. Wer möchte, kann deshalb auch vor Ablauf seiner aktuellen Karte eine neue kontaktlose Girocard beantragen. Im Rahmen des normalen Austauschprozesses hat die Bank bislang schon rund 35.000 Karten mit Kontaktlos-Chip ausgegeben. Bis Ende des Jahres werden es etwa 45.000 sein.

Der Austausch der Karten ist jedoch nur ein Schritt bei der Einführung. Der andere ist, die Händler mit den passenden Terminals auszurüsten. Hier hat die Münchner Bank vorgebaut: Bereits seit fünf Jahren stattet sie alle ihre Geschäftskunden standardmäßig mit Terminals aus, in denen die passende Hardware bereits integriert ist. Soll der Händler dann für das kontaktlose Bezahlen freigeschaltet werden, ist nur noch in kostenloses Softwareupdate notwendig. Das erleichtere die Einführung des neuen Services enorm, sagt Mutschall. „Wir ernten jetzt, was wir in den vergangenen fünf Jahren gesät haben.“


Der Artikel ist in der Mai-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt erschienen.