Kreditdatenbank AnaCredit: Zahlenfriedhof zulasten der Banken vermeiden

18.12.2015

Die Europäische Zentralbank will sensible Daten von Millionen Kreditnehmern in einer zentralen Datenbank sammeln – dem sogenannten „Analytical Credit Dataset“ (AnaCredit). Den Entwurf einer entsprechenden Verordnung hat die EZB im Dezember 2015 veröffentlicht. Demnach sollen die Banken spätestens ab März 2018 in einer ersten Stufe Ausleihungen an juristische Personen melden. Weitere Schritte, unter anderem die Meldung von Immobilienkrediten an Privathaushalte, dürften folgen. Ab einem Kreditvolumen von 25.000 Euro werden hierbei Informationen zu rund 100 Kreditmerkmalen gefordert. Die Notenbank interessiert sich beispielsweise für Name und Adresse des Kreditnehmers, seinen Unternehmensumsatz sowie die Kreditkonditionen. Ungeachtet der Meldegrenze sollen die Banken der Aufsicht alle notleidenden Kredite bereits ab einem Volumen von 100 Euro mitteilen.

Mit AnaCredit droht ein Zahlenfriedhof: Bei einer Meldeschwelle von 25.000 Euro müssten allein in Deutschland 50 bis 60 Millionen Kredite gemeldet werden. Damit wächst ein riesiger Datenberg. Dessen Nutzen für die EZB ist nicht nur zweifelhaft, sondern steht in einem deutlichen Missverhältnis zum Erhebungsaufwand. Denn die Banken müssten Informationen ihrer Kunden erheben, die sie bislang nicht abfragen. Außerdem würden die Daten in kürzeren Zeitabständen gesammelt. Folglich entsteht nicht nur den Kreditinstituten, sondern auch ihren Kunden ein erheblicher Mehraufwand für die Erfassung und Pflege der Datenbestände.

Auch bei den Anforderungen des Kreditmeldewesens gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Diesen müssen die Notenbanken berücksichtigen. Die Ankündigung der EZB, den nationalen Zentralbanken Meldebefreiungen für kleinere Institute zu ermöglichen, ist daher ein Schritt in die richtige Richtung. Dieses Wahlrecht muss von der Deutschen Bundesbank in der nationalen Umsetzung genutzt werden.