Kreditdatenbank AnaCredit: Banken nicht mit weiteren Kreditmeldungen belasten

15.09.2016


Ausgangslage


Im Mai 2016 hat die Europäische Zentralbank eine Verordnung zum Aufbau einer harmonisierten Kreditdatenbank (Analytical Credit Dataset, AnaCredit) erlassen. Das Gesetz regelt zunächst nur die erste Stufe des Meldeprojekts, die Ausleihungen der Banken an juristische Personen umfasst. Ab einer Meldeschwelle von 25.000 Euro fordert die EZB Informationen zu rund 100 Kreditmerkmalen. Wenn auch noch nicht explizit geregelt, behält sich die EZB für die Zukunft die Einführung weiterer Meldeschritte vor. Dann könnten auch z.B. Wohnungsbaukredite von Privatpersonen von den Meldepflichten betroffen sein.

Die nationale Umsetzung obliegt der Deutschen Bundesbank. Die AnaCredit-Verordnung gewährt ihr hierbei einige Spielräume. Beispielsweise können den kleinsten Instituten Meldeerleichterungen oder -befreiungen ermöglicht werden. Weitere Meldeerleichterungen für alle Banken sind bei Krediten möglich, die vor dem 1. September 2018 ausgegeben wurden.

Problem


Laut ihrem Beschluss von Anfang Juli 2016 wird die Deutsche Bundesbank von den Umsetzungsspielräumen nur teilweise Gebrauch machen. Zwar hat die Notenbank bei der Meldung von Bestandskrediten, die vor dem 1. September 2018 ausgegeben wurden, alle Möglichkeiten genutzt. Das erspart den Banken einen erheblichen Nacherfassungsaufwand.

Außerdem hat sie den Meldeumfang für etwa 750 sehr kleine Banken im Bundesgebiet, darunter rund 180 bayerische Kreditgenossenschaften, deutlich reduziert. Der GVB hatte den hohen Meldeaufwand für kleine Banken zuvor immer wieder kritisiert.

Jedoch hätte die Bundesbank hier mehr Spielraum gehabt. Denn die EZB-Verordnung hätte eine volle Meldebefreiung für diese Institute ermöglicht. Die Bundesbank begründet diesen Schritt damit, ihrerseits EZB-Standards für ihr internes Bonitätsanalyseverfahren einhalten zu müssen.

Trotz einiger Erleichterungen wird AnaCredit daher insbesondere kleineren Instituten wie den bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken weiterhin einen erheblichen Mehraufwand verursachen. Um allein die technische Anbindung an die Datenbank einzurichten, müssen die bayerischen Kreditgenossenschaften mitunter einen Millionenbetrag investieren. Die Kreditinstitute werden nicht umhin kommen, zumindest einen Teil des ihnen durch AnaCredit entstehenden Mehraufwands auf ihre Kunden umzulegen.

Hinzu kommt für die Institute jetzt eine Doppelbelastung durch das in Deutschland bestehende Millionenkreditmeldewesen. Beispielsweise sind für beide Meldesystematiken die Stammdaten des Kreditnehmers (Name, Adresse etc.; bei institutionellen Kreditnehmern zusätzlich Rechtsform, Wirtschaftszweig etc.) zu erfassen und zu melden. Auch die zu meldenden Kredit- / Betragsdaten (Höhe des Kredits, Kreditart, Währung, Tilgung etc.) sind größtenteils deckungsgleich.

Lösung


Auch wenn es in größerem Umfang möglich gewesen wäre, sehr kleine Institute zu entlasten, sind die von der Bundesbank gewährten Meldeerleichterungen für die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken zu begrüßen. Jetzt müssen die Institute schnell von den redundanten Meldungen im Rahmen des Millionenkreditmeldewesens befreit werden. Zudem fehlt nach wie vor eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse, die den Aufwand des EZB-Kreditregisters dem Nutzen für die Notenbanken gegenüberstellt. Von einer vorschnellen Erweiterung des Meldewesens z.B. auf Wohnungsbaukredite von Privatpersonen muss daher abgesehen werden.