Kreditdatenbank AnaCredit: Bürokratie für Mittelstand und Banken begrenzen

29.03.2016

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Pläne zur Errichtung des europäischen Kreditregisters Analytical Credit Dataset (AnaCredit) konkretisiert. Ende 2015 hat sie einen Verordnungsentwurf veröffentlicht. Dieser ermöglicht es den nationalen Notenbanken im Euroraum, in einer ersten Stufe ab Juni 2017 umfangreiche Kreditdaten von Banken und deren Firmenkunden einzusammeln. Ab einer Meldeschwelle von 25.000 Euro müssen rund 100 Kreditmerkmale an die nationalen Zentralbanken gemeldet werden. Zudem behält sich die EZB die Einführung weiterer Stufen vor. Die Meldepflichten könnten dann auf weitere Kredite, beispielsweise private Wohnimmobilienkredite, ausgeweitet werden.

Durch das Kreditregister wachsen Datenberge, deren Nutzen für die EZB fragwürdig ist und in keinem Verhältnis zum Aufwand der Banken für die Erfassung und Pflege der Daten steht. Deutsche Banken müssten laut Deutscher Bundesbank alleine in der ersten Stufe von AnaCredit die Merkmale von etwa 10 Millionen Firmenkundenkrediten melden. Ebenfalls betroffen wären mindestens 1,5 Millionen Unternehmen, die die Daten zusammenstellen und an die Banken übermitteln müssten.

Damit droht die Bürokratie für Mittelstand und Banken bei der Unternehmensfinanzierung aus dem Ruder zu laufen. Um das zu vermeiden, muss die EZB zumindest die Meldeschwelle von 25.000 Euro deutlich anheben. Besonders belastend für Kunden und Bankberater wären umfangreiche Nachfassaktionen zu bereits bestehenden Krediten. Daher ist eine Nacherhebung dieser Kreditbeziehungen unbedingt zu vermeiden.

Nicht zuletzt muss auch beim Kreditmeldewesen der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gelten. Es ist daher richtig, dass die EZB kleineren Instituten Meldebefreiungen ermöglichen möchte. Die Klassifikation als kleineres Institut sollte sich jedoch nicht am Gesamtvolumen der AnaCredit-Meldungen eines Landes, sondern an der Bilanzsumme orientieren. Dies würde den Banken die nötige Planungssicherheit hinsichtlich ihrer Meldepflichten geben. Kreditinstitute mit einer Bilanzsumme von weniger als 3 Milliarden Euro sollten daher von den Meldepflichten ausgenommen werden.