Kreditdatenbank AnaCredit: Gläsernen Bankkunden vermeiden

30.09.2015


Die Bankenaufsicht will künftig ein Vielfaches der bisher abgefragten Informationen über Bankkunden erfassen. So sieht es die bislang unveröffentlichte EZB-Verordnung zu einer harmonisierten Kreditdatenbank (AnaCredit) vor. Voraussichtlich ab Ende 2017 müssen Banken im Euroraum umfangreiche Daten zu Krediten und Kreditrisiken an die nationalen Zentralbanken melden. Damit droht ein gläserner Bankkunde.

Für Ausleihungen an juristische Personen und später auch für Wohnungsbaukredite an private Haushalte will die EZB ab einer Meldeschwelle von 25.000 Euro rund 150 Kreditmerkmale abfragen. Die nationale Umsetzung in Deutschland ist Aufgabe der Deutschen Bundesbank. Hier werden noch deutlich weitreichendere Anforderungen diskutiert. So könnte die Meldepflicht auf Konsumenten- und Dispokredite ausgedehnt werden. Zudem denkt die Notenbank über eine Reduzierung der Meldeschwelle auf Null nach. Laut Deutscher Bundesbank müssten dann bis zu 90 Millionen Kredite in Deutschland gemeldet werden. Es droht ein Zahlenfriedhof, dessen Nutzen bei Weitem nicht im Verhältnis zum Erhebungsaufwand steht. Insbesondere betroffen wären die Bankkunden. Im Fall der Dispokredite könnten die Pläne der Bundesbank beispielsweise dazu führen, dass bereits bei der Eröffnung eines Girokontos Informationen über Einkommen und Vermögen von den Kunden offengelegt werden müssten.

Vor diesem Hintergrund ist die Kritik von EU-Parlamentariern an den EZB-Plänen verständlich. Insbesondere ihre Fragen nach der Verhältnismäßigkeit der Anforderungen und dem Zweck der Datensammlung müssen vor Einführung der Kreditdatenbank abschließend beantwortet sein. Auch die Forderungen der Volksvertreter nach einem transparenteren Verfahren bei der Erarbeitung der Verordnung sowie einer öffentlichen Konsultation zum geplanten europäischen Kreditregister sind angesichts der Bedeutung des Themas richtig.

In jedem Fall müssen EZB und Bundesbank den Umfang der Meldeanforderungen einschränken. Denn abgesehen vom bürokratischen Mehraufwand für Kreditnehmer und Banken werfen die Pläne erhebliche Datenschutzfragen auf. Sowohl EZB als auch Bundesbank haben das Recht der Bankkunden auf ein hinreichendes Maß an Privatsphäre zu respektieren. Ein gläserner Bankkunde muss unbedingt vermieden werden.